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Rektoren erheben Vorwürfe gegen die Länder

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Berlin (dpa) - Die Hochschulrektoren haben den Bundesländern angesichts der seit drei Wochen anhaltenden Studentenproteste schwere Vorwürfe bei der Einführung der neuen Bachelor-Studiengänge gemacht. Sie seien unterfinanziert und überreguliert.

Durch «Restriktionen» und «falsche Anreize» hätten die Länder zu den stofflich überfüllten Lehrplänen beigetragen, heißt es in einer am Dienstag auf der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Leipzig einstimmig angenommenen Resolution. Auch hätten es die Länder versäumt, für Hochschulen wie Studierende «an wesentlichen Punkten Rechtssicherheit und Verlässlichkeit zu schaffen».

Am Rande der Konferenz demonstrierten nach Polizeiangaben erneut rund 4000 Studenten mit Trillerpfeifen, Trommeln und Transparenten gegen Studiengebühren und Verschulung des Studiums. Sie waren aus dem gesamten Bundesgebiet nach Leipzig angereist.

Die Rektoren baten die Studenten bei der weiteren Reform des Bachelor-Studiums um mehr Geduld. Vielerorts gebe es sichtbare Erfolge, wie die Verkürzung der Studienzeiten und mehr Akzeptanz der Bachelor-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt, heißt es in der HRK-Erklärung. Die Studiengänge würden «ständig unter der Beteiligung der Studierenden überprüft und, wenn notwendig, weiterentwickelt. Dies geschah und geschieht auch bei derzeit in Kritik geratenen Studiengängen.» HRK-Präsidentin Margret Wintermantel bezeichnete die Einführung der gestuften Bachelor- und Masterstudiengänge als «irreversibel». Sie sagte: «Wir sind dabei, diese Hochschulreform zum Erfolg zu führen und daran geht kein Weg vorbei.»

Während aus mehreren kleinen Hochschulstädten erneut Proteste gemeldet wurden, räumten anderenorts die Studenten freiwillig besetzte Hörsäle - «vorläufig», wie sie sagten. In Bochum wurde das Audimax von der Polizei geräumt. Drei Studenten wurden vorläufig festgenommen. In Osnabrück drohte das Rektorat die Räumung an.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa gibt es innerhalb der Rektorenkonferenz deutliche Meinungsverschiedenheiten darüber, wie mit den Protesten weiter umzugehen ist. Wintermantel bezeichnete nach Teilnehmerangaben in Leipzig einen Teil der Studenten als «dialogbereit», bei einem anderen Teil handele es sich um «politische Krawallmacher». Einige Rektoren warfen der HRK-Spitze ein zu «defensives Vorgehen» vor. Die Besetzung von Hörsälen sei «totalitär und undemokratisch». An der Sitzung hatten zwei vom HRK- Präsidium ausgewählte Studentenvertreter teilgenommen. Das wurde wiederum von mehreren Rektoren unter großem Beifall als «Alibiveranstaltung» kritisiert.

Einige Studenten stürmten in die Pressekonferenz der Rektoren. Sie werfen ihnen vor, nicht ihre Interessen zu vertreten. «Die HRK versteht sich als 'die Stimme der Hochschulen', ist aber weder demokratisch legitimiert, noch vertritt sie die Interessen der Studierenden», sagte eine Studentensprecherin.

Ein Viertel der staatlichen Hochschulen klagt einer Studie zufolge über Geldmangel. Ein Teil dieser Hochschulen sehe sich sogar in ihrer Existenz gefährdet, teilte die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young in Stuttgart mit. Das Unternehmen hatte die Kanzler und Vizepräsidenten von 281 Hochschulen in Deutschland befragt. Unter ihnen wird nach eigener Einschätzung der Wettbewerb um Studierende, Lehrkräfte und finanzielle Mittel immer härter. Deshalb wollten 90 Prozent der Hochschulen in erster Linie ihre Lehre verbessern und 81 Prozent ihr Studienangebot profilieren.

Hochschulen / Bildung / Proteste
24.11.2009 · 17:33 Uhr
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