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Reif für die Insel: Reise-Vorfreude trotz Anschlag

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München (dpa) - Mitten in die Urlaubs-Vorfreude und ins Kofferpacken hinein ist bei vielen deutschen Urlaubern die Nachricht vom ETA-Anschlag auf Mallorca geplatzt.

Vor allem in Bayern, wo am Freitag nach der Zeugnisvergabe die Schulferien begonnen haben. Beim Check-In am Münchner Flughafen ist am Freitagnachmittag bei den Mallorca-Reisenden die Betroffenheit groß. Aber die Flüge sind schon lange gebucht, und die Urlauber fühlen sich reif für die Insel. Und so versuchen sie, sich bei allem Mitleid mit den Opfern die Vorfreude auf den lange ersehnten Badeurlaub nicht allzu sehr trüben zu lassen.

«Natürlich sind die Kinder zum ersten Mal mit Terror konfrontiert. Wir haben das im Radio zusammen gehört», sagt Barbara Gorihsen. Sie reist mit ihrem Mann Nicolas und den beiden Töchtern Magdalena und Luisa für drei Wochen nach Mallorca - «und das nicht zum ersten Mal». Für die Kinder sei die Nachricht vom Anschlag ganz schrecklich gewesen, sie habe viel mit ihnen gesprochen, erzählt sie.

In der Schlange zum Check-In für den Flug AB 9720 nach Palma de Mallorca wartet auch Linda Bitter. Die schick gekleidete 21-Jährige reist mit ihren Eltern nach Mallorca und blickt fast trotzig nach vorn: «Es ist gar kein Problem für mich, jetzt nach Mallorca zu fliegen. Ich will jetzt meinen Sommerurlaub haben.» An den Ballermann will die junge blonde Frau zwar nicht, zu Partys bei Bekannten und «in kleinen Beach-Clubs» will die Hotelfachfrau aber schon gehen.

Ein paar Minuten später schlägt die 21-Jährige nachdenklichere Töne an: «Ich hoffe, dass alles gut geht.» Immerhin habe die Polizei nach dem Terroranschlag ja schon die Tatverdächtigen identifiziert. «Ich hoffe, dass damit die Gefahr gebannt ist.» Den schon lange geplanten Urlaub hätten ihre Eltern und sie ohnehin nicht mehr absagen können, betont die junge Frau.

«Natürlich habe ich etwas gemischte Gefühle», gibt eine 45 Jahre alte Journalistin zu, die ihren Namen nicht nennen will. Sie hoffe, dass Mallorca jetzt nicht weiter im Zentrum des Risikos stehen werde, sagt die 45-Jährige, die mit ihren beiden Söhnen und ihrer Tochter auf die Balearen-Insel fliegt. «Ich möchte mich aber auch nicht einschüchtern lassen und mich wegen solcher Vorfälle zu Hause einsperren.»

Auch von der Schweinegrippe-Gefahr wollen sich die Urlauber nicht verrückt machen lassen. «Man muss halt gesund leben und sich vitaminreich ernähren», sagt Barbara Gorihsen, die gelernte Heilpraktikerin ist. Dann reiche das Einhalten normaler Hygienemaßnahmen als Schutz völlig aus. Die 45-jährige Journalistin dagegen hat vorgesorgt: «Wir haben Mundschutz und antibakterielles Handspray dabei.»

Allein am Münchner Flughafen gehen am Freitag sieben Flüge nach Palma de Mallorca, an diesem Samstag und Sonntag stehen weitere 15 Flüge dorthin auf dem Flugplan. Auf die Last-Minute-Bucher werde der ETA-Anschlag kaum Einfluss haben, meint Birol Atlihan von einem Last- Minute-Reisebüro direkt am Münchner Flughafen. Denn diese Kunden seien junge Leute zwischen 18 und 25 Jahren. «Ganz ehrlich: Denen ist das scheißegal», sagt Atlihan. «Und viele bekommen das alles doch auch gar nicht mit.»

Terrorismus / ETA / Tourismus / Spanien
31.07.2009 · 22:52 Uhr
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