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Regierung will Spielerkarten für Automaten

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Berlin (dpa) - Angesichts hunderttausender abhängiger Spieler in Deutschland will die Bundesregierung Glücksspiel an Automaten nur noch mit Spielerkarten erlauben.

«In einem ersten Schritt wird eine personenungebundene Spielerkarte angestrebt», heißt es in einem derzeit im Bundesrat anhängigen Gesetzentwurf. Die SPD kritisierte den Plan am Mittwoch in Berlin als unzureichend.

Die Karte soll es erschweren, dass Spieler mehrere Geräte gleichzeitig bespielen. Außerdem soll es dann leichter fallen, Glücksspiel Minderjähriger zu verhindern. Die Karte funktioniert wie ein Schlüssel - ohne Karte soll das Gerät nicht mehr funktionieren. Ausgegeben werden soll sie vom Personal der Spielhalle oder vom Wirt. Die «Saarbrücker Zeitung» hatte zuerst darüber berichtet.

Für die SPD wäre die Karte ein wirkungsloses Placebo gegen Spielsucht. «Der bisher mangelhafte Jugendschutz kann nur mit einer personalisierten Spielerkarte verbessert werden», sagte die SPD-Drogenexpertin Angelika Graf. Nicht personalisierte Spielerkarten könnten auch an Jugendliche weitergegeben werden. In jeder Spielstätte könnte Spieler weitere Karten erwerben. «Eine nicht personalisierte Spielerkarte darf nicht der wirkungslose Ersatz für die dringend notwendige Verschärfung der Spielverordnung sein.»

Die SPD hatte in einem eigenen Antrag die Einführung einer Karte mit Namen und Geburtsdatum gefordert. Spielsüchtige könnten sich dann sperren lassen, für Jugendliche würde die Sperre automatisch gelten.

Das Bundeswirtschaftsministerium stellte aber klar: «Die häufig geforderte personengebundene Spielerkarte wirft eine Reihe datenschutzrechtlicher und technischer Fragen auf, die zunächst zu klären sind.»

Im Büro von Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) wird betont, Geld solle auf die Karte nicht aufgeladen werden können. «Es ist nicht beabsichtigt, dieses Identifikationsmittel Spielerkarte mit einer Geldkarte zu verbinden.» Die «Saarbrücker Zeitung» hatte berichtet, Spieler müssten die Spielsumme aufladen, im Gespräch seien maximal 200 Euro pro Tag und Spielstätte.

Die Spielverordnung, die die Details regeln soll, sei weiter in der Abstimmung innerhalb der Regierung, sagte ein Sprecher von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Bereits im Februar beriet das Ministerium einen Entwurf mit Verbänden - und zog dabei Proteste von Suchtexperten auf sich.

Nach offiziellen Zahlen gibt es in Deutschland 260 000 Glücksspiel-Abhängige sowie weitere 275 000 Menschen, die zu viel spielen, ohne schon süchtig zu sein. Die Zahl der Geräte in Spielhallen und Gaststätten hatte sich auf zuletzt 212 000 deutlich erhöht.

Gesundheit / Sucht / Glücksspiele
21.08.2012 · 14:54 Uhr · 415 Views
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