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Regierung: Gesundheitsmarkt auf Wachstumskurs

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Berlin (dpa) - Die Bundesregierung will die Gesundheitswirtschaft - eine der größten, aber wenig beachteten Branchen in Deutschland - weiter stärken.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) sprachen am Donnerstag von einem großen Beschäftigungspotenzial in diesem Bereich. Weltweit werde sich der Gesundheitsmarkt zwischen 2000 bis 2015 auf 7 Billionen US-Dollar (5,2 Billionen Euro) verdoppeln, sagte Merkel und fügte hinzu, Deutschland wolle davon einen angemessenen Anteil haben.

Rösler erläuterte, in der relativ krisenfesten Branche arbeiteten in Deutschland rund 4,6 Millionen Menschen in einer Vielzahl unterschiedlicher Berufe - von der Heilkunde über die Pflege bis zur Medizintechnik. Dies entspreche 11,5 Prozent aller Beschäftigten. Der Minister erwartet, dass 2030 dieser Anteil 20 Prozent erreiche. Zurzeit habe die Branche einen Jahresumsatz von gut 260 Milliarden Euro. Rösler und Merkel machten deutlich, dass sie in der Funktion des Türöffners für die deutsche Wirtschaft im Ausland eine ihrer Aufgaben sehen.

Beide räumten ein, dass zwischen Gesundheitswesen und Gesundheitswirtschaft ein gewisser Interessenkonflikt besteht. Merkel sagte, die Bundesregierung sehe sich in der Pflicht, die Grundlagen für ein modernes Gesundheitswesen zu entwickeln und zugleich der Gesundheitswirtschaft viele Möglichkeiten zu eröffnen. Sie kritisierte die technischen Verzögerungen bei der seit langem ausstehende Gesundheitskarte: «Deutschland ist hier manchmal etwas langsam.»

Der FDP-Politiker erläuterte, beim Gesundheitswesen handle es sich um einen Wirtschaftsbereich mit eher eingeschränktem Wettbewerb. Mehr Wettbewerb in der Branche stehe dem Solidaritätsgedanken aber keineswegs entgegen. Das Thema Gesundheit sollte stärker unter dem wirtschaftlichen Aspekt betrachtet werden. So sei eine vernünftige Gesundheitsreform möglich und zudem die Förderung der Gesundheitswirtschaft.

Die Kanzlerin lobte indessen die Forschungsanstrengungen in der Branche. Sie seien doppelt so hoch wie in anderen Branchen und kämen den Vorstellungen der Bundesregierung nahe. Ein Schlüssel zum Erfolg sei hier die Vernetzung zwischen Hochschulen, Forschungsstandorten und Unternehmen. Hier sei noch einiges zu tun. Die USA seien hier wesentlich weiter.

Rösler argumentierte: «Unser Ziel ist es, die Wachstumspotenziale weiter zu stärken. Auch deshalb sorgt die christlich-liberale Koalition für eine solide und faire Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung. Wir bringen gleichzeitig die Forschung in Deutschland voran und bauen bürokratische Hürden ab. Das nutzt den Unternehmen, den Kassen und vor allem den Patienten», sagte der liberale Minister.

Kernbereich der Gesundheitswirtschaft oder «erster Gesundheitsmarkt» ist die klassische Gesundheitsversorgung, die größtenteils durch gesetzliche (GKV) und private (PKV) Krankenversicherung einschließlich Pflegeversicherung geprägt ist. Der «zweite Gesundheitsmarkt» umfasst alle privat finanzierten Produkte und Dienstleistungen rund um die Gesundheit - bis hin zu Fitness, Wellness oder Gesundheitstourismus.

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung betrugen danach im vergangenen Jahr 171 Milliarden Euro, die der privaten Krankenversicherungen 25 Milliarden Euro. Der Umsatz im zweiten Gesundheitsmarkt lag bei rund 55 Milliarden Euro.

Gesundheit / Wirtschaft
29.04.2010 · 17:07 Uhr
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