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Referendum in Riga: Letten sagen «Ne» zu Russisch

Mit deutlicher Mehrheit haben sich die Letten gegen die Einführung von Russisch als zweiter Amtssprache entschieden. Foto: Alexander WelscherGroßansicht

Riga (dpa) - 20 Jahre nach der Loslösung von Moskau hat Lettland in einem Referendum «Ne» gesagt zur Einführung von Russisch als zweiter Amtssprache neben Lettisch. Damit bleibt die Ex-Sowjetrepublik von der Größe Bayerns ein sprachlich gespaltenes Land.

Trotz der weiter angespannten Atmosphäre wollen aber die starke russische Minderheit und die Mitte-Rechts-Regierung in der Hauptstadt Riga aufeinander zugehen, betonten Vertreter beider Lager am Sonntag. Die Ostseerepublik mit ihren 2,3 Millionen Einwohnern benötige einen «respektvollen Dialog», unterstrich Präsident Andris Berzins. Gegen die Einführung von Russisch hatten fast 75 Prozent der Wähler gestimmt.

Bei einem erfolgreichen Ausgang des Referendums hätte Russisch zur 24. Amtssprache der Europäischen Union werden können. Das russische Außenministerium rief die russische Minderheit im Nachbarland auf, weiter um ihre Rechte zu kämpfen. «Die Ergebnisse des Referendums sind ein ernstes Signal für die lettischen Behörden, das Problem zu lösen», hieß es in einer Mitteilung in Moskau. Viele Letten fürchten, Russland wolle mit Hilfe der starken Minderheit massiv Einfluss auf die Politik des EU- und Nato-Mitglieds ausüben. Rund ein Drittel der 2,3 Millionen Einwohner Lettlands sind russischer Herkunft.

Die Organisatoren des Referendums erkannten die Niederlage an. Ziel sei gewesen, einen Dialog zu starten - und dies sei gelungen, sagte Wladimir Linderman. «Das Referendum ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang.» Die Minderheit werde ihren «Kampf» fortsetzen. Dass in der zweitgrößten lettischen Stadt Daugavpils etwa 85 Prozent für Russisch gestimmt hätten, verdeutliche die tiefe Spaltung des Landes.

Nach Angaben der Wahlkommission hatten etwa 74,8 Prozent der 1,5 Millionen Stimmberechtigten gegen («pred») die Initiative der Bürgerbewegung Muttersprache votiert. Rund 24,88 stimmten dafür («par»). Für die Verfassungsänderung wäre die Zustimmung von mindestens der Hälfte der Berechtigten nötig gewesen. Etwa 70,73 Prozent gaben ihre Stimme ab, das ist eine der höchsten Beteiligungen in dem baltischen Land seit der Unabhängigkeit von Moskau 1991.

Zeitgleich zum Referendum musste die lettische Sprache aber auf anderem Gebiet eine «Niederlage» einstecken. Bei der nationalen Endausscheidung für den Eurovision Song Contest in Aserbaidschan im Mai setzte sich in Riga eine Sängerin mit einem russischen Namen und einem englischen Lied durch: Linda Amantova mit «Beautiful song».

Minderheiten / Sprache / Lettland
19.02.2012 · 15:18 Uhr
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