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Rebellen rücken gegen Gaddafi-Hochburg vor

Muammar al-Gaddafi am 09.10.2010 in Tripolis: In Libyen gefundene Dokumente enthüllen nach Informationen der «New York Times» eine enge Kooperation zwischen dem US-Geheimdienst CIA und dem Gaddafi-Regime.Großansicht

Tripolis (dpa) - Langsam rollen die Aufständischen die letzten Widerstandsnester der Gaddafi-Anhänger auf. In Tripolis legen entdeckte Dokumente nahe, dass der einstige Machthaber vom Westen hofiert und sein Geheimdienst mit CIA und britischem MI-6 kooperierte.

Die Aufständischen in Libyen haben eine der letzten Hochburgen von Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi nahezu eingekreist. Die Kämpfer seien bereit, «innerhalb von 24 Stunden» in die Wüstenstadt Bani Walid einzurücken, berichtete eine Reporterin des Fernsehsender Al-Dschasira am Sonntag unter Berufung auf Rebellen im Frontgebiet. Verhandlungen mit Stammes-Vertretern in Bani Walid seien in eine Sackgasse geraten, fügte sie hinzu. «Die Zeit (für Gespräche) ist abgelaufen», sagte einer der Verhandlungsführer der Rebellen Al-Dschasira. Für Aufsehen sorgen Geheim-Dokumente aus Tripolis, die auf eine enge Kooperation des Gaddafi-Regimes mit westlichen Geheimdiensten schließen lassen.

«Wir werden unsere Oberhoheit über das ganze freie Libyen ausdehnen, mit allen Mitteln und ungeachtet der Kosten», sagte der Militärsprecher des Übergangsrates, Ahmed Bani, am Sonntag in Bengasi. Die Militärkräfte der Aufständischen würden bereits «strategische Schlüsselpositionen» rund um Bani Walid kontrollieren und die Wüstenstadt demnächst «befreien». Gaddafi und drei seiner Söhne sollen bei ihrer Flucht in den Süden des Landes dort Station gemacht haben.

Banis Worten zufolge seien sich die Stammesführer im Inneren der 150 Kilometer südöstlich von Tripolis gelegenen Stadt nicht einig darüber, ob sie kämpfen oder kapitulieren sollten. «Am Ende werden sie sich unterwerfen, denn sie sind Cousins und wollen nicht, dass des Anderen Blut vergossen wird», fügte der Sprecher hinzu.

Nato-Kampfflugzeuge griffen am Sonntag erneut Ziele in den verbleibenden Gaddafi-Hochburgen an. In Bali Walid trafen die Bomben des nordatlantischen Bündnisses unter anderen ein Munitionsdepot. Weitere Militärziele wurden in Sirte und Buairat al-Hasun bombardiert.

In den vom Gaddafi-Regime hinterlassenen Geheimdienst-Zentralen tauchten Dokumente auf, die die enge Zusammenarbeit westlicher Nachrichtendienste mit den entsprechenden libyschen Behörden belegen sollen. Die Gaddafi-Geheimdienste waren für Missachtung der Menschenrechte und Folterpraktiken bekannt. Die Echtheit der Dokumente konnte zunächst nicht überprüft werden, sie wird jedoch als wahrscheinlich angenommen.

So habe die CIA unter anderem achtmal Terrorverdächtige gegen ihren Willen zur Befragung nach Libyen geschickt, meldete die «New York Times» am Samstag. Auch der britische Geheimdienst MI-6 habe kooperiert und sogar für das libysche Regime Telefonnummern überprüft.

Die Angaben stützten sich auf Dokumente, die Rechercheure der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) in der Zentrale des Auslandsgeheimdienstes in Tripolis gefunden hatten. Sie stammten aus der Zeit 2002 bis 2006, als der spätere Außenminister Mussa Kussa diesen Dienst geleitet hatte. Kussa hatte sich nach Ausbruch der Revolte gegen Gaddafi im Februar nach Großbritannien abgesetzt.

Den gefundenen Dokumenten zufolge hätten viele westliche Agenten ein «kumpelhaftes Verhältnis» zu ihren libyschen Kollegen entwickelt, sagte der Nahost-Direktor von HRW, Peter Bouckaert, am Samstag der BBC. Er zitierte aus dem Fax eines westlichen Geheimdienstes an Kussa, in dem stand: «Lieber Mussa, danke für die Orangen, die Sie uns zuletzt sandten, sie waren ausgezeichnet.»

Weder die CIA noch das britische Außenministerium wollten sich direkt dazu äußern. Eine CIA-Sprecherin meinte lediglich, es könne «nicht überraschen», dass ihre Agentur mit ausländischen Regierungen zusammenarbeitet, um «unser Land vor Terrorismus und anderen tödlichen Bedrohungen zu schützen».

Deutschland habe von Libyen Informationen im Zusammenhang mit der Terrorismus-Bekämpfung erhalten, nicht aber in der Art der anderen Geheimdienste kooperiert, erklärte der ehemalige deutsche Geheimdienst-Koordinator Bernd Schmidbauer in der «Bild am Sonntag». «Diese Linie haben wir nie überschritten», betonte der von 1991 bis 1998 amtierende Staatsminister der Regierung Kohl.

HRW-Direktor Bouckaert sagte der Presseagentur dpa in Tripolis, dass auch Dokumente von deutschen Geheimdiensten gefunden wurden. Über ihren Inhalt vermochte er jedoch keine Angaben zu machen, weil sie die HRW-Rechercheure nicht fotografiert hatten. Einem dpa-Team, das sich am Sonntag in der Zentrale des Auslandsgeheimdienstes umsehen wollte, verwehrten Milizionäre der neuen Führung den Zutritt.

Links zum Thema
Bericht New York Times
Konflikte / Libyen
04.09.2011 · 19:22 Uhr
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