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Reaktionen: Noch gilt die Unschuldsvermutung

Bayern-Manager Uli Hoeneß: Großansicht
Hamburg (dpa) - Ein neuer großer Wettskandal erschüttert den europäischen Fußball. Mehr als 200 Spiele sollen verschoben worden sein, darunter über 30 Partien in Deutschland. Die Deutsche Presse-Agentur dpa hat am Wochenende wichtige Stimmen aus dem deutschen Fußball gesammelt.

Theo Zwanziger (Präsident Deutscher Fußball-Bund): «Sobald wir wissen, gegen wen ermittelt wird, werden wir der Staatsanwaltschaft natürlich alles zur Verfügung stellen, was sie braucht. Es liegt ganz in unserem Sinne, dass die Staatsanwaltschaft das so aggressiv angeht. Wenn wir die Dinge unter den Teppich kehren würden, dann hätten wir das schleichende Gift der Betrügereien und Manipulationen in unserem Haus. Wir haben 1,4 Millionen Fußballspiele und wenn da 32 Spiele von der Staatsanwaltschaft in Deutschland untersucht werden, dann ist das gut für uns, weil es zeigt, dass wir diese Dinge nicht als Kavaliersdelikt abtun.»

Reinhard Rauball (Präsident Deutsche Fußball Liga DFL): «Natürlich droht uns von der Wettszene eine große Gefahr. Diese Ansicht habe ich immer aufrechterhalten - auch nach Hoyzer. Doch es hängt davon ab, welche Vorwürfe bewiesen werden können. Wir machen uns Sorgen. (...) Noch gilt die Unschuldsvermutung. Es ist nicht hinnehmbar, dass Spieler öffentlich geoutet werden und sich dann per Mikrofon vor der Tribüne und den eigenen Zuschauern rechtfertigen müssen. Da wäre ein anderes Verfahren möglich gewesen.»

Harald Strutz (Präsident Mainz 05 und DFL-Vizepräsident im DSF): «Für mich stellt sich die ganze Frage so da: Die Unschuldsvermutung muss zunächst einmal gelten. Wir, von der Liga und vom DFB zusammen, haben ja gerade nach dem Fall Hoyzer reagiert. Dass das jetzt im Moment nicht greift, wird auch untersucht werden müssen.»

Uli Hoeneß (Manager FC Bayern München bei Sky): «Solange das in der 5., 6., 7., oder 8. Liga passiert, betrifft mich das als Mensch überhaupt nicht. Ich bin der Meinung, das muss brutal geahndet werden. Ich glaube nicht, dass das mit dem Profi-Fußball im Allgemeinen etwas zu tun hat.

Markus Babbel (Trainer des VfB Stuttgart): «Es ist sehr schade, dass es im Moment keine Möglichkeit gibt, so etwas zu verhindern. Es gibt einige Leute, denen ist dieses Spiel nicht wichtig genug, sondern sie spekulieren auf irgendwelche Beträge, die sie einheimsen können. Sowas macht den Fußball kaputt. Wenn man beweisen kann, dass irgendjemand da mitgemacht hat oder sogar Drahtzieher ist, dass er dann auch entsprechend hart bestraft wird. Es gibt ja bisher ein paar Spieler, die beschuldigt werden und beteuern, dass sie es nicht waren. Ich glaube es ihnen, denn sonst kann man sich normalerweise nicht so hinstellen.»

Ralf Rangnick (Trainer 1899 Hoffenheim): «Nachdem es vor fünf Jahren bereits einen (Wettskandal) gegeben hat, ist es klar, dass das nicht gut für das Image des Fußballs ist. Es sollte uns allerdings auch nicht zu sehr überraschen. Fußball ist ein Spiegel unserer Gesellschaft und es gibt Dinge, wie sie bei Siemens oder der Deutschen Post passiert sind. Überall wo viel Geld im Spiel ist, besteht die Gefahr, dass diese Dinge passieren. Lassen sie uns erst einmal abwarten, was da wirklich alles dahinter steckt. Und dann hat die Erfahrung gezeigt, dass in solchen Fällen nur ganz drastische Maßnahmen helfen. Wenn man sich den Fall von Juventus Turin anschaut, die wurden dann plötzlich zwangsabgestiegen. Da hilft nichts anderes als ganz klare Sanktionen und ganz klar dagegen vorzugehen.»

Klaus Allofs (Geschäftsführer Werder Bremen): «Ich befürchte, dass jetzt wieder alles in einen Topf geworfen wird, obwohl das in der ersten Liga kein Thema ist. In den unteren Ligen geht es um weniger Geld, da ist der Anreiz vielleicht auch größer. Aber grundsätzlich denke ich: Wo man das Glück beeinflussen kann, wird man es versuchen, das ist auch in anderen Lebensbereichen so. Es ist vermessen, zu glauben, dass wir mit diesem Problem nie wieder etwas zu tun haben werden. Man muss sich jetzt Zeit nehmen, bis die Verdächtigen sich dazu geäußert haben. Aber wenn sich herausstellt, dass Spiele manipuliert wurden, muss es harte Strafen geben.»

Thomas Schaaf (Trainer Werder Bremen im DSF): «Mir gefällt es nicht, wenn man heute die Zeitung aufschlägt und schon Bilder von Spielern sieht, die dort angeprangert werden. Ich habe auch die Hoffnung auf den Glauben, dass da nichts dran ist.»

Felix Magath (Trainer und Manager Schalke 04 bei «Liga total»): «Man muss sehen, was bei den Ermittlungen rauskommt, ob auch tatsächlich manipuliert wurde - und wenn, dann müssen natürlich harte Strafen her, das ist gar keine Frage. Aber die erste Liga ist nicht betroffen (...) Das zeigt, dass das Niveau in der höchsten Liga, auch was Schiedsrichter angeht, so hoch ist, das man da nur schwer was machen kann.»

Bernd Schuster (Experte bei «Liga total»): «Das Schlimmste sind die Zweifel, die jetzt aufkommen, gegenüber Schiedsrichtern und Spielern. Ich hoffe, und das ist jetzt angesagt, das jetzt richtig aufgeklärt wird. Ich denke, das man jetzt Zeichen setzen muss und hart durchgreift. Man muss die beteiligten Leute aus dem Verkehr ziehen.»

Fußball / Kriminalität / Wetten / Reaktionen
23.11.2009 · 11:24 Uhr
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