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Reaktionen: «Heute sind wir alle Chilenen»

Kumpel im Bergwerk SaarGroßansicht

Berlin/Madrid (dpa) - Auf der ganzen Welt haben Menschen erleichtert und mit Freude auf die reibungslos angelaufene Rettung der chilenischen Minenarbeiter reagiert.

«Ganz Deutschland freut sich mit den Bergleuten und ihren Angehörigen. Der erfolgreiche Beginn dieser Rettungsaktion ist ein modernes Wunder», sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) am Mittwoch in Berlin. «Ich hoffe, dass die Bergung bald glücklich zu Ende gebracht werden kann.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ über Regierungssprecher Steffen Seibert ausrichten: «Wir sind sehr froh, dass das bisher so reibungslos gelingt und dass auch jeder der bisher Geretteten in so offensichtlich zufriedenstellendem Gesundheitszustand ist.» Merkel werde dem chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera Glückwünsche übermitteln, wenn auch der letzte der Kumpels in Sicherheit sei.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso bekundete seine «große Erleichterung» über den Beginn der Rettungsaktion. «Die Kameradschaft und die Widerstandskraft der Bergleute, die Planung und Effizienz der Rettungsaktion und die Solidarität aller haben der Welt eine Botschaft der Hoffnung und Zuversicht gegeben», hieß es in einem in Brüssel veröffentlichten Schreiben Barrosos an den chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera.

Spaniens Vizeregierungschefin María Teresa Fernández de la Vega sagte in Madrid: «Wir erleben eine echte Heldentat.» Die Rettung sei ein weiteres Beispiel dafür, wie die Technik im Dienste des Menschen stehen könne, ergänzte sie bei der Eröffnung eines Technologieforums. «Die menschlichen Werte, die uns über die Grenzen hinweg einen, haben in der Technologie ihren besten Verbündeten.»

Auch das spanische Parlament feierte den erfolgreichen Start der weltweit mit Spannung verfolgten Aktion am Bergwerk San José. «Wir freuen uns über den Erfolg der Operation und hoffen, dass sie bald abgeschlossen werden kann», sagte Parlamentspräsident José Bono zu Beginn einer Plenarsitzung in Madrid.

Papst Benedikt XVI. meldete sich ebenfalls zu Wort. «Ich empfehle die Bergleute, die in der Atacama-Region in Chile verschüttet sind, weiterhin mit Hoffnung der Güte Gottes», sagte das katholische Kirchenoberhaupt in Rom bei der allwöchentlichen Generalaudienz.

Die deutschen Bergleute an der Saar zeigten sich erleichtert. «Wir sind bei unseren Kollegen in Chile. Ich möchte unserer Schutzpatronin - der Heiligen Barbara - Dank sagen», sagte Betriebsratsmitglied Ralf Kutkowski zu Beginn der Mittagsschicht im Bergwerk Saar. Viele der Bergmänner waren am Morgen extra früh aufgestanden, um den Start der Rettung am Bergwerk San José live im Fernsehen mitzuverfolgen. «Als der erste Kumpel hochkam, hatte ich eine Gänsehaut», berichtete Gerd Zimmer von der Grubenwehr.

Ebenfalls live vor dem Fernseher verfolgte ein Überlebender des Grubenunglücks von Lengede die Rettung. «Die meisten sind noch gut bei Kräften und einige führen sogar Freudentänze auf und umarmen alle. Dazu waren wir damals gar nicht in der Lage, obwohl wir auch froh waren, rausgekommen zu sein», sagte Siegfried Ebeling der Nachrichtenagentur dpa in Hannover.

Der 79-Jährige aus dem niedersächsischen Bodenstedt bei Lengede hatte vor knapp 50 Jahren zur Gruppe der elf Bergleute gehört, die nach einem Grubenunglück vierzehn Tage in einem stillgelegten Stollen ausharren mussten. Am 3. November 1963 waren die Kumpel gerettet worden, das Geschehen wurde als «Wunder von Lengede» bekannt.

Gefeiert wurde auch im Internet: Der Online-Dienst Twitter zeigte, dass es die Globalisierung nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der grenzüberschreitenden Mitmenschlichkeit gibt. Denn bei Twitter war am Mittwoch alles voller «alegria», dem spanischen Wort für Freude. Unter dem «Hashtag» (Stichwort) «#fuerzamineros» wurde jeder Bergarbeiter gefeiert, der wieder ans Tageslicht kam.

Bemerkenswert war eine Darstellung des Internet-Dienstes Trendsmap, der die Verteilung von Begriffen auf Twitter auf einer Weltkarte veranschaulicht. Dort war zu sehen, dass auch außerhalb der spanischsprachigen Welt zahllose Internet-Nutzer in Gedanken bei den «mineros», den Bergarbeitern, waren. «Heute sind wir alle Chilenen»», jubelte «BeautifulMess74» auf Englisch und fügte auf Spanisch hinzu: «Wir sind mit Dir, Chile!» Überschwänglich beschrieben viele ihre Gefühle beim Verfolgen der TV-Live-Berichterstattung im Internet.

Notfälle / Reaktionen / Chile
13.10.2010 · 22:47 Uhr
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