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Reaktionen: «Es ist eine Katastrophe»

Hamburg (dpa) - Der Fußball-Manipulationsskandal hat in der gesamten Branche für Entsetzen gesorgt:

Claus-Dieter Wollitz (Trainer Energie Cottbus und zuvor VfL Osnabrück): «Das ist für mich das Allerschlimmste. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, weil man jede einzelne Szene durchgeht. Ich bin nicht nur erschüttert, sondern am Boden zerstört. Ich habe immer gedacht, der Fall Hoyzer wäre ein Einzelfall. Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen.»

Norbert Meier (Trainer Fortuna Düsseldorf): «Ich kann mir das nicht erklären. Wenn bei mir einer dabei wäre, der so ein Ding wegschiebt, der kann sich sofort die Papiere holen.»

Jörg Schmadtke (Manager Hannover 96): «Ich habe gedacht, dass die Vorsichtsmaßnahmen nach dem Fall Hoyzer greifen, und bin mehr als erstaunt, dass es wieder passiert ist. Ich hätte vorher immer ausgeschlossen, dass so was im deutschen Fußball möglich ist. Aber man kann sich offensichtlich nie sicher sein.»

Wolfgang Holzhäuser (Geschäftsführer Bayer Leverkusen): «Es ist schwer, sich gegen solche Praktiken zur Wehr zu setzen. Aber wir sind überzeugt davon, dass wir als Verein nicht betroffen sind. Nach dem Hoyzer-Skandal haben wir in alle Arbeitsverträge eine Klausel eingebaut, dass die Spieler verpflichtet sind, etwaige betrügerische Angebote an mich oder Rudi Völler zu melden. Es ist Spielern vertraglich untersagt, Wetten auf Spiele, Ergebnisse oder Tabellenränge zu platzieren. Darüber hinaus haben wir bei einem Kölner Strafrechtler eine Hotline eingerichtet, bei der sich die Spieler auch anonym melden können. Damit haben wir alles getan, was möglich ist.»

Bernd Reisig (Geschäftsführer FSV Frankfurt): «Es ist eine Katastrophe und schadet besonders unserem Sport. Das macht mich wütend. Da sind im Verhältnis immer wieder einige Wenige, die zu gierig sind und den Hals nicht voll kriegen können. Beim ersten Skandal hat sich der DFB meines Erachtens unheimlich gut verhalten und die Sicherheitsmaßnahmen haben gegriffen, weil die Täter entlarvt worden sind. Am Ende werden die Täter immer gefasst, das ist das Positive. Selbst in einem brutalen Überwachungsstaat könnten solche Dinge passieren.»

Nico Frommer (Von Januar 2007 bis Sommer 2009 beim VfL Osnabrück, jetzt RB Leipzig. In der besagten Partie gegen Augsburg saß er 90 Minuten auf der Bank, in der Partie gegen Nürnberg wurde er in der 55. Minute ausgewechselt): «Das trifft mich wie ein Schlag. Ich bin schockiert, dass in der eigenen Mannschaft so etwas vorgefallen sein soll. Wenn man von einem neuen, vermeintlichen Wettskandal hört, geht man natürlich noch einmal die besagten Spiele durch, ob es da Auffälligkeiten gab. Gegen Nürnberg ist mir nichts aufgefallen. Gegen Augsburg gab es ein, zwei krasse Fehler von uns. Aber ob die wirklich mutwillig waren, so weit möchte ich nicht vorgreifen. Meiner Meinung nach wäre es Schwachsinn, für ein paar Tausend Euro seine ganze Karriere aufs Spiel zu setzen.»

Jan Schindelmeiser (Manager 1899 Hoffenheim): «Das ist unglaublich. Man kommt sich vor wie in einem Parallel-Universum. Natürlich ist man froh, dass die Bundesliga davon nicht betroffen ist, doch das macht die Sache nicht besser. Es müssen jetzt alle Beteiligten intensiv an der Aufklärung mitwirken. Die Schuldigen müssen knallhart bestraft werden. Da hilft nur ein Abschreckungs-Szenario.»

Heribert Bruchhagen (Vorstandsvorsitzender Eintracht Frankfurt): «Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen. Ein Bundesligaspiel zu manipulieren, ist schlichtweg undenkbar.»

Dirk Dufner (Sportdirektor SC Freiburg): «Wenn sich die Dimensionen so bestätigen, sind sie natürlich immens. Das ist mit Sicherheit eine hoch alarmierende Entwicklung. Das Positive ist, dass man es aufdeckt. Das Warnsystem funktioniert also. Wenn der Fan wirklich das Gefühl hätte: Egal welches Spiel ich anschaue, es ist doch manipuliert, dann hätte das fatale Auswirkungen. Aber das würde ich für Deutschland mal ausschließen. Der Fußball muss sich insgesamt dagegen (gegen Wettmanipulationen, Anm.) wehren.»

Jürgen Marbach (Geschäftsführer VfL Wolfsburg): «Dieser Betrüger müssen drakonisch bestraft, ausgemerzt werden, weil es sonst unseren Sport kaputt macht. Wir haben volle Stadien, die Zuschauer wollen ehrlichen und fairen Sport sehen. Wenn das moralisch in Zweifel gerät, kann uns alles ganz schnell kaputt gehen. Ich bin verwundert, dass das überhaupt im Fußball so verbreitet ist. Denn eine Mannschaftssportart ist wesentlich komplexer als eine Einzelsportart, das kriminelle Risiko ist wesentlich höher.»

René Rydlewicz (Manager FC Hansa Rostock): «Wir sind erschüttert. Wir hoffen, dass der Fußball und die Bundesliga keinen Schaden nehmen und nicht an Glaubwürdigkeit verlieren.»

Christian Bönig (Teammanager FC St. Pauli): «Es ist traurig, dass es immer noch Leute gibt, die denken, man könne so etwas ungestraft machen.»

Hajo Sommers (Präsident Zweitligist Rot-Weiß Oberhausen): «Es war ein Irrglaube, davon auszugehen, dass Wettmanipulationen aufhören, nur weil vor einigen Jahren mal zwei Betrüger verhaftet worden sind. Solange gewettet werden kann und es geldgeile Menschen gibt, wird weiter versucht, auf diese Art zu betrügen. Ich möchte nichts ausschließen, glaube aber nicht, dass jemand in der vergangenen Saison auf Niederlagen von RWO gewettet hat. Dafür gab es keine Quote, weil uns ja kaum einer etwas zugetraut hat.»

Christian Bönig (Teammanager FC St. Pauli): «Es ist traurig, dass es immer noch Leute gibt, die denken, mann könne so etwas ungestraft machen.»

Andreas Möller (Manager von Drittliga-Spitzenreiter Kickers Offenbach und Weltmeister von 1990): «Das ist unfassbar. Eigentlich kann man sich so etwas gar nicht vorstellen, doch es passiert trotzdem immer wieder. Die Dinge müssen jetzt ernsthaft aufgearbeitet werden. So lange nichts bewiesen ist, wird es viele Spekulationen geben. Deshalb wäre es wünschenswert, wenn es schnell Fakten gibt.»

Stellungnahme FC Augsburg: «Durch die Veröffentlichungen der Staatsanwaltschaft Bochum, die am heutigen Freitag über Ermittlungen zu möglichen Wett-und Spielmanipulationen im internationalen Fußball informiert hat, hat der FC Augsburg von diesen Ermittlungen erfahren. Der FCA ist tief betroffen über die geschilderten Fakten dieser Ermittlungen doch es verbietet sich zum jetzigen Zeitpunkt, sich an Spekulationen zu beteiligen, da dem Verein bisher keine verwertbaren Erkenntnisse bekannt sind. Weder offizielle Behörden, die Staatsanwaltschaft, noch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) oder der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sind bisher auf den FC Augsburg mit Informationen oder Ermittlungen zugekommen. Der FC Augsburg wird selbstverständlich alles in seiner Macht Stehende für eine lückenlose Aufklärung tun.»

Andreas Bornemann (Sportdirektor Alemannia Aachen): «Das macht einen natürlich betroffen. Es ist ja erst ein paar Jahre her, dass wir diese Problematik hatten. Danach wurde damals auch von den Wettanbietern glaubhaft gemacht, dass durch Frühwarnsysteme die Gefahr deutlich reduziert sei. Es ist aber anscheinend immer so, dass dort wo kriminelle Energie unterwegs ist, auch die Gefahr der Manipulation besteht.»

Walter Hellmich (Präsident MSV Duisburg): «Die Mitteilung über einen neuen Wettskandal ist erschütternd. Ich kann solche kriminellen Energien nicht nachvollziehen, betrügen lohnt sich nicht. Solange im Zuge der Ermittlungen keine Namen von Vereinen oder Spielern genannt werden, sind alle Spekulationen Kaffeesatzleserei. Ich hoffe nicht, dass Spiele mit MSV-Beteiligung betroffen sind.»

Dirk Zingler (Präsident 1. FC Union Berlin): «Das ist für mich unvorstellbar. Das ist für mich auch ein unerträglicher Zustand. Wir wollen endlich einen sauberen Sport haben, jetzt fängt das Theater wieder an. Mich trifft das völlig unvorbereitet. Ich glaube, alle im deutschen Fußball trifft das völlig überraschend.»

Fußball / Kriminalität / Wetten / Reaktionen
20.11.2009 · 22:48 Uhr
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