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Rauchentwöhnung - Nikotinpflaster auf Kosten der Kassen

Das Rauchverbot in einigen Bundesländern sowie die stetig anziehenden Preise für Tabak zeigen schon erste Wirkung im Kampf gegen die Nikotinsucht: Während Anfang der 1990er Jahre noch 391 Millionen Zigaretten pro Tag in Deutschland in Rauch aufgegangen sind, waren es im vergangenen Jahr nur noch 229 Millionen «Lungenbrötchen». Doch es ist noch nicht genug: Trotz des Rückgangs gehört die Bundesrepublik immer noch zu den Qualmhochburgen Europas.

Nach Angaben des Onlineportals Lungenärzte im Netz frönen 20 Millionen Deutsche im Alter zwischen 18 und 59 Jahren dem Laster. 21 Prozent der männlichen Raucher und 12 Prozent der Frauen ziehen an mehr als 20 Zigaretten pro Tag - fast 2 Prozent der Männer und knapp ein Prozent der Damen qualmt sogar die doppelte Menge.

Und dieser «harte Kern» bereitet den Pneumologen und dem Gesundheitssystem die meisten Sorgen. Schließlich stellt Tabakkonsum den größten vermeidbaren Risikofaktor für 40 chronische Krankheiten dar. Dazu gehören vorwiegend Lungen- und Herzerkrankungen sowie Diabetes und Krebs. Rund 140.000 Deutschen kosten die Folgen der Nikotinsucht jährlich das Leben.

Offener Brief an Gesundheitsminister Bahr

Angesichts dieser Zahlen laufen die Ärzte Sturm. Und sie verfolgen eine Strategie, die nicht überall auf Zustimmung treffen wird. Sieben medizinische Fachgesellschaften stellen sich geschlossen hinter einen offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Ihre Forderung: Die Gesetzlichen Krankenkassen sollen sofort die Kosten für die Rauchentwöhnung übernehmen.

«Nikotinabhängigkeit sollte endlich als Suchterkrankung anerkannt werden. Mit der Konsequenz, dass die Kosten für die Diagnose und Therapie dieser Krankheit, insbesondere für die Tabakentwöhnung bei Nikotinabhängigen, von der Gesetzlichen Krankenversicherung erstattet werden», heißt es in einer Pressemitteilung dazu. Dr. Thomas Hering vom Bundesverband der Pneumologen (BdP) wird noch konkreter: «Die Tabakabhängigkeit ist als eine Erkrankung anzusehen, die der Alkohol- und Drogenabhängigkeit gleichzustellen ist.»

Die Krankenkassen lehnten das bisher ab. Sie beriefen sich darauf, die Rauchentwöhnung als «Lifestyle-Therapie» abzutun - wie die Ärzte argumentieren. Und kontern: «Rauchen ist eine ernst zu nehmende, krankhafte Abhängigkeit und darf nicht als Lifestyle verharmlost werden», fordert Hering. Denn damit würden Medikamente zum Rauchstopp in einem Topf wie Mittel zur Potenzsteigerung oder Haarwuchs geschmissen werden.

Deutsche Raucher sind die Leidtragenden

In anderen europäischen Staaten wie Großbritannien, Schweden oder Finnland tragen die Krankenkassen längst die Kosten für die Therapie. Die deutschen Raucher, die Unterstützung beim Aufhören wollen, sind die Leidtragenden, wie Hering moniert. Manche Medikamente würden mit vier Euro am Tag weniger kosten als eine Packung Zigaretten. «Doch viele Raucher glauben, dass die verfügbaren Präparate zur Nikotinentwöhnung ja nicht besonders wirksam sein können, wenn die Kassen nicht bereit sind, sie zu erstatten. Daher greifen sie weiter zur Zigarette. Das ist ein Teufelskreis», erklärt der BdP-Vize.

Umso wichtiger sei die Übernahme durch die Kassen, die aber neue Kosten bedeuten würde. Nach Ärzteangaben würden Ausgaben in Höhe von einer Million für Medikamente anfallen - pro Tag. Insgesamt würden sie aber Geld sparen, weil dadurch ein Großteil der rauchbedingten Folgeerkrankungen und Todesfälle vermieden werden könnte. Und das kostet die Kassen jährlich bis zu 21 Milliarden Euro.

Lesen Sie dazu auch, welche Therapien es zum Rauchstopp gibt und wie deren Erfolgschancen sind.

[news.de] · 30.03.2012 · 16:35 Uhr
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