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Ratingagentur stuft Italien herab

Keine guten Nachrichten für italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi und Wirtschaftsminister Giulio Tremonti. (Archivbild)Großansicht

Rom/Madrid/Washington (dpa) - Die Wachstumsaussichten düster, die Sanierungsmaßnahmen halbherzig - in der Schuldenkrise der Eurozone lauern die Gefahren einer Rezession.

Nicht nur Griechenland macht weiter Sorgen, die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) straft Italien ab: Die Kreditwürdigkeit wird von «A+» auf «A» gesenkt - sehr zum Ärger der Regierung in Rom. Wie teuer solch Misstrauen werden kann, erlebt derzeit Spanien. Für frische Kredite verlangen Geldgeber wieder spürbar höhere Zinsen.

Um aus dem Teufelskreis ausbrechen, brauchen vor allem Italien und Spanien dringend eine anspringende Konjunktur. Doch der Internationale Währungsfonds (IWF) macht Hoffnungen auf ein starkes Wirtschaftswachstum zunichte.

Die Weltwirtschaft befinde sich in einer «gefährlichen neuen Phase», schrieb der IWF hervor in seinem neuen globalen Ausblick, am Dienstag in Washington vorgelegt wurde. Mit Konsequenzen auch für Deutschland, der größten Volkswirtschaft in Europa und wichtigsten Stütze in der Schuldenkrise: Für 2012 sieht der IWF nur noch ein Wachstum von 1,3 Prozent, 0,7 Punkte weniger als bisher erwartet.

Zwei Gefahren sieht der IWF: Die Euro-Schuldenkrise gerät außer Kontrolle, und die US-Wirtschaft schmiert weiter ab. Die Eurozone und die USA «könnten zurück in die Rezession stürzen», warnte der IWF und erwartet für USA und Eurozone 2012 nur ein Mini-Wachstum: Im Euroraum 1,1 und in den USA 1,8 Prozent.

Trotz der neuen Hiobsbotschaften blieben die Märkte zunächst positiv gestimmt. Händler hatten vor allem Hoffnung auf Fortschritte in der Griechenland-Krise bei neuen Verhandlungen Griechenlands mit EU, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB). Der deutsche Aktienindex Dax stieg deutlich.

Am Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite der Bundeswertpapiere auf 1,59 (Montag: 1,60) Prozent. Der Euro zeigte sich durchaus stark. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3710 (1,3641) Dollar fest.

Für Italien kann es noch schlimmer kommen. Standard & Poor's (S&P) teilte in London mit, der Ausblick sei negativ. «Die Herabstufung spiegelt unserer Meinung nach die schlechter werdenden Wachstumsaussichten für Italiens Wirtschaft wider», schrieb S&P. Der Regierung bescheinigte S&P eine mangelnde Handlungsfähigkeit.

Wegen der Herabstufung droht Italien, nun höhere Zinsen für neue Kredite zahlen zu müssen. Je schlechter die Kreditwürdigkeit, desto größer ist das Risiko, dass der Gläubiger sein Geld verliert. Ein höheres Risiko lässt sich nur durch höhere Zinsen ausgleichen.

Die konservative Regierung von Silvio Berlusconi kritisierte die S&P-Entscheidung. «Die Regierung hat stets das Vertrauen des Parlaments bekommen und so Stabilität bewiesen», hieß es in einer Mitteilung der Regierung.

Italien hat nach Griechenland den zweithöchsten Schuldenstand in der Eurozone. Um Sanierungswillen zu demonstrieren, hatte die Regierung in Rom zwei Sparpakete von zusammen mehr als 100 Milliarden Euro auf den Weg gebracht.

Für Spanien war die jüngste Anleiherunde kostspieliger als vergleichbare davor. Wie das Finanzministerium in Madrid mitteilte, wurden Anleihen mit Laufzeiten von 12 und 18 Monaten begeben, die 4,457 Milliarden Euro in die Kasse spülten. Für 12-monatige Anleihen werden 3,6 Prozent (zuvor 3,3 Prozent) fällig, für die 18-monatigen 3,8 Prozent (3,6). Spanien leidet wie Italien unter schwachem Wirtschaftswachstum.

Für Griechenland geht die Zitterpartie weiter. Die Regierung wollte am Dienstag einen neuen Anlauf für eine rasche Auszahlung des dringend benötigten Milliardenkredits aus dem Hilfsprogramm von EU und IWF nehmen. Eine zweite Telefonkonferenz mit den Experten der «Troika» sollte am Abend (gegen 19.00 Uhr MESZ) beginnen. Am Vorabend war eine erste Runde ohne konkrete Ergebnisse zu Ende gegangen.

Die «Troika»-Mission war Anfang September abgereist, weil ihr die Fortschritte nicht genügten. Ein positiver Bericht über die Budgetsanierung ist Vorbedingung für die Auszahlung der nächsten Kredittranche von acht Milliarden Euro aus dem alten Hilfsprogramm von 110 Milliarden Euro. Fließen die Milliarden nicht, droht Griechenland wohl im Oktober die Pleite.

Führende Ökonomen in Deutschland nahmen die Herabstufung Italiens zum Anlass, grundsätzlich mit der Euro-Krisenpolitik ins Gericht zu gehen. «Die Herabstufung Italiens ist ein weiterer Mosaikstein in dem trüben Bild, das die Staatsfinanzen in vielen Ländern abgeben», sagte der Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater «Handelsblatt Online». «Es dauert leider viel zu lange, bis Regierungen den Ernst der Lage erkennen und dies angemessen durch Taten dokumentieren.»

Auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, beklagte bei «Handelsblatt Online» das Krisenmanagement. So stiegen die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen bereits seit Mitte August, obwohl die EZB «aggressiv Staatsanleihen kauft und damit de facto Staatsausgaben mit der Notenpresse finanziert».

Wegen der Schuldenkrise benötigen nach Einschätzung der EU-Kommission mehr europäische Banken frisches Geld. Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sagte in Brüssel: «Leider, da die Schuldenkrise sich verschlimmert, könnten mehr Banken eine Rekapitalisierung benötigen.»

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ZEW-Mitteilung
EU / Italien:Finanzen
20.09.2011 · 22:50 Uhr
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