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Ralf Stegner: forsch, ruppig und ehrgeizig

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Kiel (dpa) - Sein forscher, von Kritikern auch als sehr ruppig empfundener Führungsstil hat Ralf Stegner (49) den Spitznamen «Roter Rambo» eingebracht. Der Landes- und Fraktionschef der schleswig-holsteinischen SPD beschreibt sich selbst als durchsetzungsstark.

Diese Eigenschaft hat dem in Rheinland-Pfalz geborenen Harvard-Absolventen geholfen, auf der Karriereleiter nach oben zu kommen.

Mit seiner Art hat er sich nicht nur Freunde gemacht, besonders der Kieler Koalitionspartner CDU macht Stegner für den Dauerknatsch verantwortlich, einige trauen ihm nicht mehr und werfen ihm Profilierungssucht vor. Seine Beteuerungen, zu den von der Koalition beschlossenen harten Einsparungen zu stehen, wurden zuletzt als Lippenbekenntnisse abgetan. Stegner dürfe sich nicht «aus dem Staube machen», wenn es schwierig wird, sagte CDU-Fraktionschef Johann Wadephul. Stegner habe die Koalitionsatmosphäre vergiftet und das Verhältnis zerrüttet.

1990 begann der promovierte Politikwissenschaftler die Arbeit im Kieler Sozialministerium, sechs Jahre später wurde er dort Staatssekretär. Nach fünf Jahren im gleichen Amt im Kultusministerium wurde Stegner 2003 Finanzminister im damaligen rot-grünen Kabinett von Heide Simonis und galt schnell als deren «Kronprinz».

Mit der spektakulär gescheiterten Wiederwahl von Simonis nach der schleswig-holsteinischen Landtagswahl 2005 begann auch für Stegner eine neue Etappe: In der großen Koalition übernahm er den Posten des Innenministers. Nach seiner Wahl zum SPD-Landesvorsitzenden im März 2007 wurde der scharfzüngige Rhetoriker immer mehr zu Reizfigur für die CDU. Sein persönliches Verhältnis zum Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen (CDU) verschlechterte sich zusehends.

Im September 2007 machte Carstensen ein Festhalten an der CDU/SPD- Koalition vom Ausscheiden Stegners aus dem Kabinett abhängig. Der SPD-Landeschef musste einlenken, stellte aber zügig die Weichen neu und bahnte sich den Weg an die Spitze der SPD-Landtagsfraktion.

Stegners Ziel ist klar: Er will Ministerpräsident werden. Die Chancen sehen aber derzeit nicht gut aus für den begeisterten Nutzer der Kurzmitteilungsplattform Twitter. Zwar eroberte der bisherige Sprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, Torsten Albig, im März für die SPD das Oberbürgermeisteramt in der Landeshauptstadt Kiel zurück - doch bei der Europawahl im Juni landete Stegners SPD weit abgeschlagen hinter der CDU.

Nicht mehr an die Kabinettsdisziplin gebunden, hatte Stegner zuletzt auch bundesweit sein Profil als einer der Exponenten des linken SPD-Lagers gestärkt. Gern räsoniert er in Talkshows über «neoliberalen Quark». Der passionierte Fußballer und Skatspieler lebt mit seiner Ehefrau und drei Söhnen in Bordesholm bei Kiel.

Parteien / Koalition / Schleswig-Holstein
15.07.2009 · 23:03 Uhr
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