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RAF-Forscher: Schon 1977 starke Indizien

Berlin (dpa) - Der führende Experte zur RAF-Geschichte, Wolfgang Kraushaar, sieht starke Anhaltspunkte für eine Beteiligung der Ex-Terroristin Verena Becker an der Ermordung von Siegfried Buback.

«Schon 1977 waren die Indizien so stark, dass Günter Sonnenberg das Motorrad gefahren hat und Verena Becker geschossen hat, dass man sich wundern muss, warum nicht bereits damals gegen sie Anklage erhoben worden ist», sagte der Wissenschaftler des Hamburger Instituts für Sozialforschung am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Das ist das eigentlich Skandalöse, dass es hierzu bisher gegen Becker kein Verfahren gegeben hat.»

Es gebe mehrere Punkte, die gegen Becker und Sonnenberg sprächen. «Bei beiden wurden 1. die Tatwaffe gefunden, 2. fanden sich bei ihnen beide Motorradhelme und 3. ein Schraubenschlüssel für die Suzuki- Maschine, von der aus auf Bubacks Wagen geschossen worden war.» Kraushaar betonte, nach der Logik der neuen Ermittlungen müsse zudem die Frage untersucht werden, ob nicht auch gegen Sonnenberg ermittelt werden müsse. «Es sind schließlich zwei Personen auf dem Motorrad gewesen», so der Wissenschaftler. «Verena Becker war bereits 1977 derart tatverdächtig, dass es eine Erklärung dafür geben muss, warum sie damals nicht weiter belangt worden ist.»

Die an Briefumschlägen von Bekennerschreiben gefundenen DNA-Spuren könnten letztlich nicht der Auslöser für die Festnahme gewesen sein. Interessant sei aber die Nachricht, dass sie an einem Text zu dem Fall gearbeitet haben soll. Eventuell könnte die Bundesanwaltschaft auf Basis des Textes nun Fragen an Becker stellen, denen sie nicht mehr so einfach werde ausweichen könne.

Kraushaar sagte, es gebe seit längerem «wilde Spekulationen und Konstruktionen» darüber, warum die Spur Becker/Sonnenberg 1977 nicht weiter verfolgt worden sei. Er betonte: «Endlich ist mit der Festnahme Verena Beckers etwas geschehen, was längst überfällig war: Das Ganze gehört in die Hände der Justiz, da Mord nicht verjährt.»

Die Chance für einen neuen großen RAF-Prozess zum Fall Buback sei nach der überraschenden Festnahme Beckers groß. Dort müssten auch Ex-Terroristen wie Christian Klar aussagen, meinte Kraushaar. Er gehe davon aus, dass dann möglicherweise auch der damalige Bundeskriminalamts-Chef Horst Herold aussagen könnte. In den Fall könne nun eine ganz neue Dynamik kommen. «Aber ich glaube nach wie vor nicht, dass die ehemaligen RAF-Terroristen ihr Schweigen zu Tätern und zum Ablauf der Taten brechen.»

Terrorismus / RAF
28.08.2009 · 22:45 Uhr
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