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Putschversuch in Madagaskar: Schüsse in Hauptstadt

Das Archivbild vom März 2009 zeigt Andry Rajoelina in Antananarivo, nachdem er sich zum Präsidenten des Landes geputscht hatte.Großansicht

Antananarivo (dpa) - Machtkampf in Madagaskar: Nur Stunden nachdem Präsident Andry Rajoelina einen Putschversuch für gescheitert erklärt hat, ist es am Mittwochabend nahe dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt Antananarivo zu Schusswechseln gekommen.

Rajoelina, der im März 2009 selbst durch einen Putsch an die Macht gelangt war, betonte, er werde nicht zurücktreten. «Ich habe Todesdrohungen bekommen», sagte er im Fernsehen des ostafrikanischen Inselstaats. «Aber ich habe keine Angst». In Madagaskar wurde am Mittwoch über eine neue Verfassung abgestimmt

Am Morgen hatte eine Gruppe von Offizieren unter der Leitung von Armeegeneral Noel Rakotonandrasana auf einem Militärstützpunkt nahe dem internationalen Flughafen Ivato die Entmachtung der Übergangsregierung von Rajoelina verkündet. Einer der Putschisten, Oberst Charles Andrianasoavina, kündigte an, an diesem Donnerstag werde der Flughafen geschlossen und der Präsidentenpalast gestürmt.

Ministerpräsident Camille Vital sprach von einer «kleinen Minderheit in der Armee» und kündigte scharfe Maßnahmen gegen alle an, die gegen Gesetze verstoßen hätten. Die Situation sei «voll unter Kontrolle», sagte Vital dem französischen Sender France 24. In der Nähe des Militärstützpunktes und an Ausfallstraßen der Hauptstadt gab es Augenzeugen zufolge tagsüber Straßensperren und brennende Reifen auf den Straßen.

Sieben Millionen Wähler waren aufgerufen, über eine neue Verfassung abzustimmen. In den Wahllokalen kam es ersten Berichten zufolge zu Unregelmäßigkeiten, da zahlreiche Wähler zurückgewiesen worden seien. Angeblich seien sie nicht registriert gewesen. Der Wahltag verlief nach Angaben von europäischen Diplomaten zumindest in der Hauptstadt bis zum Nachmittag friedlich. Internationale Wahlbeobachter waren bei dem Referendum nicht zugelassen.

Wichtigste Änderung ist die Herabsetzung des Mindestalters der Präsidentschaftskandidaten von 40 auf 35 Jahre. Die Opposition hatte zu einem Boykott der Abstimmung aufgerufen. Sie glaubt, dass sich Präsident Rajoelina (36) mit dem Referendum lediglich die Macht im Land sichern will. Dieser hat bestritten, bei Präsidentschaftswahlen antreten zu wollen.

Schulen, Behörden und Geschäfte blieben am Mittwoch geschlossen. Die französische Botschaft hatte Ausländer aufgefordert, ihre Häuser nicht zu verlassen. Bereits seit Dienstag waren schwer bewaffnete Polizei- und Militärkräfte an zentralen Plätzen der Städte und vor den Wahllokalen im Land postiert.

Wahlen / Madagaskar
17.11.2010 · 20:43 Uhr
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