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Psychologe: Terrorwarnung nicht unproblematisch

Münster/Hildesheim (dpa) - Die Wirkung der jüngsten Terrorwarnung der Bundesregierung ist nach Ansicht des Münsteraner Psychologen Fred Rist psychologisch nicht unproblematisch.

«Die Warnung vor möglichen Terroranschlägen ist ein typisches Beispiel dafür, wie eine solche Information gegebenenfalls unter dem Strich mehr Schaden anrichten kann als sie Sicherheit gibt», sagte Rist der Nachrichtenagentur dpa in Münster. Zwar werde der Organismus aktiviert, es gebe aber kein konkretes Ziel, auf das sich die Aufmerksamkeit richten könne. «Daraus resultieren dann in Teilen der Bevölkerung Angstsymptome, Unruhe, Anspannung und Sorgen.»

Das Problem dieser Warnung sei, «dass die Menschen aufmerksamer auf Gefahren machen, aber wegen der sehr allgemein gehaltenen Warnung wissen die Menschen nicht, wovor sie sich in Acht nehmen sollen». Eine Warnung sei nur dann hilfreich, wenn die Quelle der Gefahr genauer genannt werden könne, etwa eine Region, die betroffen sein könnte oder bestimmte Situationen oder gefährliche Verhaltensweisen. Dann könnten die Menschen gezielt reagieren. «Eine Warnung aktiviert den Organismus, sich auf eine Gefahr vorzubereiten und sie fokussiert die Aufmerksamkeit auf die Quelle der Gefahr.»

Der Hildesheimer Psychologe Werner Greve glaubt nicht, dass sich nach der Terrorwarnung die Grundstimmung im Land nachhaltig ändern wird. «Eine allgemeine Reaktion wird es nicht geben. Möglicherweise werden einige Leute anders leben als vorher, aber höchstwahrscheinlich nicht für sehr lange», sagte er. «Die täglichen existenziellen Sorgen wie drohende Arbeitslosigkeit oder Krankheit werden die Sorgen von gestern immer verdrängen», meinte der 51- Jährige. Einige Menschen werden vielleicht erstaunt sein: «Oh, so ernst ist das jetzt.» Eine Panik erwarte er nicht.

Die Menschen würden unterschiedlich auf die Terrorwarnung reagieren, erläuterte Greve. So werde es Menschen geben, die alarmiert seien und sich ernsthaft Sorgen machten. Andere würden es nicht besonders ernst nehmen. Wieder andere würden aufmerksamer und könnten wichtige Hinweise geben. Auch gebe es Menschen, die nun misstrauisch würden, unberechtigt Angst hätten oder Verdacht schöpften. «Das größte Problem wird sein: je misstrauischer die Leute sind, desto größer ist die Gefahr falscher Alarme.»

Die verstärkte Polizeipräsenz werde einigen Menschen sicher mehr Sicherheit geben, sagte Greve. «Andere werden sagen: Das hat nur symbolische Wirkung. Aber immerhin: eine beruhigende Wirkung hat es trotzdem.» Allerdings: «Ein paar Polizisten mehr in Bahnhöfen und an den Flughäfen können kein lückenloses Sicherheitssystem schaffen.»

Skeptisch äußerte sich auch Rist: Eine verstärkte Polizeipräsenz sei nur für bedingt hilfreich wenn es darum gehe, die Bevölkerung zu beruhigen. «Beruhigend wirken diese Maßnahmen nur dann, wenn die Bevölkerung Einsicht in deren Wirksamkeit hat. Ansonsten ist das nicht garantiert. Im Gegenteil. Es kann einen auch ständig daran erinnern, dass die Bedrohung besteht. Die Ängstlichkeit und die auf Gefahren bezogenen Gedanken nehmen zu.»

Innere Sicherheit / Terrorismus / Psychologie
18.11.2010 · 23:07 Uhr
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