News
 

Psychiater: Behandlung von Soldaten extreme Belastung

Hamburg (dpa) - Die Behandlung von Soldaten, die schlimmste Erfahrungen aus dem Krieg verarbeiten müssen, ist auch für Psychiater eine extreme Belastung. Daher sei es besonders wichtig, dass sich der Arzt selbst von einem Experten beraten lässt und die Therapie mit ihm bespricht.

«Der Arzt durchlebt immer auch einen Teil des Traumas des Patienten», sagte der Hamburger Psychiater Guntram Knecht im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Diese Menschen haben ein Maximum an Leid erlebt. Das sind Erfahrungen, die auch ein Arzt nicht so einfach beiseiteschieben kann. Sie belasten und beschäftigen ihn zwangsläufig».

Mit Blick auf den 39-jährigen Militär-Psychiater, der am Donnerstag ein Blutbad auf dem größten Militärstützpunkt in den USA angerichtet hat, sagte Knecht: «Dieser Mann hat ununterbrochen erfahren, in welche Situation Soldaten kommen können.» Die Belastung für die Kämpfer sei ungewöhnlich groß: Ständig sähen sie Not und Leid der Zivilisten, zerstückelte Menschen, verletzte Kollegen, meinte Knecht, der Chefarzt der Abteilung für forensische Psychiatrie einer Hamburger Klinik ist.

Hinzu komme, dass der Attentäter in wenigen Wochen selbst zu einem Einsatz in ein Kriegsgebiet geschickt werden sollte. Dabei wollte er unbedingt aus der Armee entlassen werden. «Durch seinen Beruf hatte der Mann ständig mit besonders massiven Situationen zu tun», sagte Knecht, «und jetzt sollte er genau dorthin versetzt werden, wo ihn ebenso traumatisierende Ereignisse erwartet hätten. Das war genau das Gegenteil von dem, was er wollte.» Vor einem Amoklauf stünden oft genau solche Missachtungen von Wünschen der späteren Täter.

Die Aggressivität des Mannes habe sich auch nicht an einem beliebigen Ort entladen: «Er schoss nicht in einem Supermarkt um sich, sondern auf einem Militärstützpunkt. Die Gewalt richtete sich also genau gegen die Institution, die im das Leid zufügte.» In der Armee sei es sehr wichtig, dass die Patienten möglichst schnell wieder einsatzfähig sind. Das ganze Umfeld sei hier härter, der Druck größer, Menschen in kürzester Zeit wieder «aufzufangen». Für die Bearbeitung ihrer Erfahrungen bliebe den Psychiatern viel weniger Zeit als bei einer normalen Therapie. «Er kam wohl an die Grenzen seiner Belastbarkeit», vermutete Knecht.

Gespräch: Catherine Simon, dpa

Militär / Kriminalität / USA
06.11.2009 · 16:10 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen