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Prozess gegen Schläger-Trio in Münster

Drei Jugendliche müssen sich vor dem Landgericht Münster verantworten, weil sie einen Mann nach einer Fahrt in einem Nachtbus fast zu Tode geprügelt haben.Großansicht

Münster (dpa) - In einem sinnlosen Gewaltausbruch nach einer nächtlichen Busfahrt sollen drei Jugendliche einen Fremden in Münster fast zu Tode geprügelt haben. Zu Beginn des Prozesses gestanden die 16, 17 und 19 Jahre alten Jungen die Prügelattacke am Donnerstag vor dem Landgericht.

Ihnen wird unter anderem versuchter Mord vorgeworfen. Der heute 31-jährige Mann hatte nach der Tat im vergangenen November tagelang im Koma gelegen.

Der Älteste der Angeklagten, der 19-jährige Dimitrij M., erhob schwere Vorwürfe gegen seinen Bekannten Karolis S., der die treibende Kraft hinter dem Gewaltausbruch gewesen sein soll. Er hatte dem Fremden nach eigenen Angaben noch gegen den Kopf getreten, als dieser schon bewusstlos am Boden lag. «Ich konnte mich nicht kontrollieren», sagte der 17-Jährige vor Gericht.

Der Jüngste der Drei, da waren sich die Beschuldigten einig, habe weder auf den damals 30-jährigen Martin H. eingeschlagen noch ihn getreten. Unter Tränen brach der 16-Jährige seine Aussage ab. «Ich bin mir sicher, dass so etwas nie wieder vorkommt», erklärte Andreas S. Das sagte er auch Martin H., der zum Ende des Prozesstages im Zeugenstuhl Platz nahm, mit gesenktem Haupt und einer Narbe am Kopf, die von seiner Platzwunde herrührt.

Der Mann aus Münster kann sich nicht mehr an die trübe Nacht erinnern. «Ich möchte einfach meine Ruhe haben», sagte er. Als H. Anfang November 2010 im Bus auf der Fahrt vom Hauptbahnhof in Münster nach Hause saß, begann ein Jugendlicher Streit mit dem 30-Jährigen. Er habe sich wohl auf dessen Hand gesetzt, gab Karolis S. vor Gericht zu Protokoll. Daraufhin habe Martin H. gesagt: «Mach dich nicht so breit, Pisser.» Noch im Bus reifte der Plan, den fremden Mann «abzuziehen».

Als der 30-Jährige ausstieg, folgten ihm die Jugendlichen. Eine Verfolgungsjagd und Schlägerei begannen, die in einem kleinen Gewerbegebiet endete. Dort nahmen die Jungen Martin H. sein Portemonnaie ab und ließen ihn bewusstlos und blutend zurück. An einer Tankstelle kauften sie mit dem Geld des 30-Jährigen Bier und Zigaretten. In der Nacht habe er kaum schlafen können, sagte der 19-jährige Dimitrij M. vor Gericht: «Ich hatte auch Angst um das Opfer, ich wusste ja nicht, wie schwer er verletzt ist.»

Martin H. wurde kurz darauf von Spaziergängern gefunden. «Hätte er länger dort gelegen, wäre er gestorben», sagte seine Anwältin am Rande der Verhandlung am Donnerstag. Nach Monaten im Krankenhaus und einer Reha-Klinik will er bald den Schritt zurück in den Beruf wagen. Seinen Peinigern gegenüber empfindet der 31-Jährige keine Wut. «Aber natürlich möchte ich, dass sie bestraft werden», sagte er. Der Münsteraner tritt im Prozess gegen die drei Jugendlichen als Nebenkläger auf und fordert Schmerzensgeld.

Mehrere Dutzend Zuschauer verfolgten am Donnerstag den ersten von sieben Prozessterminen, der trotz der beiden minderjährigen Angeklagten öffentlich stattfand. Am kommenden Dienstag geht es weiter. Dann stehen weitere Zeugenaussagen auf dem Programm. Außerdem soll der 16-jährige Andreas S. seine Aussage fortsetzen.

In Berlin wurde knapp zwei Wochen nach einem brutalen Überfall im U-Bahnhof Friedrichstraße gegen einen 18-Jährigen Anklage erhoben. Das teilten die Berliner Justizverwaltung und Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Zuvor hatte das RBB-Inforadio darüber berichtet. Nach dpa-Informationen wird versuchter Totschlag und nicht versuchter Mord angeklagt. Der Schüler hatte seinem Opfer, das schon am Boden lag, aus purer Streitlust mehrfach gegen den Kopf getreten. Der Vorfall vom Ostersamstag löste bundesweit Entsetzen aus.

Kriminalität
05.05.2011 · 16:49 Uhr
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