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Prozess gegen ARD-Wettermoderator soll im September beginnen

Mannheim (dts) - Der Prozess gegen den unter Verdacht der Vergewaltigung inhaftierten ARD-Wettermoderator soll nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" Anfang September vor der 5. Großen Strafkammer des Mannheimer Landgerichts beginnen. Die von der Staatsanwaltschaft Mannheim beauftragte Expertin Luise Greuel schrieb in ihrem Gutachten, dass dem mutmaßlichen Opfer keine absichtliche Falschaussage nachzuweisen sei. Darauf ziele die aussagepsychologische Methodik auch nicht ab. Greuel schrieb, sie stoße in diesem Fall an ihre Grenzen. Fragmentierte Wahrnehmungen seien bei Opfern nicht ungewöhnlich, so Greuel. Aus der Opferkunde sei hinreichend bekannt, dass Vergewaltigungsopfer bereits in einer sehr frühen Tatphase in eine Art Schockstarre verfallen, schrieb die Gutachterin "Focus" zufolge. Die statische Anmutung der Tatschilderung des mutmaßlichen Opfers ließe sich schlüssig in dieses Bild einfügen. Greuel geht in ihrem Gutachten davon aus, dass der bekannte Wettermoderator seine Partnerin in der 11-jährigen Beziehung an das Verhältnis Domination - Unterwerfung aktiv herangeführt habe. Seit 2009 habe die damalige Lebensgefährtin ihr Verhalten gänzlich auf die antizipierte Bedürfnisstruktur des Mannes ausgerichtet. Das von dem mutmaßlichen Opfer beobachtete Verhalten an jenem Abend soll sich laut Greuel mit dem typischen Zusammenbruch eines ausgeprägten Narzissten decken, der nach einer schweren Kränkung seiner Wut und Frustration freien Lauf lässt. Vor dem Hintergrund dieser Dynamik könne der Streit zu einem Ausbruch narzisstischer Wut geführt haben. Die Psychologin hält es "Focus" zufolge für möglich, dass diese Zurückweisung und der plötzliche Kontrollverlust für den Mann eine extreme Kränkung bedeuteten. Ausgeprägte Narzissten reagierten auf derartige seelische Verletzungen. Allerdings entlade sich ihre Aggression nicht in eruptiver, sondern in geradezu kontrollierter, instrumenteller Gewalt, schrieb Greuel. Dass der mutmaßliche Täter nach der angeblichen Tat die Wohnung verließ, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, die Spuren der Tat zu verwischen, entspricht laut Greuel dem Verhaltensmuster eines Narzissten: Kontrolle und Dominanz seien wieder hergestellt. Die eigenen Grandiositätsvorstellungen und Omnipotenzgefühle würden es dann geradezu verbieten, irgendwelche Schutzmaßnahmen zu ergreifen und zum Beispiel die mutmaßliche Tatwaffe, das Küchenmesser, verschwinden zu lassen. Die dts Nachrichtenagentur muss aufgrund der aktuellen Rechtsauslegung zum Persönlichkeitsschutz trotz der sehr breiten medialen Berichterstattung zu dem Fall weiterhin auf die Nennung des Namens des bekannten Wettermoderators verzichten.
DEU / Sexualstraftaten / Leute
03.07.2010 · 05:22 Uhr
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