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Proteste und Razzien in Damaskus

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Damaskus/Istanbul (dpa) - Nach nächtlichen Demonstrationen in mehreren Vierteln von Damaskus haben Aktivisten von Festnahmen in der syrischen Hauptstadt berichtet. Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter teilte mit, im Viertel Al Kabun seien bei einer Großrazzia zahlreiche Menschen abgeführt worden.

Die sogenannten Revolutionskomitees veröffentlichten ein Video, das eine nächtliche Demonstration zeigt, die ihren Angaben zufolge am Dienstag im Stadtzentrum am Abbasiden-Platz stattfand. Die Teilnehmer der Kundgebung rufen: «Wir wollen Freiheit, Islam und Christentum!» Auch im Stadtteil Messe, in Birsa und in dem Viertel Hadschr al-Aswad soll erneut protestiert worden sein.

Ein Mitglied des oppositionellen Syrischen Nationalrates zeigte sich unterdessen entsetzt über die am Vortag veröffentlichten Fernsehbilder einer Familie, die in der Stadt Homs mit Messern massakriert worden war. «Die Sicherheitskräfte suchten nach einem Mitglied dieser Familie; und weil sie den Mann nicht fanden, haben sie stattdessen seine ganze Familie umgebracht», sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Der regimetreue TV-Sender Al-Dunia hatte am Dienstag gemeldet, die Zivilisten seien von einer Brigade von Deserteuren getötet worden. Aktivisten berichteten am Mittwoch von Vergewaltigungen und willkürlichen Hinrichtungen in dem seit Tagen abgeriegelten Viertel Baba Amro. Insgesamt sollen am Mittwoch in Syrien 16 Zivilisten getötet worden sein.

In der Ortschaft Schaizar in der Provinz Hama wurden bei einem Angriff mit Artilleriegeschützen nach Angaben von Regimegegnern 15 Häuser sowie die Ruine der historischen Festung von Schaizar stark beschädigt. Der Angriff habe begonnen, nachdem sich mehrere Soldaten von der Truppe abgesetzt hätten, hieß es.

US-Präsident Barack Obama hatte sich am Dienstag erneut gegen ein militärisches Eingreifen in Syrien ausgesprochen. Die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung sei «herzzerreißend und empörend», sagte er in einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Die USA arbeiteten eng mit den arabischen Ländern zusammen, um zu planen, wie die syrische Bevölkerung unterstützt und der Machthaber Assad weiter isoliert werden könnten. Dies sei der richtige Weg, um ihn zu Fall zu bringen.

«Es ist keine Frage, ob Assad stürzt, sondern wann», sagte der US-Präsident. Am Vortag hatte der republikanische US-Senator John McCain einen Luftangriff auf Syrien gefordert, um dort das «Gemetzel zu stoppen».

Der französische Philosoph Bernard-Henry Lévy forderte in einem Interview der «Zeit», die Opposition mit Waffenlieferungen und Lufteinsätzen zu unterstützen. Er betonte: «Für das Nichteingreifen gibt es keine Entschuldigung.» Lévy hatte sich in der Libyenkrise bei Präsident Nicolas Sarkozy erfolgreich für ein militärisches Eingreifen stark gemacht.

An diesem Donnerstag will der Syrien-Sondergesandte der Vereinten Nationen, Kofi Annan, in Kairo mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil a-Arabi, über einen Ausweg aus der Syrienkrise beraten. Ein für Samstag geplanter Besuch Annans in Damaskus wurde dagegen von der Regierung noch nicht offiziell bestätigt.

Konflikte / Syrien
07.03.2012 · 15:58 Uhr
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