News
 

Proteste im Iran: Reformer gegen Regimewechsel

Studenten protestieren am 30.12.2017 in der Universität von Teheran gegen die Regierung. Foto: AP/dpa

Teheran (dpa) - Zu Tausenden gehen die Menschen im Iran derzeit auf die Straße. Denn im islamischen System des Landes läuft vieles falsch. Das gibt sogar Präsident Hassan Ruhani offen zu.

Der Kleriker zeigt Verständnis für die regimekritischen Proteste, die das Land seit vergangenem Donnerstag erschüttern. Aber bei den Demonstrationen geht nicht mehr nur um mehr Reformen, sondern um einen Regimewechsel, der auch ihn betreffen könnte. Slogans wie «Mullahs schämt Euch, lasst unser Land in Ruhe» und «Tod den Diktatoren» skandieren die Demonstranten - ihre Botschaft ist kaum misszuverstehen.

Die Proteste werden immer gewalttätiger. Mindestens 19 Tote, Hunderte von Verhaftungen und zahlreiche Angriffe auf öffentliche Einrichtungen, auch Polizeiwachen und Kasernen hat es gegeben. Für den obersten iranischen Führer, Ajatolla Ali Chamenei, sind das keine Proteste mehr, sondern ein vom Ausland gesteuerter Aufstand. Chamenei verglich die Demonstranten mit «Söldnern», die bezahlt würden, um der islamischen Republik zu schaden.

Viele Regimekritiker sind auf den Straßen, viele aber bleiben auch zu Hause. Diejenigen unter ihnen, die nicht öffentlich protestieren gehen, glauben immer noch an den Reformkurs und bezweifeln, dass mit solchen Straßendemonstrationen der politische Klerus-Apparat so einfach zu stürzen sei. Zu den Skeptikern gehören auch ehemalige politische Gefangene wie Fejsollah Arabsorchi. Ein Regimewechsel würde seiner Meinung alles nur noch schlimmer machen. Er und viele andere haben für den Reformkurs hart gekämpft und wollen nicht, dass durch unüberlegte Proteste der Weg für eine Rückkehr der Hardliner an die Macht geebnet wird.

Im Iran gehören de facto ja auch Reformer in der Regierung zu den Regimekritikern. Einer von ihnen ist Vizepräsident Ishagh Dschahangiri. «Reformen brauchen Zeit und der Weg zur Demokratie ist lang und holprig», sagt Dschahangiri. Auch der im Land beliebte Reformer befürchtet, dass die jetzigen Proteste zugunsten der Hardliner ausgehen könnten. Sein Chef, Präsident Ruhani, sieht Proteste zwar als ein legitimes Recht der Bürger an - die müssten aber friedlich und über «legale» Kanäle laufen.

«Das ist absoluter Quatsch ... der redet so, als wäre er Präsident in Skandinavien», kommentiert ein Politologe Ruhanis Bemerkungen. Weder die Justiz noch das Innenministerium würden jemals Proteste genehmigen, die nur ansatzweise das Regime kritisieren würden. In einem Land, wo selbst ehemalige Präsidenten wie Mohamed Chatami (1997-2005) zu Dissidenten abgestempelt werden, könne es doch keine legalen Kanäle geben, über die einfache Menschen ihren Protest ausdrücken könnten, glaubt der Politologe. 

Ein weiterer Beleg für diese These sind die beiden Führer der Grünen Bewegung, Mir Hussein Mussawi und Mehdi Karrubi. Der eine war mal Premierminister der Republik, der andere Parlamentspräsident. Sie stehen aber seit fast sieben Jahren unter Hausarrest. Ihr Delikt: Kritik an der manipulierten Wiederwahl des Hardliners Mahmud Ahmadinedschad bei der Präsidentenwahl 2009.

«Friedlicher und legaler als die Beiden hat bis jetzt noch keiner protestiert», sagt einer seine Anhänger. Ruhanis Bemühungen, die Beiden nach seinem Sieg bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2013 freizubekommen, blieben bis jetzt erfolglos. «Ein so machtloser Präsident sollte nicht über legale Kanäle für Proteste reden», meint der Aktivist. Nach Ansicht von Beobachtern teilen auch viele Ruhani-Anhänger diese Kritik.

Doch es gibt auch andere Stimmen. «Keiner hat so viel für das Recht auf Freiheit der Menschen büßen müssen wie Mussawi», sagte der Medienforscher Mohamed Altaha. Obwohl er damals unter Hausarrest stand, habe Mussawi im Mai vergangenen Jahres für Ruhani und seinen Reformkurs gestimmt. Der Grünen-Führer wisse halt besser als alle Demonstranten, dass Demokratie über Wahlen erreicht wird und nicht über Straßenslogans, fügt Altaha hinzu.

Der 23 Jahre alte Madschid aus Teheran, der arbeitslos ist, hält jedoch nichts von diesen Diskussionen. Er hat über vier Jahre umsonst auf Ruhani und die Reformer gehofft. Nun protestiert er, weil er in diesem islamischen Regime keine Perspektiven sieht. Er lebt immer noch bei seinen Eltern, konnte nach der Schule nicht studieren und hat immer noch keinen Job. Er kann nicht mal ausgehen, weil er auch dafür kein Geld hat. «Schwärzer als schwarz gibt es ja nicht ...  - das ist mein Leben und deshalb habe ich nichts zu verlieren.»

Konflikte / Demonstrationen / Iran
03.01.2018 · 11:46 Uhr
[1 Kommentar]
Weitere Themen
 
Archivierte Top-Themen
 

Top-Themen

22.01. 01:00 | (00) Justizminister plant Reform der Strafprozessordnung
22.01. 01:00 | (01) PKGr-Chef beklagt Nicht-Wahl des AfD-Kandidaten
22.01. 00:50 | (00) UN-Sicherheitsrat befasst sich mit Syrien und Türkei
22.01. 00:22 | (00) Wirtschaftsflügel der Union warnt vor Zugeständnissen an die SPD
22.01. 00:17 | (00) Steuerzahlerbund kritisiert Kontrollen der Kraftwerksreserve
22.01. 00:15 | (00) Euro-Finanzminister geben Weg für neue Hilfs-Milliarden frei
22.01. 00:11 | (00) Bericht: Pensionsfonds der EU-Abgeordneten droht die Pleite
22.01. 00:10 | (00) Mehrere Menschen nach Lawinenabgängen gerettet - ein Toter
22.01. 00:07 | (00) Nahles dämpft hochgesteckte Erwartungen bei Verhandlungen
21.01. 23:00 | (00) Papst klagt über «Halbbürger» am Rande der Großstädte
21.01. 22:58 | (00) 30-Jähriger nach Lawinenabgang in den Alpen gestorben
21.01. 22:04 | (00) Grünes Licht für Koalitionsverhandlungen
21.01. 21:57 | (16) SPD ringt sich zu Koalitionsverhandlungen durch
21.01. 21:13 | (00) Neue Woche bringt Dauerregen und Hochwassergefahr
21.01. 20:50 | (00) Bewegung im «Shutdown»-Streit in den USA
21.01. 20:49 | (02) Kauder hofft auf Regierungsbildung bis Anfang März
21.01. 19:53 | (01) 1. Bundesliga: Schalke und Hannover unentschieden
21.01. 19:34 | (17) Türkei: Truppen rücken in Syrien ein
21.01. 19:16 | (20) Deutsche IS-Anhängerin im Irak zum Tode verurteilt
21.01. 18:58 | (13) Immer mehr schwere Unfälle mit E-Bikes
21.01. 18:55 | (02) Hunderttausende demonstrieren weltweit gegen Trump
21.01. 18:55 | (00) Seehofer erwartet schwierige Verhandlungen mit der SPD
21.01. 18:53 | (03) CSU sieht SPD-Führung ohne Mandat für Nachverhandlungen
21.01. 18:21 | (00) Fünf Menschen nach Lawinenabgängen in Oberbayern gerettet
21.01. 18:21 | (00) Mindestens 24 Tote bei Talibanangriff auf Hotel in Kabul
21.01. 18:16 | (01) Merkel begrüßt Ja der SPD zu Koalitionsverhandlungen
21.01. 18:07 | (00) Tausende Urlauber in Zermatt und St. Anton eingeschneit
21.01. 17:52 | (00) Verleger von Holtzbrinck wehrt sich gegen Kritik an "Fire and Fury"
21.01. 17:47 | (00) Gabriel will selbstbewusstere europäische Außenpolitik
21.01. 17:25 | (01) 1. Bundesliga: Bayern gewinnen gegen Bremen
21.01. 17:19 | (00) Gabriel sieht türkische Offensive in Syrien mit Sorge
21.01. 17:18 | (00) Muss ja - SPD geht widerwillig in Koalitionsverhandlungen
21.01. 17:16 | (00) Strobl: SPD soll Koalitionsgespräche "nicht hasenfüßig" führen
21.01. 17:16 | (00) Schulz kündigt harte Koalitionsverhandlungen an
21.01. 17:00 | (00) SPD-Sonderparteitag stimmt für Aufnahme von Koalitionsverhandlungen
21.01. 16:30 | (00) SPD macht Weg zu Koalitionsverhandlungen mit Union frei
21.01. 16:30 | (08) SPD stimmt für Koalitionsverhandlungen mit der Union
21.01. 16:20 | (00) 9000 Urlauber in Zermatt eingeschneit
21.01. 16:07 | (00) 24 Tote bei Talibanangriff auf Kabuler Hotel bestätigt
21.01. 15:58 | (00) Außenminister besorgt über Einmarsch der Türkei in Nord-Syrien
21.01. 15:36 | (00) Henkel-Chef will mehr Investitionen von der Regierung
21.01. 15:19 | (13) Nahles warnt SPD vor Neuwahl: «Verhandeln, bis es quietscht»
21.01. 14:54 | (00) Womöglich Dutzende Tote in Kabuler Hotel nach Talibanangriff
21.01. 14:40 | (01) YPG:  Von den USA unterstützt, von den Türken bekämpft
21.01. 14:35 | (01) Bahn will mehr Geld in Sturmsicherheit investieren
21.01. 14:29 | (00) Kubicki gegen Russland-Sanktionen der EU
21.01. 14:03 | (05) Menschenrechtler:  Türkische Truppen erobern Dorf von Kurden
21.01. 13:30 | (01) AfD-Fraktionschef Gauland bietet FDP Zusammenarbeit an
21.01. 13:02 | (01) AfD bietet FDP Zusammenarbeit an
21.01. 12:58 | (03) Schulz will auf Augenhöhe mit Union regieren
21.01. 12:55 | (00) Ed Sheeran ist verlobt: «Wir sind sehr glücklich»
21.01. 12:53 | (01) Bahn steckt nach Orkantief mehr Geld in Sturmsicherheit
21.01. 12:49 | (00) Bericht: Im Irak verurteilte Deutsche stammt aus Mannheim
21.01. 12:42 | (03) Schulz auf SPD-Sonderparteitag: "Wir haben eine Menge erreicht"
21.01. 12:28 | (00) Bundesregierung verurteilt Anschlag in Kabul
21.01. 12:07 | (00) Dreyer: Hoffnung der GroKo-Gegner auf Minderheitsregierung «Illusion»
21.01. 12:02 | (04) Menschenrechtler:  Türkische Truppen nicht in Afrin eingedrungen
21.01. 11:48 | (00) Deutsche im Irak wegen IS-Zugehörigkeit zum Tode verurteilt
21.01. 11:39 | (00) Merkel und Macron wollen neuen Élysée-Vertrag schließen
21.01. 11:26 | (00) SPD beginnt Parteitag zur Entscheidung über GroKo-Verhandlungen
21.01. 11:18 | (00) Drei Tote und viele Verletzte bei Hotelbrand in Prag
21.01. 11:17 | (00) SPD zu Bonner Sonderparteitag zusammengekommen
21.01. 11:05 | (05) Mann will Frau während Fahrt auf Autobahn töten
21.01. 10:58 | (01) HSV entlässt Trainer Markus Gisdol
21.01. 10:52 | (00) Papst beendet Lateinamerikareise
21.01. 10:44 | (00) Türkische Truppen marschieren in Syrien ein
21.01. 10:19 | (00) Taliban bekennen sich zu Angriff auf großes Hotel in Kabul
21.01. 10:19 | (00) «General Rolex» - Thailands Militärjunta hat ein Problem
21.01. 10:11 | (00) Was passiert bei einem «Shutdown» in den USA?
21.01. 09:49 | (00) Mindestens zehn Tote nach Hotelangriff in Kabul - eine Ausländerin
21.01. 09:47 | (01) Pöbelnder Passagier lässt Ferienflieger zwischenlanden
21.01. 09:27 | (07) Scharfe Kritik an Einsatzbereitschaft der Bundeswehr
21.01. 09:01 | (03) Eine Welle rollt durchs Land: schon 100 glyphosatfreie deutsche Gemeinden!
21.01. 08:58 | (01) Eppler rät SPD zu Koalitionsverhandlungen
21.01. 08:11 | (00) Bericht: Von Türkei unterstützte Rebellen in Nordsyrien eingerückt
21.01. 08:00 | (00) Angriff auf Kabul-Hotel beendet: offiziell zehn Tote
21.01. 08:00 | (01) Karoline Herfurth verteidigt #metoo-Kampagne
21.01. 07:09 | (00) Offiziell neun Tote bei Angriff auf Kabul-Hotel
21.01. 07:03 | (00) Koalition oder Chaos? Die SPD hat es in der Hand
21.01. 05:45 | (00) Mindestens sieben Tote bei Angriff auf Hotel in Kabul
21.01. 04:51 | (00) Raketen aus Syrien treffen türkisches Grenzgebiet
21.01. 04:48 | (01) Seehofer legt Zeitplan für Große Koalition vor
21.01. 03:59 | (00) Weitere Schüsse nach Angriff auf Hotel in Kabul
21.01. 03:50 | (00) Türkei greift Kurden in Syrien an - Besorgnis im Ausland
21.01. 03:23 | (00) Tag der Entscheidung: SPD stimmt über GroKo-Verhandlungen ab
21.01. 02:00 | (01) Berlin droht London mit höheren Brexit-Kosten
21.01. 01:47 | (00) «Shutdown» der US-Regierung: Wer findet akzeptablen Ausweg?
21.01. 01:42 | (00) Bahn verteidigt Komplett-Stop im Fernverkehr wegen Orkan
21.01. 00:46 | (00) Seehofer erwartet Ja der SPD zu Koalitionsverhandlungen
21.01. 00:42 | (02) Demos am Amtseinführungs-Jahrestag gegen Trump
21.01. 00:00 | (01) Verbraucherschützer warnen vor Überzuckerung in Europa
21.01. 00:00 | (00) Hipp steigt in Biokost-Verpflegung für Kitas ein
21.01. 00:00 | (00) Irans ehemaliger Thronfolger Cyrus Reza Pahlavi fordert Sanktionen
21.01. 00:00 | (00) Nvidia erwartet Neustrukturierung der Autobranche
21.01. 00:00 | (01) Bahn verteidigt Einstellung des Fernverkehrs bei Orkan
20.01. 23:58 | (00) Wegen «Shutdown»:  Freiheitsstatue in New York geschlossen
20.01. 23:56 | (00) Pence in Kairo:  «Schulter an Schulter» gegen den Terror
20.01. 22:51 | (00) Mindestens drei Tote bei Angriff auf großes Hotel in Kabul
20.01. 22:42 | (00) Papst geißelt Gewalt gegen Frauen in Lateinamerika
20.01. 22:00 | (00) Mindestens zwei Tote bei Hotelbrand in Prag
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
22.01.2018(Heute)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen