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Proteste gegen Koranverbrennung in Afghanistan

Vor dem Stützpunkt in Bagram versammelten Demonstranten, die «Tod den Amerikanern» skandierten.  Foto: S. SabawoonGroßansicht

Kabul/Washington (dpa) - Die Verbrennung eines Korans durch US-Soldaten in Afghanistan hat am Dienstag wütende Proteste ausgelöst. Vor dem Stützpunkt in Bagram versammelten sich nach Behördenangaben knapp 3000 Demonstranten und skandierten «Tod den Amerikanern».

Muslimen gilt die Verbrennung sowie jede andere Schändung des Korans als Todsünde. Die Internationale Schutztruppe Isaf räumte ein, dass Soldaten in Bagram muslimische Schriften wie den Koran «unangemessen entsorgt» hätten. Isaf-Kommandeur John Allen entschuldigte sich und betonte, die Soldaten hätten nicht vorsätzlich gehandelt.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta sprach von einem «höchst bedauerlichen Zwischenfall», den er auf schärfste verurteile. «Diese Aktionen spiegeln nicht die Ansichten des US-Militärs wider. Wir ehren und respektieren die religiösen Praktiken des afghanischen Volkes ohne Ausnahme.» Panetta versprach eine entschlossene Untersuchung gemeinsam mit der afghanischen Regierung.

Die Sprecherin der Provinzregierung von Parwan, Roschana Chalid, sagte, auf der US-Basis in Bagram arbeitende Afghanen hätten angebrannte Koran-Exemplare von dort mitgebracht.

Bei den Protesten in Bagram wurden nach afghanischen Angaben mehrere Demonstranten verletzt. Parwans Vizepolizeichef Sia ul Rahman sagte, US-Soldaten hätten 13 Menschen mit Gummigeschossen leicht verletzt. Niemand sei getötet worden. Die Polizei habe die Lage unter Kontrolle.

Ein Teilnehmer an den Protesten namens Sami Ullah sagte, ein Demonstrant sei von Soldaten angeschossen worden. Nach Isaf-Angaben wurde «nicht-tödliche Munition» zur Auflösung der Menge eingesetzt. Die US-Botschaft in Kabul warnte vor Demonstrationen auch in den kommenden Tagen.

Isaf-Kommandeur Allen sagte, die Schutztruppe werde dafür sorgen, dass ein solcher Fall nicht erneut vorkomme. «Das sichergestellte Material wird ordnungsgemäß durch die entsprechenden religiösen Obrigkeiten gehandhabt werden.» Die Isaf machte keine Angaben, warum religiöse Schriften wie der Koran auf der Basis lagerten. Allerdings unterhalten die US-Truppen in Bagram ein umstrittenes Gefängnis. Häftlingen wird dort der Koran zur Verfügung gestellt.

Im vergangenen Frühjahr waren in Afghanistan bei tagelangen Protesten gegen die Koran-Verbrennung eines Predigers in Florida 23 Menschen ums Leben gekommen, darunter sieben ausländische UN- Mitarbeiter. 2005 hatte ein später zurückgezogener Medienbericht über eine angebliche Schändung des Korans im US-Gefangenenlager Guantanamo schwere antiamerikanische Proteste ausgelöst. Bei Unruhen waren damals in Afghanistan und Pakistan insgesamt 17 Menschen gestorben.

Bei einem Zusammenstoß zwischen Isaf-Soldaten und afghanischen Polizisten in der südafghanischen Provinz Kandahar wurde unterdessen ein Albaner getötet. Das Büro des Provinzgouverneurs teilte am Dienstag mit, beim Verteilen von Schreibmaterial an einer Schule sei es am Vorabend zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung und dann zu Schüssen gekommen. Ein albanischer Soldat sei getötet, zwei weitere seien verletzt worden. Auch ein US-Soldat sei verwundet worden. Die beteiligten Polizisten seien festgenommen worden.

Die Isaf teilte lediglich mit, ein Angreifer in Polizeiuniform habe einen Isaf-Soldaten erschossen. In den vergangenen Monaten häuften sich Angriffe afghanischer Sicherheitskräfte auf Isaf- Angehörige. Oft bleibt unklar, ob es sich bei den Attentätern um sogenannte Schläfer von Aufständischen-Gruppen wie den Taliban handelt oder ob andere Motive hinter den Angriffen stehen.

Vor einem Monat hatte ein afghanischer Soldat vier französische Kameraden erschossen. Präsident Nicolas Sarkozy drohte daraufhin mit einem vorzeitigen Truppenabzug vom Hindukusch.

In der südafghanischen Provinz Helmand enthaupteten Taliban-Kämpfer nach Angaben der Behörden vier Zivilisten. Die Aufständischen hätten den Opfern fälschlicherweise vorgeworfen, für die Regierung und die internationalen Truppen zu spionieren, teilte Helmands Provinzregierung mit.

Konflikte / Afghanistan
21.02.2012 · 19:32 Uhr
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