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Proteste gegen Kaczynski-Beisetzung

Kaczynski-AnhängerGroßansicht
Warschau/Moskau (dpa) - Vor der Beisetzung des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski am Sonntag weitet sich der Streit um das Begräbnis aus. In Krakau demonstrierten am Mittwochabend rund 2000 Menschen gegen die Entscheidung für die Wawel-Burg als letzte Ruhestätte.

Dort sind polnische Könige und Nationalhelden beigesetzt. Für Donnerstagabend waren neue Proteste angekündigt. Demonstranten trugen Transparente mit Aufschriften wie «Wawel gehört den Königen» und «Wawel vor Schändung bewahren». Auch in Warschau und Breslau demonstrierten kleinere Gruppen gegen die Wahl der ehemaligen Königsresidenz in Krakau als Grabstätte für das Präsidentenpaar.

Der polnische Filmregisseur Andrzej Wajda hatte zuvor in einem offenen Brief die katholische Kirche aufgerufen, ihre Entscheidung rückgängig zu machen. Der Metropolit von Krakau, Kardinal Stanislaw Dziwisz, soll sich nach Gesprächen mit der Kaczynski-Familie für diesen Ort entschieden haben. Ursprünglich war Warschau im Gespräch gewesen. Beim Flugzeugunglück in Smolensk am vergangenen Samstag waren außer Kaczynski und seiner Frau 95 weitere Spitzenpolitiker, Geistliche, Militärs und Staatsbeamte ums Leben gekommen.

Am Sonntag werden in Krakau Delegationen aus rund 70 Staaten zur Trauerfeier erwartet. Mehr als 80 Flugzeuge, darunter die Maschinen von US-Präsident Barack Obama und seinem russischen Kollegen Dmitri Medwedew, werden landen. Das Präsidentenpaar soll in einem Alabastersarkophag in einer Krypta der Kathedrale auf der Wawel-Burg die letzte Ruhe finden. Vorher ist ein Trauergottesdienst in der mittelalterlichen Marienkirche am Krakauer Alten Markt geplant.

Auch am Donnerstag trauerten wieder Tausende öffentlich um die Verstorbenen. Vor dem Präsidentenpalast in Warschau warteten Menschen stundenlang auf den Einlass, um dem Politiker und der First Lady die letzte Ehre zu erweisen. Die aufgebahrten Särge bleiben bis Samstagnachmittag für die Öffentlichkeit zugänglich.

Unmittelbar vor dem Absturz des Flugzeugs am Samstag hat es nach vorläufigen russischen Angaben keinen ausdrücklichen Befehl zur Landung gegeben. Die Auswertung von Gesprächen aus dem Cockpit lege den Schluss nahe, dass sich der Pilot eigenständig trotz Nebels zur Landung auf dem Flughafen der westrussischen Stadt entschlossen habe. Das sagte ein Mitglied der Untersuchungskommission in Moskau am Donnerstag nach Angaben der Agentur Interfax. Die russische Flugsicherung hatte ausdrücklich von einer Landung abgeraten. Medien spekulieren, ob Kaczynski oder ein anderes Mitglied seiner hochrangigen Delegation einen Befehl zur Landung gegeben habe.

Kaczynski hatte bei einem Flug nach Georgien 2008 seinen damaligen Piloten scharf kritisiert, weil dieser entgegen seiner Anweisung auf einem Ausweichflughafen gelandet war. Dies hatte Spekulationen genährt, der polnische Präsident könne auch diesmal Druck ausgeübt haben. Medien zufolge war der Pilot der Unglücksmaschine von Smolensk vor zwei Jahren als Co-Pilot an Bord.

Präsident / Unfälle / Polen / Russland
15.04.2010 · 16:07 Uhr
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