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Pressestimmen zu Obamas China-Besuch

Hamburg (dpa) - Pressestimmen zum China-Besuch von US-Präsident Barack Obama.

Die liberale Wiener Zeitung «Der Standard» schreibt:

«China ist so mächtig geworden, dass es die Finanzpolitik der USA kritisieren kann und gehört wird. Der schwache US-Dollar und die niedrigen Zinsen hätten weltweit die Aktienkurse aufgebläht und gefährdeten die wirtschaftliche Erholung, warnte Chinas Bankenaufsicht kurz vor Obamas Ankunft in Schanghai. In weniger als zwei Jahrzehnten wird China die USA als größte Wirtschaftsmacht überholt haben. Die Rüstungsausgaben steigen derweil mit zweistelligen Prozentpunkten. Die Bedrohung durch China in eine erträgliche Partnerschaft umzuwandeln, ist die große Herausforderung für die USA. Mao Obama bleibt am Ende vielleicht nur, den Chinesen klar zu machen, dass Demokratie ein Wettbewerbsvorteil ist.»

Die polnische Tageszeitung «Dziennik Gazeta Prawna» meint:

«Obamas Asien-Reise ist der endgültige Beweis dafür, dass der US-Präsident aus einem politischen Idealisten, der (...) von Frieden und Harmonie träumt, zu einem Schüler des politischen Realismus geworden ist, der fest auf dem Boden steht. Obama ist sich dessen bewusst, dass die durch die Krise geschwächten und zwei Kriege führenden Vereinigten Staaten auch mit jenen verhandeln müssen, die «Die Demokratie in Amerika? (Tocqueville) nicht gelesen haben. Ohne sie kann man das Atomproblem in Nordkorea und Iran nicht lösen, einen neuen START-Vertrag nicht aushandeln, Afghanistan-Krieg nicht beenden und die Wirtschaft nach der Krise nicht für Jahrzehnte in Ordnung bringen. Die progressiven Anhänger Obamas werden enttäuscht sein.»

«Tages-Anzeiger» (Zürich):

«Das Gegenstück zum amerikanischen Konsumrausch ist der chinesische Exportwahn. In den Handelsbilanzen drückt sich das wie folgt aus: Der Überschuss Chinas ist etwa so groß wie das Defizit der USA, nämlich rund 400 Milliarden Dollar im Jahr. Mit ihrer Wirtschaftspolitik haben die Chinesen ebenfalls ein fragwürdiges Resultat erzielt: Ihre Volkswirtschaft ist geradezu auf absurde Weise aus dem Gleichgewicht geraten. Bloß rund ein Drittel des Bruttoinlandprodukts wird im Binnenmarkt erwirtschaftet, ein lächerlich kleiner Anteil. Der US-Präsident kann darauf hinweisen, dass der chinesische Exportwahn ebenso schädlich für die Weltwirtschaft ist wie der US-Konsumrausch. Auch moralisch gesehen gibt es keinen Unterschied: Die eigene Wirtschaft mit einer künstlich verbilligten Währung im Schwung zu halten, ist genauso verwerflich, wie auf Kosten der anderen zu konsumieren.»

«Frankfurter Allgemeine Zeitung»:

«(...) Chinas Führung spricht seit einiger Zeit von einer «harmonischen» Welt, die sie anstrebe. Die Worte hört man wohl, allein es fehlt der Glaube. Gegenüber Barack Obama, dem bester Wille nicht abzusprechen ist, führt Peking gerade vor, dass «Harmonie» offenbar vor allem bedeutet, die Außenwelt möge China nicht mit Forderungen behelligen. Wenn sich China konstruktiv verhält (wie zum Beispiel im Konflikt mit Nordkorea), dann geschieht dies aus eigener Machtvollkommenheit, nicht weil irgendjemand im Ausland es gerne so hätte. Das wäre nicht weiter schlimm. Nur hat man leider keine Garantie dafür, dass China bereit ist, sich konstruktiv zu verhalten, siehe Klimagipfel.»

«Westdeutsche Zeitung» (Düsseldorf):

«China und die USA sind wie siamesische Zwillinge wirtschaftlich aneinandergebunden: Peking braucht den US-Markt, und Washington ist Chinas größter Schuldner. Das zwingt beide zu Partnerschaft. Doch selbst die so maßvolle Rede Obamas in Shanghai kann nicht den Blick darauf verstellen, dass die USA und China nicht nur Partner, sondern in vielen Fragen und vielen Räumen auch Konkurrenten oder gar erbitterte Rivalen sind. Und das wird, man denke nur an den Zugriff auf Rohstoffe, auch so bleiben.»

Pressestimmen / Österreich / USA / China
17.11.2009 · 10:38 Uhr
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