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Portrait: Joachim Löw

Jogi Löw bleibt BundestrainerGroßansicht

München (dpa) - Jürgen Klinsmann holte ihn 2004 als Assistent mit großem Taktik-Wissen zum DFB - als «Bundes-Jogi» hat Joachim Löw auch ohne Titelgewinn inzwischen weltweit Furore gemacht.

Exakt zehn Tage nach Platz drei bei der WM in Südafrika hat der 50 Jahre alte Badener seinen Vertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) bis zur EM 2012 verlängert. Seine Motivation sei «sehr hoch», verkündete Löw. Als Trainer verkörpert Löw den klassischen Fußball-Lehrer. Am liebsten steht er mit der Trillerpfeife auf dem Rasen und arbeitet mit seinen Spielern an Laufwegen, Passspiel und taktischen Varianten. Löw ist ein Tüftler, aber auch ein Team-Player.

WM-Bronze in Südafrika war mehr als ehrenwert. Seine junge, frische «Boy Group» veränderte das Weltbild vom deutschen Kraftfußball und bietet dem Bundestrainer selbst eine verlockende Turnier-Perspektive für die EM 2012 und womöglich auch die nächste WM 2014 in Brasilien. «Ich mache nicht gerne längerfristige Verträge über vier Jahre», sagte Löw zur langfristigen Perspektive.    

Der gebürtige Schwarzwälder hat seine Chefrolle in den vier Jahren seit der Amtsübernahme von Klinsmann immer gekonnter ausgespielt und genießt sie erkennbar. Mehr als 30 hochqualifizierte Helfer hat Löw inzwischen bei der Nationalmannschaft um sich vereint. Zweimal ist er knapp gescheitert, jeweils an seinem Vorbild Spanien; bei der EM 2008 im Finale, in Südafrika im Halbfinale, jeweils nach 0:1-Niederlagen.

Der Wein-Liebhaber liebt das Extreme. Er bedient auf der einen Seite sein Image vom «netten Herrn Löw», ist aber auch ein klarer Verfechter des knallharten Wettbewerbs. Dabei macht er selbst bei großen Namen keine Kompromisse, wie das Beispiel des vor der WM aussortierten Bremer Routiniers Torsten Frings am besten belegt. Die nächste schwere Entscheidung steht schon bald bevor, wenn er zwischen Michael Ballack (33) und Philipp Lahm (26) als Kapitän wählen muss.

Jogi, wie ihn einst seine Mutter genannt hat und wie ihn heute fast alle im Land nennen dürfen, hat das Risiko nie gescheut. Er kletterte auf den fast 6000 Meter hohen Kilimandscharo, fuhr mit dem Mountainbike durch die Alpen, ging als Trainer in die heiße türkische Liga.

Als Fußball-Profi bestritt Löw für den VfB Stuttgart, den SC Freiburg, den Karlsruher SC und Eintracht Frankfurt 52 Spiele in der Bundesliga und 252 Partien in der 2. Liga. Ganz nach oben reichte es nicht. Seinen größten Erfolg als Club-Trainer feierte er mit dem VfB Stuttgart, den er 1997 zum DFB-Pokalsieger machte und mit dem er ein Jahr später ins Europacup-Finale (0:1 gegen den FC Chelsea) einzog. Unter seiner Regie spielten die Schwaben mit dem «Magischen Dreieck» Giovane Elber/Fredi Bobic/Krassimir Balakow traumhaften Fußball.

Danach verpasste der Südbadener zunächst den Sprung in die absolute Topriege der Trainer. Er stieg mit dem KSC in die 2. Liga ab und feierte seine Erfolge im Ausland, mit Fenerbahce Istanbul, Tirol Innsbruck und Austria Wien. Dann ereilte ihn der Ruf von Klinsmann.

«Er ist kein klassischer Assistent», hatte Klinsmann schon im Sommer 2004 bemerkt. Er hatte Löw auch geholt, weil der ihm bei einem Trainerlehrgang die Viererkette «so gut wie kein anderer» erklären konnte. Löw wurde als Bundestrainer zur schillernden Figur und zum Werbestar. Er ist sehr modebewusst, bei ihm wurde plötzlich auch über seine edlen Schals diskutiert oder ein Silberamulett.    

In Zeitungen tauchten nach der EM 2008 sogar Fotos vom rauchenden Urlauber Löw am Strand auf. Der leidenschaftliche Espresso-Trinker zeigt auch Herz, die SOS-Kinderdörfer unterstützt Löw seit langem.

Bei aller Prominenz, Löw zieht sich gerne aus der Öffentlichkeit zurück. «Jeder sollte da bleiben, wo er hingehört. Ich möchte glaubwürdig bleiben», begründete er etwa seine Abstinenz von politischen Fernseh-Talkshows oder Prominenten-Empfängen. Seine Frau Daniela, mit der er seit über 20 Jahren verheiratet ist, hält er fast ganz aus der Öffentlichkeit heraus. «Er hat seine Linie, von der er nicht abgeht - und das auf ganz umgängliche Art», sagte Teammanager Oliver Bierhoff, einer seiner engsten Vertrauten.

Fußball / Löw / Deutschland
20.07.2010 · 21:41 Uhr
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