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Porträts: Die vier Verurteilten

Düsseldorf (dpa) - Die Terroristen der islamistischen Sauerland-Gruppe müssen bis zu zwölf Jahre lang ins Gefängnis. Hier Kurz-Porträts der Verurteilten:

FRITZ GELOWICZ (30): Zwölf Jahre Haft für den Anführer der terroristischen Sauerland-Gruppe. Dabei kommt Gelowicz auf den ersten Blick aus einer ganz heilen Welt. Der Sohn einer Ärztin und eines Unternehmers wächst in München und Ulm auf. Doch er erfüllt die Erwartungen seines Vaters nicht und scheitert am Gymnasium. Seine Eltern lassen sich scheiden, mit 16 konvertiert Fritz zum Islam. Er beginnt ein Studium zum Wirtschaftsingenieur. Beeinflusst wird er von einem radikalen Prediger im Multikulturhaus. Kurz vor Ende des Prozesses in Düsseldorf wird seine Ehefrau festgenommen - sie soll Geld für die terroristische IJU gesammelt haben. Gelowicz selbst hat beteuert, dass er mit Terrorismus nichts mehr zu tun haben will.

DANIEL SCHNEIDER (24): Zwölf Jahre Haft auch für ihn. Als Schüler ist der im saarländischen Neunkirchen geborene Schneider Messdiener, hört Rockmusik und spielt Basketball. Der Weg des jüngsten Sauerland- Terroristen in den «Heiligen Krieg» beginnt mit der Zerrüttung seiner Familie und dem jahrelangen Scheidungskrieg seiner Eltern. Nach deren Trennung kommen Probleme in der Schule, Jugendarrest wegen Raubes und Körperverletzung, erfolglose Bewerbung als Zeitsoldat bei der Bundeswehr. Das Gymnasium bricht er in der 12. Klasse ab, er wendet sich dem Islam zu.

ADEM YILMAZ (31): Er muss für elf Jahre hinter Gitter. Yilmaz macht eine Ausbildung bei der Deutschen Bahn, später arbeitet er als Kaufhausdetektiv. Er gilt als intellektuell eher «einfach strukturiert». In Deutschland schleust er Terror-Nachwuchs nach Pakistan, kümmert sich um die Finanzen der Sauerland-Gruppe. Im Prozess legt er sich mit seinem flegelhaftem Auftreten immer wieder mit dem Gericht an. Er schwärmt von der Terrorausbildung in Waziristan und dem Dschihad. Psychologische Gutachter sehen den Sohn einer anatolischen Einwandererfamilie beseelt von «Größenfantasien».

ATILLA SELEK (25): Fünf Jahre Haft für den Helfer. Der in der Türkei geborene Selek ist eigentlich gut in Deutschland integriert. Nach einer Ausbildung als Fahrzeuglackierer hat er Aussicht auf eine feste Anstellung. Dann gerät er in den Dunstkreis radikaler Prediger des Multikulturhauses in Neu-Ulm. Selek erträgt es nicht einmal, dass es bei seinem Arbeitgeber einen weiblichen Lehrling gibt und kündigt. Schicksalhaft wird für ihn die Begegnung mit Fritz Gelowicz, der für ihn der ersehnte «große Bruder» wird. Nach Verbüßung seiner Strafe will Selek seine Ehefrau aus der Türkei holen und neu anfangen - wenn er dann noch in Deutschland bleiben darf.

Urteile / Terrorismus
04.03.2010 · 23:00 Uhr
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