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Porträt: Westerwelle in neuer Rolle

Guido WesterwelleGroßansicht
Berlin (dpa) - Guido Westerwelle will sich auf keinen Fall mit dem US-Präsidenten vergleichen. Aber auf eine Frage, ob ein Wechsel vom Oppositionsführer einer kleineren Partei an die Spitze eines Großministeriums wie des Auswärtigen Amts zu packen sei, antwortete der FDP-Chef vor der Wahl: «Barack Obama zeigt gerade, dass es geht.»

Vor elf Jahren musste Klaus Kinkel als letzter FDP-Außenminister den Posten räumen. Heute erinnert sich kaum jemand an ihn. Westerwelle tritt mit einem ganz anderen Anspruch an: Der 47-jährige will wie sein Vorbild Hans-Dietrich Genscher tiefere Spuren hinterlassen.

Bei der Regierungsbildung ist ihm darin allerdings ein Konkurrent erwachsen. CSU-Publikumsliebling Karl-Theodor zu Guttenberg (37) hat schon wissen lassen, dass er sich «auf die vielen Optionen und Möglichkeiten» freut, die sein neues Amt als Verteidigungsminister bietet. Konfliktpotenzial ist also schon da. Lange war sich der FDP- Chef nicht sicher, ob er überhaupt ins Außenamt gehen oder nicht doch besser ein maßgeschneidertes «Zukunftsressort» anstreben sollte.

Vor allem die Ermutigung von Diplomaten-Altmeister Genscher - «Sie werden ein guter Außenminister!» - überzeugte ihn letztlich. Dazu kommt: Das AA-Spitzenamt gilt seit jeher als Sprungbrett zu hohen Popularitätswerten. Bei dem Grünen Joschka Fischer war es so, bei Frank-Walter Steinmeier (SPD) auch. Das will Westerwelle nutzen.

Viele haben ihm das früher - auch in der eigenen Partei - nicht zugetraut. Zu sehr klebte an ihm das Image des Spaßpolitikers und Sprüche-Klopfers (etwa: «Hier steht die Freiheitsstatue der Republik»). Dass er 2002 nicht schnell und scharf genug die Trennungslinie zu dem Anti-Israel-Wahlkampf von Jürgen Möllemann zog, schadete ihm auch außenpolitisch. Aus Jerusalem kamen jetzt auch die einzigen kritischen Töne an seine Adresse nach der Wahl.

Ansonsten wird in den anderen Hauptstädten der Welt allenthalben Kontinuität in der deutschen Außenpolitik erwartet. Abzug der US- Atomwaffen aus Deutschland, Menschenrechte, mehr Rücksichtnahme für «die Kleinen» in der EU und ergebnisoffene EU-Verhandlungen mit der Türkei - mit eher allgemeinen Stichworten hat Westerwelle im Wahlkampf die Außenpolitik als Nebenthema meist nur gestreift.

Auch nach der Regierungsbildung am Wochenende ging Westerwelle sein Ressort-Thema sehr vorsichtig an. «Die Außenpolitik wird nicht nur Kontinuität bringen, einige Dinge werden neu beginnen», klang es noch sehr vage. Seine ganze Kraft hat Westerwelle in den vergangene Jahren in die Innenpolitik investiert. Seit 2001 an der Parteispitze, hat er die frühere Klientelpartei FDP für breitere Schichten wählbar gemacht. Über eine Million Stimmen holten die Freidemokraten bei der jüngsten Wahl aus dem Wählerreservoir vor allem der Union, aber auch der SPD.

Dass dies nicht eine Episode bleibt, dafür will Westerwelle - auch mit dem «Außenminister-Bonus» - sorgen. Ob die Regierung Merkel/ Westerwelle von Dauer sein wird, wird sich in den ersten beiden Jahren dieser Koalition entscheiden - vermutlich auf dem Feld der Wirtschaft- und Sozialpolitik. Mit einem Parteichef, der sich international erstmal bekanntmachen muss, wird die FDP da Mühe haben. Westerwelle sieht sich und die Welt jedenfalls in einer «Zeitenwende». Und in diesen Prozess will er nun aktiv und mit Tempo eingreifen.

Persönlich - ist sich der Anwalt aus Bonn sicher - bringt er die besten Voraussetzungen für seinen künftigen Doppel-Job mit. Zur Rolle seines Vaters und seiner Mutter in seinem Leben sagte er jüngst: «Ihm verdanke ich einen unbändigen Kämpferwillen. Und meiner Mutter verdanke ich, ihn gut im Zaum zu halten.» Und die hier und da gestellte Frage, ob ein inzwischen sich offen bekennender Homosexueller auch Außenminister sein könne, hat Westerwelle auch schon vor einiger Zeit klar beantwortet: «Wer Außenminister wird, entscheiden die Deutschen - ob schwul oder heterosexuell.»

Parteien / Regierung
25.10.2009 · 12:19 Uhr
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