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Porträt: Von der Leyen aus dem Rennen

Von der LeyenGroßansicht
Berlin (dpa) - Bis Donnerstagmittag galt sie praktisch als gesetzt. Doch plötzlich war Ursula von der Leyen im Kandidatenwettlauf um die Nachfolge des zurückgetretenen Bundespräsidenten Horst Köhler aus dem Rennen.

Die Wahl der Koalitionsspitze fiel auf ihren Förderer, den niedersächsischen Ministerpräsident Christian Wulff. Die Bundesministerin für Arbeit und Soziales war vorschnell - auch von den Medien - zu hoch gehandelt worden.

Den Umschwung bewirkten offensichtlich Widerstände in der Union gegen den Vorschlag von Kanzlerin Angela Merkel. Denn würde die agile Arbeitsministerin mit dem CDU-Parteibuch ins Schloss Bellevue einziehen, wären zwei der wichtigsten bundespolitischen Spitzenämter in weiblicher Hand. Das gab es noch nie in der deutschen Nachkriegsgeschichte - und es wäre zweifellos mehr als nur als bloße Symbolik gewesen.

Von der Leyen steht für eine moderne Sozial- und Familienpolitik. Sie will, dass Frauen - auch alleinstehende Mütter - im Berufsleben ihren Mann stehen, und kämpft für mehr Kitaplätze. Dem beliebten Elterngeld verhalf sie zum endgültigen Durchbruch, als sie in der Zeit der großen Koalition Familienministerin war. Parteiinterne Kritiker meinen, ihr gesellschaftspolitisches Weltbild trage deutlich sozialdemokratische Züge. Das verstört viele vom konservativen Flügel der Union, wie sich in den gesunkenen Chancen zeigte.

In Umfragen jedenfalls hatte sie zwischenzeitlich die Nase weit vorn. Dass sich die selbstbewusste Ministerin den Präsidenten-Job zugetraut hätte, durfte unterstellt werden. Für sie gab es reichlich Zuspruch: «Nummer zehn sollte eine Frau sein! (...) Die strahlendste wäre Ursula von der Leyen, in jeder Beziehung», machte sich die «Grande Dame» der FDP und ehemalige Kandidatin für das Präsidentenamt, Hildegard Hamm-Brücher, für von der Leyen stark. «Sie wäre eine gute Mutter der Nation», zeigte sich ein ehemaliger Mitarbeiter überzeugt.

Die zierliche, gleichwohl vor Energie sprühende Frau ist trotz langer Arbeitstage im Ministerium ein ausgesprochener Familienmensch: Sie hat sieben Kinder und kümmert sich auch noch um ihren demenzkranken Vater, den früheren niedersächsischen CDU- Ministerpräsidenten Ernst Albrecht. Mit ihm wohnt die Großfamilie seit 2007 quasi modellhaft in einem Mehrgenerationenhaus unter einem Dach. Dass sie wegen offizieller Verpflichtungen seltener als gewünscht mit der Familie zusammen ist, macht ihr ein schlechtes Gewissen, bekennt die Ministerin offen.

Ihr jetziges Ressort übernahm die Freizeit-Joggerin Ende November vergangenen Jahres. Gemessen am Etat von rund 140 Milliarden Euro ist die zierliche Frau das Schwergewicht im Kabinett. Sie zählt in der Regierung zu den Leistungsträgerinnen, sprüht vor Ideen, die sie dann eloquent und hartnäckig verfolgt. Auch von ihren Mitarbeitern fordert sie hohen Einsatz, manchmal bis spät in die Nacht. Dennoch sei sie immer «sehr menschlich», heißt es.

In der Politik legte die promovierte Ärztin eine Blitzkarriere hin. Nach einer nur kurzen Durchgangsstation in der Kommunalpolitik ernannte Regierungschef Wulff die Aufstrebende 2003 zur Sozialministerin. Im November 2005 holte Kanzlerin Merkel sie als Familienministerin nach Berlin. Seit der Wahl im vergangenen Herbst hat von der Leyen auch ein Mandat im Bundestag. Die 51-Jährige war auch schon für Brüssel als EU-Kommissarin im Gespräch. Manche meinen gar, dass die ehrgeizige Frau das Zeug zur Kanzlerin hätte.

Bundespräsident
03.06.2010 · 18:56 Uhr
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