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Porträt: Viviane Reding - Kommissarin mit Krallen

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Brüssel (dpa) - Viviane Reding (59) ist die dienstälteste EU-Kommissarin in Brüssel. Seit elf Jahren ist die Luxemburgerin Mitglied der EU-Behörde. Die konservative Politikerin geriet jetzt wegen ihrer harschen Kritik an der französischen Roma-Politik in die Schlagzeilen.

Die heutige Kommissions-Vizepräsidentin, die bereits unter dem Italiener Romano Prodi, dem Vorgänger des jetzigen Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso diente, erregte bereits 2007 Aufsehen, als sie die erhebliche Senkung der Kosten für grenzüberschreitende Handy-Telefonate in der EU durchdrückte.  Damals war Reding in der Brüsseler Superbehörde noch zuständig für Medien und Informationstechnologie. Anfangen hatte sie 1999 unter Prodi als Kommissarin für Bildung, Kultur, Jugend, Medien und Sport. Der Italiener war zufrieden, denn mit Reding stieg auch der Frauenanteil in dem mächtigen Gremium.

Reding ist promovierte Kommunikationswissenschaftlerin und schrieb als Journalistin beim «Luxemburger Wort». Anschließend saß sie für die christdemokratische Partei ihres Landes lange im Europaparlament. Sie etablierte sich dann in Brüssel bei der Kommission rasch mit ihrer sachlichen Art. «Ich bin Luxemburgerin, und somit von Haus aus ein pragmatischer Mensch», sagt die geschiedene Mutter von drei Kindern über sich selbst.

2004 gehörte sie zu lediglich drei EU-Kommissaren, die nach Prodis Ausscheiden in das neu zusammengestellte Gremium von Barroso übernommen wurden. Der Portugiese fand schnell Gefallen an der emsigen Reding und beförderte sie im vergangenen Jahr zu einer seiner Vizepräsidentinnen. Zudem bestellte er sie zur Justizkommissarin. Sie hat damit eines der wichtigsten Ressorts.

In ihrer dritten Amtszeit setzt sie sich vor allem für eine engere Zusammenarbeit der EU-Mitgliedsländer in der Migrations- und Asylpolitik ein. Als «Schande» geißelte sie die Massen-Ausweisungen von Roma aus Frankreich - und legte sich direkt mit Staatspräsident Nicolas Sarkozy an. Da sie eine historische Parallele zum Zweiten Weltkrieg - und damit indirekt auch zu Deportationen von Minderheiten - zog, geriet sie in die Kritik der französischen Regierung und Sarkozys. Reding hält jedoch an ihrem Vorhaben fest, gegen Frankreich mit Strafverfahren vorzugehen. Die resolute Kommissarin mit der charakteristischen blonden Löwenmähne zeigt ihre Krallen.

Reding-Biografie, EU-Kommission

EU / Minderheiten / Migration / Gipfel / Frankreich
17.09.2010 · 22:44 Uhr
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