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Porträt: Unglückskapitän Francesco Schettino

Kapitän Francesco Schettino (r.) bei seiner Festnahme. Foto: Enzo RussoGroßansicht

Rom (dpa) - Jetzt, als er in dunkler Jacke abgeführt wird, schaut auf den Kapitän der «Costa Concordia» die ganze Welt. Auf früheren Bildern strahlt seine Kleidung blütenweiß. Der ehemalige Schiffsoffizier für Sicherheit muss sich nun wegen möglicher grober Fehler verantworten.

Ältere Fotos zeigen ihn braungebrannt und mit Sonnenbrille auf der Kommandobrücke. Francesco Schettino, gut gewachsener Süditaliener, scheint so bestens dem Bild eines Mannes zu entsprechen, der mit seinem 290-Meter-Traumschiff Tausenden Passagieren aus aller Welt die Schönheiten des Mittelmeeres zeigt. Doch seit der spektakulären Havarie der «Costa Concordia» Ende letzter Woche stimmt das Image des 52-Jährigen aus dem kampanischen Ort Meta di Sorrento bei Neapel nicht mehr. Schettino sitzt in U-Haft. Der Staatsanwalt macht ihm schwerste Vorwürfe, sein als fragwürdig geschildertes Verhalten bei dem Schiffbruch steht im Fokus der Medien.

Schettino ist Spross einer Familie, in der nahezu alle etwas mit Schifffahrt zu tun haben. Vor zehn Jahren trat er in die Dienste der Genueser Reederei Costa Crociere, zu deren schwimmenden Prunkstücken auch die «Costa Concordia» gehörte. Verantwortlicher Offizier für die Sicherheit, das war Schettinos erste Aufgabe beim neuen ligurischen Arbeitgeber. Wobei doch gerade die Sicherheit an Bord des Kreuzfahrtschiffes «Costa Concordia» und das Verhalten des Kapitäns während der Evakuierung nun eine Reihe von Fragen aufwerfen, gestellt von betroffenen Augenzeugen und auch von den Ermittlern.

Zum Kommandanten befördert wurde Schettino im Jahr 2006. Was sich dann aber in der Nacht zum vergangenen Samstag nahe der toskanischen Insel Giglio ereignete, brachte jetzt auch seine Reederei dazu, ihm mögliche «Beurteilungsfehler» zuzuschreiben, die «schwerste Folgen» gehabt hätten. Was könnte ihn bewogen haben, gefährlich nah an die Insel heranzufahren, wie es der Staatsanwalt ihm vorhält? Und warum hat er nicht von sich aus «SOS»-Alarm gegeben, warum den Kreuzfahrtriesen mitten in der dramatischen nächtlichen Evakuierung verlassen? Seine erste Verteidigung in einem Interview war kurz: Der Felsen, den das Schiff gerammt habe, sei auf keiner Karte verzeichnet gewesen.

«Wie alle Costa Schiffsführer absolvierte er regelmäßige Trainings», hielt die Reederei zu ihrem Kapitän. Der sitzt wegen Fluchtgefahr hinter Gitter. Mit seiner jahrelangen Erfahrung auf See und der Kenntnis vieler Häfen habe die Gefahr bestanden, dass er sich ins Ausland absetzen würde, so Staatsanwalt Francesco Verusio.

Jetzt ist er also in Untersuchungshaft, soll schon bald verhört werden. Stunden nach dem Desaster und kurz vor der Festnahme hatte Francesco Schettino noch seine Mutter angerufen: «Es ist hier eine Tragödie passiert, bleib' aber ruhig, ich habe noch versucht, die Passagiere zu retten», sagte er einem Bericht des Mailänder «Corriere della Sera» zufolge. Festgenommen wurde er dann auch, weil wohl nicht auszuschließen sei, dass er Beweismaterial manipulieren könne, hieß es. Wiederholt von der Küstenwache aufgefordert, für die Evakuierung zurück an Bord zu gehen, soll er nur angeboten haben, die «Blackbox» des Unglücksschiffes zu holen, wie italienische Medien berichteten.

Diese inzwischen gefundenen Aufzeichnungen der Kommunikation auf der Kommandobrücke und mit dem Hafenamt sind es, die den Ermittlern Informationen über den Ablauf der dramatischen Geschehnisse in der Nacht geben. «Die Ermittler verdächtigen ihn, er habe das sabotieren wollen», hielt die Turiner «La Stampa» dazu am Montag fest. Was den Kommandanten nur noch mehr ins Kreuzfeuer der Kritik bringen könnte.

Schifffahrt / Unfälle / Italien
16.01.2012 · 22:02 Uhr
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