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Porträt: Umar Farouk Abdulmutallab

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Nairobi/Abuja (dpa) - Zu den Unterprivilegierten, die aus Protest gegen soziale Ungerechtigkeit zur Waffe greifen, hat Umar Farouk Abdulmutallab nie gehört. Hunger und Armut kannte der Sohn eines der bekanntesten Bankiers aus Nigeria nicht.

Der junge Mann, der nun in den USA als Terrorist angeklagt ist, wuchs behütet und privilegiert auf. Wie viele reiche Familien im Land wollte auch der ehemalige Minister Umaru Aljhaji Abdulmutallab seinen Sohn nicht dem nationalen Bildungssystem anvertrauen, um ihn auf das Leben vorzubereiten.

Der junge Umar besuchte die britische Schule in Togo, studierte später in London Ingenieurswesen. In der britischen Metropole besitzt seine Familie ein Haus - teure WG-Zimmer oder die Suche nach einem Platz im Wohnheim waren nicht die Sorgen des jungen Nigerianers.

Schul- und Studienfreunde beschreiben den heute 23-jährigen als freundlich, fromm und etwas schüchtern. Frauen habe er nicht in die Augen gesehen oder ihnen auch nur die Hand gegeben. Doch religiöser Extremismus fiel den Altersgenossen an Abdulmutallab, der gelegentlich auch in seiner Heimatstadt Katsina in einem islamischen Zentrum predigte, nicht auf. Er habe das Geld, das er vom Vater erhielt, vor allem in den Kauf religiöser Bücher investiert, berichteten Studienkollegen. Aber als Prediger habe sich Abdulmutallab, der in Blogs über Einsamkeit klagte, nur mit Religion im Alltag oder mit moralischen Fragen beschäftigt. Von Politik sei nie die Rede gewesen.

Manches deutet darauf hin, dass sich der junge Afrikaner nicht nur im Kreis seiner europäischen Kommilitonen, sondern auch unter den reichen jungen Leuten in Nigeria isoliert fühlte. In den Semesterferien machen die im Ausland studierenden Kinder reicher Nigerianer gerne die Clubs und Diskotheken der Wirtschaftsmetropole Lagos unsicher. Wenn getrunken, getanzt und geflirtet wurde, war Abulmuttalah nie dabei, erzählen seine Altersgenossen nun in nigerianischen Medien. Dafür habe er auch bei gemeinsamen Cafébesuchen stets eine islamische Kopfbedeckung getragen - anders als viele der vom Westen geprägten jungen Nigerianer, die nur an religiösen Feiertagen ihre Religionszugehörigkeit demonstrieren.

Dass sich die Frömmigkeit in religiösen Fanatismus zu wandeln drohte, muss zumindest der Vater geahnt haben. Unklar ist, ob der Verdacht erst aufkam, als Abdulmutallab, inzwischen Wirtschaftsstudent in Dubai, im vergangenen Oktober in den Jemen reiste. Angeblich wollte er seine Arabischkenntnisse verbessern. Aus dem Jemen stammt auch eine der Ehefrauen von Abdulmutallab Senior.

Doch bei der dortigen Verwandtschaft meldete sich Abdulmutallab nicht, Anrufe und Emails der Familie blieben unbeantwortet. Sechs Wochen, nachdem sein Vater nigerianische und amerikanische Sicherheitsbehörden über den eigenen Sohn informiert hatte, versuchte Umar Abdulmutallab, einen Airbus auf dem Flug in die USA zur Explosion zu bringen und 300 Menschen in den Tod zu reißen.

Terrorismus / Nigeria / USA
08.01.2010 · 08:10 Uhr
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