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Porträt: Staatschef mit dunkler Vergangenheit

Gelernter Mechaniker aus dem ostukrainischen Kohle- und Stahlrevier Donbass: Viktor Janukowitsch. Foto: Sergey Dolzhenko

Kiew (dpa) - Als Halbstarker saß er wegen eines Raubüberfalls im Gefängnis. Doch seit dieser Jugendsünde, so beteuert Viktor Janukowitsch (61), habe er das Gesetz nicht mehr gebrochen.

Dem heutigen Staatschef der Ukraine, einem bulligen Zwei-Meter-Mann, werden allerdings engste Verbindungen zu den Großindustriellen des Landes nachgesagt. Bei aller Kritik der Opposition: Janukowitschs Wahl zum Staatsoberhaupt Anfang 2010 war nach Einschätzung internationaler Beobachter frei und fair.

Janukowitschs Weg zur Macht verlief alles andere als gradlinig. Mit Rückendeckung Russlands sah sich der gelernte Mechaniker aus dem ostukrainischen Kohle- und Stahlrevier Donbass bereits 2004 als Präsident. Doch die von seiner Rivalin Julia Timoschenko angeführte pro-westliche Orangene Revolution machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Nach einem Skandal um gefälschte Stimmen verlor Janukowitsch die Wiederholungswahl gegen den damaligen Hoffnungsträger Viktor Juschtschenko.

Als Janukowitsch es nach dem Scheitern der prowestlichen Reformer doch noch an die Staatsspitze geschafft hatte, startete er aus Sicht seiner Gegner einen «Rachefeldzug» gegen das Timoschenko-Lager. Seitdem sieht sich Janukowitsch Vorwürfen ausgesetzt, demokratische Errungenschaften in der Ex-Sowjetrepublik wieder zu kassieren.

Janukowitsch zeigt sich gerne mit Kerze in der Hand in russisch-orthodoxen Kirchen. Sein Lebenslauf weist auch ein abgeschlossenes Jurastudium auf. Der Vater zweier Söhne gilt als großer Sportfan, er spielt leidenschaftlich Tennis. Die Fußball-Europameisterschaft im Juni, die die Ukraine gemeinsam mit Polen austrägt, wollte Janukowitsch kurz vor dem Parlamentswahlen im Herbst als große Bühne nutzen. Die Kritik an seiner Menschenrechtspolitik droht dies nun zunichte zu machen.

Sein großes Ziel hat Janukowitsch bis heute nicht verwirklichen können. Nach seinem knappen Wahlsieg gegen Timoschenko hatte er vor zwei Jahren angekündigt, «Präsident aller Bürger» sein zu wollen. Doch der hölzern wirkende Chef der im russischsprachigen Osten der Ukraine verwurzelten Partei der Regionen hat das gespaltene Land nicht einigen können. Seine Gegner werfen ihm vor, bis heute eine Marionette der Oligarchen zu sein.

Justiz / Timoschenko / Fußball / EM / Ukraine
30.04.2012 · 21:31 Uhr
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