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Porträt: Schmid will auch grünem Chef dienen

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Stuttgart (dpa) - Nils Schmid gibt sich gern entspannt. Zwar wäre der SPD-Spitzenkandidat gerne in den politischen Olymp in Baden-Württemberg aufgestiegen.

Doch schon vor Monaten hat er uneitel klargemacht, dass die SPD selbstverständlich auch einen Grünen zum Ministerpräsidenten wählen würde, um endlich die CDU zu stürzen. Ein Zugeständnis, das so manchem in der stolzen Volkspartei Bauchgrimmen verursacht hat. Deshalb betont er noch am Wahlabend: «Wir werden zusammen mit den Grünen eine Regierung auf Augenhöhe bilden. Wir werden dafür sorgen, dass Baden-Württemberg im Dialog regiert wird.»

Privat sitzt der SPD-Landeschef abends gerne zusammen mit seiner Frau Tülay auf dem Sofa und schaut fern. Stolz berichtet seine türkischstämmige Frau, dass der 37-Jährige es trotz Wahlkampfstress immer noch schaffe, seiner einjährigen Tochter Elif Kinderlieder vorzusingen - auf Schwäbisch und auf Türkisch.

Im Wahlkampf stand Schmid häufig etwas abseits, weil sich CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus vor allem mit Grünen-Vormann Winfried Kretschmann duellierte, da die Ökopartei in Umfragen lange Zeit vor der SPD lag. Hauptgrund dafür war: Die Sozialdemokraten saßen im Konflikt um das Milliarden-Bahnprojekt Stuttgart 21 zwischen allen Stühlen.

Angesichts zehntausender Demonstranten hatte der SPD-Chef die jahrelange Unterstützung für das Vorhaben relativiert und eine Volksabstimmung vorgeschlagen. In der Partei wuchsen danach die Zweifel, ob Schmid in heißen Wahlkampfzeiten wirklich der richtige Mann sei.

Die SPD hatte sich Ende 2009 für den nachdenklichen Schmid und gegen den Haudegen Claus Schmiedel (60) als Parteichef und somit auch als Spitzenkandidat entschieden. Da Umfragen zu dieser Zeit keine echte Machtperspektive zeigten, wollte sich die Partei mit einem jungen Schlaukopf neu aufstellen. Sein Abitur hat er mit einem Notenschnitt von 1,0 abgelegt, anschließend Jura studiert und in Tübingen seinen Doktor gemacht. Sein Vorbild ist Altkanzler Helmut Schmidt (SPD).

Er sollte der Gegenentwurf zum Amtsinhaber sein: Hier der bullige Machtmensch Mappus, dort der sanfte Schlaks mit scharfem Verstand. Zumeist im schwarzen Anzug mit roter Krawatte hat er sich seit 1997 im Landtag zum finanzpolitischen Sprecher und Fraktionsvize empor gearbeitet. Der Pragmatiker unterstützte auch die Reform-«Agenda 2010» von SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

Je näher der Wahltag rückte, desto mehr bekam Schmid Oberwasser. Immer mehr schoss er sich auf Mappus ein, dem er vorwarf, das Land als sein Eigentum zu betrachten. «Lügner» nannte er ihn in der Debatte um den Wiedereinstieg des Landes bei EnBW. Nun könnte der SPD-Landeschef unter dem ersten Grünen-Ministerpräsidenten Finanzminister werden.

Wahlen / Baden-Württemberg / Rheinland-Pfalz
27.03.2011 · 23:05 Uhr
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