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Porträt: Rösler - Junger Sanfter in den Startlöchern

Gesundheitsminister Philipp Rösler wird Nachfolger von Guido Westerwelle als Parteichef.Großansicht

Berlin (dpa) - Seinen Witz und seine Eloquenz hat Philipp Rösler im Haifischbecken Gesundheitspolitik nicht verloren. Als Gesundheitsminister hat er mehr erreicht als viele erwarteten.

Jetzt bekommt der 38-Jährige möglicherweise die Riesenaufgabe, als Nachfolger von Guido Westerwelle die FDP wieder aufzurichten. Noch Anfang März konterte Rösler Fragen nach seiner Rolle als Mitfavorit für den Vorsitz mit dem Hinweis auf seine Beliebtheitswerte, die ebenso mau seien wie die von FDP-Chef Guido Westerwelle: «Es gibt nur eine Umfrage, da stehe ich an vorletzter Stelle, aber nur, weil mein Chef an letzter Stelle steht.» Doch zuletzt sind Röslers Werte gestiegen.

Seine freundlich-fröhliche Art darf man nicht mit Unbedarftheit verwechseln. Im Ministeramt profilierte Rösler sich als Pragmatiker. Im eher planwirtschaftlichen Gesundheitswesen Marktwirtschaft einziehen zu lassen, sei «nicht so einfach». Er hat sich mit der Pharmalobby angelegt, verantwortet höhere Beiträge, aber auch den Einstieg ins Prämienmodell à la FDP über Zusatzbeiträge bei den Krankenkassen.

Rösler - obwohl bis zuletzt loyal zu Westerwelle - würde der FDP eine inhaltliche Neuausrichtung verordnen. «Viele Liberale haben geradezu Angst, das Wort Solidarität in den Mund zu nehmen», schrieb er bereits 2008 in einem Thesenpapier mit dem Titel «Was uns fehlt». Indirekt schwang Abgrenzung von Westerwelles Polarisierungen mit. «Auch dieses Mal wieder haben wir die Menschen nach der Bundestagswahl dramatisch enttäuscht», sagte er jüngst vor den Jungliberalen.

Als Westerwelle ihn 2009 zum Bundesminister machte, zögerte Rösler. Wie wenig andere Spitzenpolitiker lässt er Einblicke zu in sein Leben, das zwischen dem reinen Arbeitssitz Berlin und dem Lebensschwerpunkt Hannover geteilt ist. Dort leben seine Frau Wiebke und seine Zwillinge. Mit selbstironischen Bemerkungen über seine Ministerrolle fällt er auf - manchmal wie beim bayerischen Gillamoos-Volksfest tritt er auf wie ein Kabarettist. Früh kündigte er an: «Mit 45 Jahren ist Schluss.» Bislang nahm er es nicht zurück.

In die FDP trat Rösler 1992 ein, 2003 zog er in den niedersächsischen Landtag ein, er wurde Fraktions-, dann Landeschef, 2009 Wirtschaftsminister. Als Präsidiumsmitglied seit 2005 ist Rösler mitverantwortlich für den FDP-Kurs. Zugleich interessiert sich der Katholik für die ethische Dimension der Politik. Geboren in Vietnam wurde er als Flüchtlingskind adoptiert. Nach Trennung der Eltern blieb Rösler bei seinem Vater, einem Bundeswehroffizier. Promoviert hat der Arzt 2002 in Herz-Thorax-Gefäßchirurgie. Nach dem Abi 1992 war Rösler in die Bundeswehr gegangen, als Stabsarzt verließ er sie.

Parteien / FDP
05.04.2011 · 06:42 Uhr
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