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Porträt: Reizfigur und Harmoniemensch

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Hamburg (dpa) - Reizfigur auf der Strecke, Harmoniemensch im Privaten. Kompromisslos, besessen, perfektionistisch. Verlässlich, großzügig, entspannt. Die Liste der Attribute für Michael Schumacher ist ähnlich lang wie die seiner Erfolge.

Vor den Kameras wirkt der bald 41-Jährige cool, fast schon unnahbar. «Ich bin kein Mensch, der gerne Emotionen zeigt, außer bei denen, die mich gut kennen», sagte der Kerpener einst über sich selbst. Ansonsten kontrolliere ich mich, so gut es geht, was den Leuten vielleicht nicht das richtige Bild davon gibt, wer ich bin.»

Nein, wiederkommen wollte er nicht, eigentlich nicht. Seit seinem Rücktritt Ende 2006 betonte das Schumacher wieder und wieder. Wie sehr ihr einstiger Herrscher der Formel 1 aber auch gefehlt hat, zeigte der Hype, den sein angekündigtes Sensations-Comeback im Ferrari im Sommer bereits ausgelöst hatte. Nicht minder groß war die Enttäuschung. Nicht nur bei Schumacher selbst, als er wegen einer Schädelbasisverletzung von seinem Motorradunfall am 11. Februar passen musste. Italien weinte, die PS-Fans waren traurig. Italien wird nun trotzig sein, die PS-Fans, so sie Schumacher mögen, auf Wolke Sieben schweben. Schumacher kehrt laut «Bild.de» auf die Piste zurück, am Steuer eines Mercedes. Ende der 90er Jahre war ein Wechsel zu McLaren-Mercedes gescheitert, Grund war dem Vernehmen nach der damalige Teamchef Ron Dennis.

Schumacher ist ein Ausnahmesportler. 250 Rennen, 91 Siege, sieben WM-Titel, Rekorde en masse. Der Kerpener, der mit seinen beiden Kindern und Gattin Corinna am Genfer See lebt, hat Maßstäbe gesetzt. Er ist Perfektionist. Wer ihn zuletzt im T-Shirt oder Hemd sah, wusste, dass der Träger topfit ist. Bereit, es den Jungen nochmal zu zeigen. Was Schumacher angefangen hat, muss er zu Ende zu bringen. Das gescheiterte Comeback hatte ihn möglicherweise tiefer getroffen als bekannt. «Ich befinde mich in der vielleicht schwierigsten Phase meiner Karriere», hatte Schumacher bei seiner Absage an Ferrari im August gesagt.

In seiner Karriere wurde er stets mehr bewundert als geliebt. Er war nie ein Weltmeister der Herzen wie der tödlich verunglückte Brasilianer Ayrton Senna. Seine Dominanz mit sieben WM-Titeln und beinahe allen wichtigen Rekorden schaffte Distanz. Das reservierte Auftreten des Multi-Millionärs in der Öffentlichkeit verstärkte den Eindruck des «Renn-Robotors». Er war misstrauisch im Umgang mit den Journalisten, vermutete - bedingt durch zahlreiche negative Erfahrungen - hinter Fragen oft eine Falle. Manche seiner Antworten waren und sind auch deshalb nichtssagend.

Dabei ist der auch karitativ engagierte Schumacher ein Harmoniemensch - beruflich wie privat. Familie und Freunde gehen ihm über alles. «Ich bin ein normaler Vater, spiele mit meinen Kindern und mache, worauf sie Lust haben», beschrieb er sich einmal. Homestorys und Bilder mit seiner Familie sind allerdings tabu.

Erst mit seinem Rücktritt schien Schumacher auch in die Herzen der Menschen zu gelangen, obwohl er auch in den vergangenen drei Jahren nur selten Interviews gab. Für Schlagzeilen sorgte Schumacher mit dem Bau eines schlossähnlichen Hauses und seinen nicht immer geglückten Auftritten bei Motorradrennen. Galas und sonstige VIP-Ansammlungen waren seine Sache nie.

Den Erfolg und den Reichtum hat sich der «Jahrhundert-Fahrer» hart erarbeitet. In Kerpen betrieben sein Vater Rolf und seine 2003 gestorbene Mutter Elisabeth eine Kartbahn, auf der er als vierjähriger Knirps den Grundstein für seine Karriere legte. Der gelernte Kfz-Mechaniker hat bei allem überragenden Talent nie aufgehört, an sich zu arbeiten. «Ich kennen keinen Fahrer, der körperlich und geistig so fit ist», sagte Ferrari-Präsident Chef Luca di Montezemolo über seinen erfolgreichsten Angestellten.

Motorsport / Formel 1 / Schumacher
23.12.2009 · 08:52 Uhr
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