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Porträt: Philipp Rösler - Ein untypischer Liberaler

Gesundheitsminister Philipp Rösler wird Nachfolger von Guido Westerwelle als Parteichef.Großansicht

Berlin (dpa) - Wenn er auf Parteitagen redet, wird es regelmäßig mucksmäuschenstill in den Reihen der Delegierten. Unprätentiös, überzeugend und absolut uneitel - Philipp Rösler ist für viele in der FDP die Inkarnation der Glaubwürdigkeit.

Vor allem diese Eigenschaft katapultiert den 38-Jährigen jetzt auf den Chefsessel der FDP. Als zur Jahreswende die Krise der Partei unter Guido Westerwelle ihren ersten Höhepunkt erreichte, richteten sich bereits alle Augen auf den Gesundheitsminister. Damals zögerte er noch. Der dramatische Niedergang der Partei in den vergangenen Monaten hat ihn überzeugt: Jetzt will auch er springen.

Rösler steht in der FDP für eine Öffnung zu sozialen Themen. «Ich bin nicht wegen der Steuersenkung in die FDP eingetreten», ist einer seiner Standard-Sprüche. «Solidarität ist auch eine liberale Kategorie», ergänzt er gerne. Eigentlich sei er doch ein verkappter Sozialdemokrat, sagen seine Kritiker gelegentlich.

Solche Anwürfe steckt Rösler locker weg. Der Arzt aus Niedersachsen ist meist freundlich, fröhlich und schlagfertig. Er mag McDonald`s und Lakritze. Und wenn es zur Belustigung der Anwesenden beiträgt, tritt er auch mal als Bauchredner auf. Den Knochenjob als Gesundheitsminister hat das Mitglied im Zentralkomitee der Katholiken 2009 nur auf Druck Westerwelles übernommen.

Die FDP wollte damals neben dem Außenministerium ein weiteres strategisch wichtiges Ressort haben - möglichst das Finanzministerium. Das wollte Angela Merkel aber der Union sichern. Das Gesundheitsministerium blieb übrig.

In dieser Position hat Rösler dann mehr erreicht, als viele erwarteten. Sein wichtigstes Gesetz, die Gesundheitsreform, trug ihm mit deutlicher Beitragserhöhung auch Ärger in der Partei ein, die sich bis dahin «Mehr Netto vom Brutto» auf die Fahnen geschrieben hatte. Mit diesem Westerwelle-Motto konnte sich Rösler sowieso nie so richtig anfreunden.

Schon vor der Bundestagswahl 2009 verlangte er ein neues Parteiprogramm, um die FDP breiter aufzustellen. Westerwelle und der damalige Generalsekretär Dirk Niebel bremsten ihn aus. Vor dem Dreikönigstreffen in diesem Jahr forderten Rösler, Christian Lindner und Daniel Bahr in einem gemeinsamen «Neujahrsappell» die Partei zur Erneuerung auf. Das war inhaltlich der Anfang vom Ende der Ära Westerwelle.

Illoyal gegenüber seinem Förderer und Parteichef war Rösler dabei nie. Zuletzt im Parteipräsidium am Montag warnte er vor einem schäbigen Umgang mit der früheren Wahlkampf-Lokomotive der Partei: «Wir müssen zeigen, dass es in der Politik auch Dankbarkeit geben kann.» Genau dieses «nahe bei den Menschen» hat letztlich den Ausschlag dafür gegeben, dass Rösler von vielen als der geeignetere Westerwelle-Nachfolger gesehen wird als der intellektuell messerscharfe und unabhängigere Lindner.

Geboren in Vietnam wurde Rösler als Flüchtlingskind von einem deutschen Ehepaar adoptiert. Nach Trennung der Eltern blieb er bei seinem Vater, einem Bundeswehroffizier und SPD-Mitglied. Nach dem Abi 1992 war Rösler in die Bundeswehr eingetreten, als Stabsarzt verließ er sie.

2002 heiratete er seine Frau Wiebke. Seine Zwillinge in Hannover vermisst er. Rösler plaudert oft von ihnen. Das Familienleben wird er nun mit der Doppelbelastung als Minister und Parteichef noch stärker als bisher gut organisieren müssen.

Bis vor kurzem ging er noch spielerisch mit dem Gedanken um, einmal Westerwelle zu beerben: «Es gibt nur eine Umfrage, da stehe ich an vorletzter Stelle, aber nur, weil mein Chef an letzter Stelle steht.»

Das ungeliebte Amt des Gesundheitsministers ist bislang kein Sprungbrett für hohe Sympathiewerte. Das muss sich jetzt für die FDP, die seit Monaten am politischen Existenzminimum klebt, ändern. Sonst bekommt auch Rösler in Problem. Er muss nicht nur die FDP wieder aus der Krise führen, sondern auch mit den Schwergewichten der Union, mit der CDU-Chefin Merkel und dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer, den Kurs der Koalition bestimmen.

Eine Exit-Strategie hat der smarte Jungpolitiker bereits. Früh kündigte er an: «Mit 45 Jahren ist mit der Politik Schluss.» Wenn er dabei bliebt, wäre er bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode 2017 im Amt. Dann wäre sein politischer Busenfreund Lindner (32), gerade mal so alt wie Rösler heute.

Parteien / FDP
05.04.2011 · 21:31 Uhr
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