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Porträt: Neuer EZB-Vize kommt aus Portugal

Vítor ConstâncioGroßansicht
Brüssel/Lissabon (dpa) - Der neue Vizechef der Europäischen Zentralbank (EZB), Vítor Constâncio, wird von den Notenbankchefs anderer Länder als hervorragender Ökonom und Analyst geschätzt. In seiner Heimat Portugal gilt der 66 Jahre alte Sozialist allerdings nicht gerade als Prophet.

Nach Meinung vieler Beobachter hat Constâncio an der Spitze der portugiesischen Notenbank in den vergangenen Jahren schwere Fehler gemacht. Einer der Vorwürfe lautet, er habe bei verschiedenen Bankenskandalen nicht richtig aufgepasst.

Auf seinem neuen Posten will sich Constâncio für mehr Regulierung einsetzen. «Die Finanzkrise ist sehr ernst gewesen. Deshalb glaube ich nicht, dass man übertreiben kann, wenn man regulierende Maßnahmen ins Auge fasst», sagte er unlängst im Europaparlament.

Der Diplom-Volkswirt wurde am Freitag in Brüssel von den EU-Staats- und Regierungschefs zum Nachfolger des Griechen Lucas Papademos ernannt, der turnusmäßig Ende Mai ausscheiden wird.

Selbst Kritiker gestehen Constâncio eine reiche Berufserfahrung zu. Er stand zwischen 1985 und 1986 erstmals an der Spitze der «Banco Central de Portugal». Nach Tätigkeiten in der Politik und in der freien Wirtschaft kehrte er im Jahr 2000 zur Notenbank zurück, der er seit 2004 auch wieder vorsteht.

Mit der Wahl Constâncios steigen die Chancen für Bundesbankpräsident Axel Weber auf den Posten des EZB-Präsidenten, meinen Beobachter. Einem Proporz folgend - der aber nirgendwo festgeschrieben ist - wäre bei der Nachfolge von Präsident Jean-Claude Trichet der Weg frei einen Bewerber aus dem Norden Europas. Die Deutschen machen sich Hoffnung, dass deshalb Weber zum Zuge kommen könnte. Ein ernsthafter Widersache für Weber ist Italiens Notenbankchef Mario Draghi. Die Amtszeit Trichets läuft noch bis Oktober 2011.

EU / Gipfel / Personalien
26.03.2010 · 15:36 Uhr
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