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Porträt: Mysterium Seehofer

Horst SeehoferGroßansicht
Nürnberg (dpa) - Horst Seehofer ist vielen seiner Parteifreunde ein Rätsel. Der CSU-Chef vereint so viele Eigenschaften in einer Person, dass nur eines sicher ist: Sicher vor Überraschungen ist man nie.

«Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?», empfahl SPD-Fraktionschef Franz Maget dem bayerischen Ministerpräsidenten als Sommerlektüre. Auch viele CSU-ler lachten. Seehofer übernahm den Parteivorsitz im Oktober 2008 nach dem CSU-Debakel bei der Landtagswahl. In den vergangenen Monaten hat er der traumatisierten Partei wieder Optimismus und Selbstvertrauen eingeimpft. Dennoch erhielt er am Samstag in Nürnberg bei seiner Wiederwahl als Parteichef mit 88,1 Prozent einen Dämpfer. 2008 hatte ihn die Delegierten mit 90,3 Prozent zum CSU-Vorsitzenden gekürt.

Die CSU steht heute besser da, als die meisten Christsozialen zu hoffen wagten. Eine von Seehofers Lieblingsübungen: Das stete Tauziehen mit der CDU und Kanzlerin Angela Merkel. Gleichzeitig sorgt Seehofer für beständige Unruhe in der Partei - wahrscheinlich beabsichtigt. Der 60 Jahre alte Ingolstädter erklärte auch schon die «tägliche Revolution» zum Arbeitsprinzip. Vor zwei Jahren scheiterte er beim ersten Anlauf, nach dem Sturz Edmund Stoibers die Macht in der CSU zu übernehmen. 2007 hatte Seehofer fast die gesamte Führungsriege der CSU gegen sich. Die Kritik: er sei unberechenbar, ein Chamäleon und Luftikus. Der Luftikus wurde zum Löwen. In Berlin verschaffte er der CSU sofort wieder größere Geltung. Heute applaudieren ihm auch die, die ihn damals nicht wollten.

Viele in der CSU sind heilfroh, dass Seehofer die Partei wieder auf Kurs gebracht hat. Er genießt heute allgemeine Achtung - doch in die Achtung mischt sich Furcht. Im Laufe seiner wenigen Monate als CSU-Chef und Ministerpräsident hat Seehofer gleich mehrere CSU-Spitzenpolitiker verwundet, verletzt und rüde kritisiert. «Er zeigt Nerven», sagt ein CSU-Vorständler. Derzeit ist Seehofer vollkommen unangefochten. Doch sollte er eines Tages Schwäche zeigen, muss er mit Rache rechnen. «Die Untoten kehren immer zurück», prophezeit ein Politiker des Münchner Koalitionspartners FDP.

Parteien / CSU / Parteitag
18.07.2009 · 21:49 Uhr
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