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Porträt: Merkel-Vertrauter Uwe Corsepius

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Berlin (dpa) - Er ist Angela Merkels «Mister Europa» im Kanzleramt. Bald wird Uwe Corsepius «Strippenzieher» - auch der deutschen Bundeskanzlerin - im Herzen der Europäischen Union (EU) in Brüssel sein. Im Sommer 2011 soll er nächster Generalsekretär des EU-Ministerrats werden.

Immer wieder ist den Deutschen vorgehalten worden, keine Spitzenleute nach Brüssel zu entsenden. Zuletzt hatte die Benennung des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU) für einen Posten in der EU-Kommission Naserümpfen ausgelöst. Er sei in der EU ein Unbekannter, wurde beklagt. Für die neuen politischen Topjobs in der EU hatte die Kanzlerin gar nicht erst nach deutschen Bewerbern gesucht.

Mit Corsepius will Merkel nun zumindest einen ihrer Top-Beamten und Vertrauten in Brüssel platzieren. Der 49-Jährige ist mit den Regierungszentralen der EU-Länder bestens vernetzt. Als Europaberater hat er im Auftrag seiner Chefin nahezu alle heiklen EU-Themen der vergangenen Jahre mitverhandelt. Mit der Kandidatur ihres engsten europapolitischen Mitarbeiters für den Posten des Generalsekretärs der EU-Ministerrats setzt Merkel nach langer Zeit auch ein Signal, dass Deutschland in Brüssel auch personell wieder mehr Flagge zeigen will.

«Ich gehöre zu den Menschen, die wissen, dass Persönlichkeiten auch in Aufgaben hineinwachsen können»: Dieser Satz von Angela Merkel am Donnerstagabend in Brüssel war zwar auf die noch etwas blassen neuen Spitzenvertreter der EU - den Belgier Herman Van Rompuy und die Britin Catherine Ashton - gemünzt. Doch er könnte auch gut zum Werdegang von Corsepius passen.

Der Beamte arbeitete schon in den 90er Jahren unter Helmut Kohl im Kanzleramt. Nach einer Zeit beim Internationalen Währungsfonds kehrte der gebürtige Berliner wieder in die deutsche Regierungszentrale zurück. Unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) stieg Corsepius als EU- Wirtschaftsexperte weiter auf. Die erste Bewährungsprobe unter Merkel kam Ende 2005 mit der finanziellen EU-Vorausschau - der erste Erfolg der Kanzlerin auf europäischem Parkett. Sie machte Corsepius zum Chef ihrer Europaabteilung.

Er sei «kein Visionär», sagt er über sich selbst. Sein oberstes Ziel sei es vielmehr, die Kanzlerin so zu beraten, dass auch aus noch so verfahrenen Situationen ein Erfolg wird. Dass Merkel einen guten Stand in der EU hat, ist auch sein Verdienst. Seinen Meisterbrief bei Merkel erarbeitete sich der promovierte Ökonom mit der deutschen EU- Ratspräsidentschaft 2007.

Corsepius galt als «Vater der Berliner Erklärung» der EU-Chefs, mit der Merkel die wesentlichen Inhalte der europäischen Verfassung rettete. Sie war zuvor bei Volksbefragungen in Frankreich und den Niederlanden durchgefallen. Der Reform-Vertrag von Lissabon, der jetzt nach jahrelangen Geburtswehen in Kraft tritt, war die Folge.

So ist es nun auch folgerichtig, dass Corsepius - mit den neuen EU-Regeln ausgestattet - in etwa eineinhalb Jahren an eine Schaltstelle der Brüsseler Machtzentrale wechselt. Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat bereits seine Zustimmung gegeben. Frankreich werde jeden deutschen Vorschlag für den Nachfolger des bisherigen Amtsinhabers, des Franzosen Pierre de Boissieu, unterstützen, gab Sarkozy beim EU-Sondergipfel schon vorsorglich grünes Licht für den Karrieresprung des Merkel-Vertrauten nach Brüssel.

EU / Gipfel
20.11.2009 · 13:06 Uhr
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