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Porträt: Megastar in Glanz und Elend

Michael Jackson gilt unbestritten als einer der größten Pop-Stars aller Zeiten. (Archivbild vom August 1997)Großansicht
Los Angeles (dpa) - Für seine Fans ist er unsterblich. Michael Jackson, einer der größten Popstars aller Zeiten, hat sich mit seinen Superhits und den legendären Bühnenauftritten auf immer in den Himmel der Popmusik getanzt.

Mit schätzungsweise 750 Millionen verkauften Platten und 13 Grammys wurde er zum Idol ganzer Generationen. Doch die amerikanische Bilderbuchgeschichte vom singenden Wunderknaben zum Megastar hat ein tragisches Ende: Als Kinderschänder gescholten, hoch verschuldet und körperlich ein Wrack, starb der «King of Pop» am Donnerstag an Herzversagen. Er wurde gerade mal 50 Jahre alt.

Wie bei den Beatles und bei Elvis Presley ist der Einfluss Jacksons auf die Musikwelt kaum zu ermessen. Unbestritten war er jedoch zu den Hoch-Zeiten seiner Karriere der erfolgreichste Sänger der Welt. Sein Album «Thriller» verkaufte sich nach Angaben seines Managements mehr als 100 Millionen Mal. Nach Schätzungen von Sony und der Recording Industry Association of America (RIAA) ist das Album jedoch nur etwa 55 Millionen Mal über den Ladentisch gegangen, schreibt das Guinness Buch der Rekorde 2009. Mit seinen Glitzerkostümen, einem beispiellosen Showtalent und dem legendären «Moonwalk» stellte er in den 80er Jahren die Pop-Welt auf den Kopf und brachte die Fans - vor allem die weiblichen - zum Rasen.

Als siebtes von neun Kindern 1958 im Schwarzen-Ghetto von Gary (US-Bundesstaat Indiana) geboren, stand Jackson schon mit fünf Jahren auf der Bühne. Als Mitglied der Familienband «Jackson Five» wurde das Ausnahmetalent schnell berühmter als alle anderen Geschwister zusammen. Nach dem ersten gemeinsamen Hit «I Want You Back» 1969 folgte schon zwei Jahre später mit «Got To Be There» das erste Solo-Album. Der Höhenflug war unaufhaltsam. Superhits wie «Thriller», «Off the Wall», «Billie Jean» und «Bad» stürmten über Jahre hinweg die Charts. Seine Videos schrieben Geschichte.

Tommy Mottola, der frühere Präsident von Sony Music, das 16 Jahre lang Jacksons Alben veröffentlichte, würdigte den Star: «Seine Musik hat Rassen und Generationen miteinander verbunden und das Videozeitalter definiert. Nichts vor ihm und nichts nach ihm wird je so groß sein wie er.»

Der Preis für den Ruhm: Jackson durfte nach eigenem Bekunden nie richtig Kind sein. Sein Vater, ein schwarzer Kranführer, prügelte den Jungen buchstäblich zur Karriere. «Wir hatten große Angst vor ihm», gestand der Star einmal. «Mein Vater hat mir nie gesagt, dass er mich liebt.» Mit seiner Begabung, dem angestachelten Ehrgeiz und knallhartem kaufmännischen Kalkül gelang Jackson schließlich eine Karriere, von der wohl selbst der Vater nie zu träumen gewagt hätte.

Doch so hoch der Aufstieg, so tief der Fall: In den 90er Jahren sorgte Jackson immer weniger mit seiner Musik und immer mehr mit seinem bizarren Verhalten für Schlagzeilen. Vor allem schwarze Fans warfen ihm vor, durch ständige «Schönheitsoperationen» seine Herkunft als Afro-Amerikaner zu verleugnen. In einem Gespräch mit Talkmasterin Oprah Winfrey versicherte er jedoch, seine zunehmend helle Hautfarbe sei durch eine pigmentzerstörende Krankheit bedingt.

Zuletzt war sein Gesicht mit der verunstalteten Stupsnase zu einer kalkweißen Maske erstarrt, er wog weniger als 50 Kilo. Es war ein jämmerliches Bild, als er im vergangenen Jahr in Begleitung seiner drei Kinder mit Gesichtsschutz, in Pantoffeln und Schlafanzughose in einem Rollstuhl in Las Vegas abgelichtet wurde.

Auch über die Ehen des «King of Pop» wurde viel spekuliert. 1994 heiratete er Lisa Marie Presley, die Tochter des legendären «King of Rock'n'Roll». Keine zwei Jahre später ging die Beziehung in die Brüche. Ehefrau Nummer zwei wurde für eineinhalb Jahre seine langjährige, von ihm schwangere Krankenschwester Deborah Rowe. Gerüchte machten die Runde, sie sei gegen Geld Leihmutter für zwei von Jacksons Kindern gewesen. Die Mutter des dritten Kindes ist nicht bekannt.

Zum absoluten Tiefpunkt kam es 2003, als der Megastar nach ersten Missbrauchsvorwürfen zehn Jahre zuvor wegen angeblicher Verführung eines Minderjährigen angeklagt wurde. Ein junger krebskranker Mann gab an, von Jackson auf dessen Neverland Ranch sexuell missbraucht worden zu sein. Nach einem aufsehenerregenden «Jahrhundertprozess» wurde der Sänger zwar freigesprochen - von dem Schlag hat er sich jedoch nie mehr richtig erholt.

Hinzu kamen finanzielle Sorgen. Sein sagenhaftes Vermögen von angeblich 750 Millionen Dollar soll der verspielte Superstar durch seinen aufwändigen Lebensstil weitgehend durchgebracht haben. Medienberichten zufolge hatte er Schulden in Millionenhöhe. Im vergangenen Jahr wurde seine einst so geliebte Neverland Ranch nur in letzter Minute vor einer Zwangsversteigerung gerettet. Das Leben nach dem Vorbild der Märchenfigur Peter Pan war dort schon vor Jahren zu Ende gegangen - Jackson hatte seinen Hofstaat nicht mehr zahlen können.

Für den Juli plante der traurige Star ein großes Comeback: In London sollte ein Konzertreihe starten und «Jacko» wieder groß herausbringen. Doch viele Freunde und Experten zweifelten, ob der gebrochene Mann noch einmal die Kraft für einen Neuanfang aufbringen würde. Er selbst sagte bei der Ankündigung im März wie in dunkler Vorahnung: «Das werden meine letzten Shows sein. Das wird es sein. Wenn ich sage, das ist es, dann meine ich wirklich, das ist es.» Auch dazu sollte es nun nicht mehr kommen.

Musik / USA
27.06.2009 · 09:23 Uhr
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