News
 

Porträt: Managerin Doris Fitschen

Die Managerin der Nationalmannschaft, Doris FitschenGroßansicht

Berlin (dpa) - Ihr Terminkalender ist randvoll. «Über Mangel an Arbeit kann ich mich nun wirklich nicht beklagen. Es gibt unheimlich viel zu tun», sagt die frühere Nationalspielerin Doris Fitschen, die seit August 2009 als Managerin der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft vielfältige Aufgaben bewältigen muss.

Als Bindeglied zwischen den WM-Organisatoren, Bundestrainerin Silvia Neid, den Spielerinnen und den Medien koordiniert die 42-Jährige zahlreiche Veranstaltungen und Sitzungen. «Wir treffen uns dann mit allen Betreuern, um die Abläufe zu besprechen. Diese Meetings leite ich.»

Nicht nur unmittelbar vor der Heim-Weltmeisterschaft tauschte sie sich mit ihrem Amtskollegen der Männer-Nationalelf aus. «Ich kenne Oliver Bierhoff ja schon seit vielen Jahren, auch aus meiner Zeit in der DFB-Marketing-Abteilung», erklärte Fitschen, «und natürlich haben wir uns vor der WM das eine oder andere Mal getroffen». Dabei bekam sie von ihrem Kollegen wertvolle Tipps. «Es wäre ja fahrlässig, seine Erfahrungen nicht zu nutzen. Schließlich hat er 2006 bei der WM selbst ein großes Turnier in dieser Position erlebt.»

Fast zehn Jahre lang spielte Fitschen an der Seite der heutigen Bundestrainerin Neid in der Nationalelf. Auf 144 Länderspiele und 16 Tore brachte es die Defensiv-Allrounderin, die wegen ihrer eleganten Spielweise anfänglich auf der Libero-Position mit dem «Kaiser» verglichen wurde und als «weiblicher Beckenbauer» galt.

Mit dem Gewinn ihres vierten EM-Titels 2001 in Deutschland beendete die im niedersächsischen Zeven geborene Fitschen ihre aktive Karriere und kam beim Deutschen Fußball-Bunds (DFB) unter. Bis zu ihrer Berufung ins deutsche WM-Organisationskomitee war die gelernte Industriekauffrau in der Marketing-Abteilung tätig und fungierte einige Jahre auch als Frauenfußball-Expertin der ARD. Ihre Feuertaufe als Teammanagerin erlebte Fitschen bei der EM 2009 in Finnland.

Doch die Heim-WM hat eine ganz andere Dimension, auch wegen des unvergleichlichen Medienrummels. «Es gibt eine Menge zu tun, und bei mir laufen die Fäden zusammen. Aber der Job macht mir unheimlich viel Spaß», erklärte Fitschen, die in einem Team von insgesamt 34 Personen arbeitet. Einst hielt sie als «Libero» ihrer Mitspielerin Neid auf dem Platz den Rücken frei, nun nimmt sie der Cheftrainerin als «Backup» lästige Pflichten und organisatorische Dinge ab. «Ich kenne Silvia ja schon seit fast 25 Jahren und weiß, wie sie tickt», betonte Fitschen. «Das ist ein großer Vorteil bei meiner Arbeit.»

Die zuweilen etwas kühl und distanziert wirkende Blondine ist ein guter Gegenpol zur impulsiven Neid. «Bierhoff hat seine Erfahrungen gemacht, wenn ein Trainer bei einer Weltmeisterschaft sehr unter Druck gerät, dass man da immer sehr beruhigend auf ihn einwirken muss. Das ist bei der Silvia manchmal auch so», erklärte Fitschen. Neben der Trainerin könnten auch die Spielerinnen - wenn nötig - bei ihr «Dampf ablassen». Neid schätzt ihre Kollegin: «Mit ihrer Erfahrung als Spielerin und in der Marketing-Abteilung bringt sie wertvolle Impulse in unsere Arbeit ein», lobte sie.

«Gerade bei einer WM oder EM gibt es extreme Stimmungsschwankungen. Wenn die Spannung steigt, tendieren Trainer häufig dazu, manches sehr kritisch zu sehen und auch mal zu meckern», sagte Bierhoff im Interview mit der «Welt» (Donnerstag). «Da musst du versuchen, mögliche Konflikte im Keim zu ersticken und alle Interessen in die richtigen Bahnen zu lenken.» Fitschen hofft, dass ihr das bei dieser Frauen-WM immer gelingt.

Fußball / WM / Frauen / Deutschland
26.06.2011 · 12:07 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen