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Porträt: Macher Theissen gescheitert

Mario TheissenGroßansicht
München/Hamburg (dpa) - Teamchef wollte sich Mario Theissen nie nennen, doch sein Name stand wie kein anderer für das ehrgeizige Formel-1-Projekt von BMW.

Er plante den Aufstieg des Teams. Nun muss er mitten in der schwächsten Saison des Rennstalls, die Bekanntgabe des Ausstiegs zum Jahresende verkraften. «Natürlich hätten wir alle, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Hinwil wie in München, dieses ambitionierte Projekt gerne weiter geführt und gezeigt, dass die aktuelle Saison nach drei erfolgreichen Jahren ein Ausrutscher war», erklärte Theissen am Mittwoch bei der Pressekonferenz. «Aber aus Sicht des Unternehmens kann ich diese Entscheidung nachvollziehen.»

Theissen ist Macher, Planer, Perfektionist. Stets korrekt gekleidet, immer höflich. Er steht Rede und Antwort auch in schwierigen Zeiten. Längst ist er der einflussreichste Deutsche in der Formel 1. Sein Wort wird von den Verantwortlichen der anderen Rennställe, von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone und von Dachverbandschef Max Mosley gehört.

Theissen verantwortet einen Etat von geschätzten 200 bis 300 Millionen Euro. «Mit der Verantwortung kann man dann umgehen, wenn man eine klare Vorstellung hat, wo man hin will. Und wenn man die Rahmenbedingungen bekommt, das umzusetzen», sagte Theissen einst.

Er bekam sie - vier Jahre lang. Theissen baute ein Team auf, das drei Jahre lang einen rasanten Aufstieg erlebte. 2007 wurde sogar der Vize-Titel in der Konstrukteurswertung gefeiert. Theissen betonte dabei aber stets, dass dieser nur bedingt durch die Disqualifikation von McLaren-Mercedes zustande gekommen sei.

Theissen ist keiner, der sich öffentlich feiern lässt. Emotionale Ausbrüche sind eher selten. «Rennerfolg ist zu 10 Prozent Inspiration und zu 90 Prozent Transpiration», ist die Devise Theissens, der seit 1999 BMW-Motorsportdirektor ist.

Autos faszinieren den gebürtigen Monschauer seit seiner Kindheit. «Der Witz war aber, dass mein Vater gar kein Auto hatte», erinnert sich der Diplom-Ingenieur und Honorar-Professor. Also schnappte sich Theissen, damals 13 Jahre alt, 100 Mark und kaufte einen Fiat 500. Zu groß war der Reiz, an dem ersten Familiengefährt, das Theissen als kleiner Junge auf dem eigenen Grundstück chauffierte, auch seinen Hang zur Tüftelei auszuleben.

Kurzerhand baute er die Türen aus, was ihm später prompt vor einem Unheil rettete. «Ich war im Gipskorsett und konnte mich nicht richtig bewegen. Da hat mein Vater, der nicht den rechten Zugang zur Technik hatte, die Bremsen entlüftet. Dabei hat er aber mehr Luft als Bremsflüssigkeit reingepackt, und ich habe bei der ersten Ausfahrt ins Leere getreten», erzählt Theissen. Mit einem beherzten Sprung aus dem Auto habe er sich vor dem Aufprall schützen können. Die Vollbremsung der BMW Group konnte Theissen nicht verhindern.

Motorsport / Formel 1 / BMW-Sauber
29.07.2009 · 11:35 Uhr
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