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Porträt: Koch der Baumeister

Roland Koch leitet die letzte Kabinettssitzung als Hessens Ministerpräsident im August 2010.Großansicht

Mannheim/Wiesbaden (dpa) - Roland Koch hat schon als Politiker oft wie ein Manager agiert. Nun wechselt er als Chef zum Baukonzern Bilfinger Berger. Er verdient dort mehr, dafür fehlt die große politische Bühne.

Das ganz hohe Amt blieb Roland Koch in der Politik versagt - jetzt will er in der Wirtschaft an vorderster Stelle die Geschicke bestimmen. Er war zwölf Jahre CDU-Vorsitzender in Hessen und elf Jahre Ministerpräsident, nur Bundesminister oder gar Kanzler ist er nie geworden. Nun wechselt der 52-jährige Vollblutpolitiker zu Deutschlands zweitgrößtem Baukonzern Bilfinger Berger, wo er im Juli 2011 Vorstandschef wird.

Die Wirtschaft hat ihn immer gereizt. Schon zu Regierungszeiten hat Koch sich weniger als Landesvater denn als Vorstandsvorsitzender der «Hessen-AG» gegeben. Er sprach von seinem zeitlich begrenzten Arbeitsvertrag mit den hessischen Bürgern. Wie ein Unternehmen sollte das Bundesland wachsen, leistungsfähiger und moderner werden - so verkaufte er seine Politik.

Seit 1999 war er Regierungschef, bis er im Mai dieses Jahres überraschend seinen Rückzug ankündigte. «Politik ist nicht mein Leben», sagte er und schied am 31. August aus dem Amt. Zwei Fast- Niederlagen in den Landtagswahlen 2008 und 2009 beförderten den Berufswechsel.

Wirtschaft macht Koch auch Spaß - das war oft zu beobachten. Er warb auf Auslandsreisen stolz für erfinderische Unternehmen aus Hessen. 2009 steckte er viel Energie in die Verhandlungen zur Rettung des angeschlagenen Autobauers Opel. Bis hin zu Finanzierung, Produktpalette und technischen Neuerungen produzierte er Ideen, wie eine europäische Opel-AG hätte funktionieren können.

Dass sein Koalitionspartner FDP diesen Eingriffsversuch der Politik in ein Unternehmen skeptisch sah, focht ihn nicht an. Der US- Konzern General Motors sagte schließlich den geplanten Verkauf der Tochter Opel ab - sehr zu Kochs Leidwesen. Auch im Streit um den Ausbau des Frankfurter Flughafens steckte er so in den Details der Luftverkehrswirtschaft, als hätte er selbst den Betreiber Fraport zu managen gehabt.

Mit seinem Wechsel in die Wirtschaft ist Koch nun auch ein von ihm empfundenes Manko los. Oft beklagte er, dass Politiker viel weniger Geld als Manager verdienen - obwohl sie extrem hohe Verantwortung tragen. Seine Bezüge dürften sich bei Bilfinger Berger auf etwa 1,5 Millionen Euro - so schätzt «Focus» - verzehnfachen. Es passt zu Kochs Ehrgeiz, bei seinem Wechsel in die Wirtschaft nicht einen relativ risikolosen Anwalts- oder Lobbyposten anzunehmen. Er will beweisen, dass er wie seine bisherigen Gesprächspartner ein großes Unternehmen lenken kann.

Der Baukonzern kaufe sich weniger Kochs Wirtschaftskompetenz ein, als dessen politische Kontakte und Durchsetzungsfähigkeit, kommentierte Wirtschaftsprofessor Max Otte die Berufung. Der scheidende Bilfinger-Berger-Chef Herbert Bodner verwies auf «die immer wieder bewiesene Führungskraft» Kochs. Durchsetzungsfähigkeit und strategisches Denken haben den Juristen aus Eschborn bei Frankfurt in der Politik nach oben gebracht.

Doch die Härte und gelegentlich Skrupellosigkeit, mit der er vorging, spaltet die Öffentlichkeit bis heute. In seinen Wahlkämpfen 1999 und 2008 schlug er ausländerfeindliche Untertöne an. Als im Jahr 2000 millionenschwere schwarze Kassen bei der Hessen-CDU aufflogen, sagte er die Unwahrheit, hielt sich aber im Regierungsamt.

Selbst wenn es über ihn heißt, er habe «auf Kanzler studiert», kam er in der Karriere nicht an der CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel vorbei. Das hinderte ihn aber nicht, mit oft scharfen Worten die bundespolitische Debatte zu bestimmen. Mit seinem Buch «Konservativ» nahm Koch Abschied von der politischen Bühne, betrauert vom konservativen Flügel der Union. Auf vergleichbar große öffentliche Wirkung muss er als Wirtschaftsboss verzichten.

Bau / Personalien
29.10.2010 · 21:30 Uhr
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