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Porträt: Kapitän Krzysztof Kotiuk

Hamburg (dpa) - Die Bilder auf der privaten Homepage zeigen einen lebensfrohen Mann. Als Kapitän in Uniform mit einem stolzen Lächeln im Gesicht. Oder als Privatmann im Italien-Urlaub, braun gebrannt mit Badehose und Sonnenbrille, flankiert von Frau Bozena und Hund Ivo.

Müde und abgekämpft klingt dagegen die Stimme, mit der Krzysztof Kotiuk nach dem viermonatigen Alptraum spricht. Der Kapitän des von Piraten gekaperten Containerschiffs «Hansa Stavanger» berichtet nach der Freilassung der ARD von dem Martyrium. Die Todesangst und der Schock sind dem Deutschen polnischer Abstammung anzuhören. Zwei Scheinhinrichtungen musste Kotiuk ertragen. «Die Männer zielten mit Gewehren auf mich und mir wurden die Augen verbunden. Ich war pitschnass vor Angst und stand kurz vor einem Herzinfarkt.»

In der Öffentlichkeit ist wenig bekannt über den grauhaarigen Mann aus München, der 1977 sein Studium an der Maritimen Universität in Stettin beendete. Die private Homepage, geschrieben aus der Perspektive seines schwarzen Labrador-Hundes Ivo, lässt auf ein glückliches Berufs- und Familienleben schließen. Das Ehepaar - Kotiuks ist mit einer Juristin verheiratet - genießt seinen Urlaub in Apulien. Fotos zeigt die beiden beim Schlemmen am Meer. «Meine Herrschaften genießen gern "Apulia Primitivo" einen berühmten süditalienischen Wein, direkt am Strand», heißt es auf der Seite.

Aber auch eine lange Dienstreise mit einem Frachter Anfang 2004 wird dokumentiert: «Er fährt die Containerschiffe über die ganze Welt. Letztes mal hat er mich und seine Frau auf eine schöne Reise nach Südamerika mitgenommen», heißt es dort über Kotiuk aus Sicht seines Hundes. Die Bilder sprechen für sich: jamaikanische Kinder, kolumbianische Kolonialstädte, der Frachter im Panamakanal, der Kapitän mit einem Faultier auf dem Arm, südamerikanische Leichtigkeit und Lebensfreude.

Im krassen Gegensatz dazu steht Kotiuks jüngste Dienstfahrt, die in einem viermonatigen Martyrium vor der Küste Somalias endete. «Wir haben kein Wasser, kein Essen, keine Medikamente», schreibt der Kapitän Anfang Juli in einer E-Mail. «Wir können nicht mehr». Dann am Montag endlich die Freilassung. Doch auch nach dem glücklichen Ende muss die Mannschaft noch einige Tage an Bord ausharren. Am Samstag soll das Schiff dann endlich wieder Festland, den kenianischen Hafen von Mombasa, ansteuern.

Schifffahrt / Piraten / Somalia
08.08.2009 · 22:21 Uhr
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