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Porträt: Jähes Ende einer glänzenden Karriere

Zurückgetreten: Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, übernimmt die Verantwortung für die Informationspanne (Archivfoto).
Berlin (dpa) - Die Szene mit dem Strick ist erst zwei Wochen alt. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) steigt bei seinem Besuch im nordafghanischen Kundus mit Soldaten in einen Panzer. Ein dickes Seil hängt im Weg.

Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan hält es mit seinem rechten Arm hoch über dem Kopf zur Seite, damit sein Minister das Innere des schweren Geräts ungestört besichtigen kann. Schneiderhan sagt zu Journalisten: «Hoffentlich hat der Strick nicht noch symbolische Bedeutung in meiner verbleibenden Amtszeit.» Am Donnerstag entließ Guttenberg den 63-jährigen Vier-Sterne-General sieben Monate vor seinem regulären Ausscheiden.

Schneiderhan übernimmt die Verantwortung dafür, dass nach dem von einem deutschen Oberst angeordneten Luftangriff am 4. September nahe des Feldlagers Kundus Informationen über zivile Opfer unterschlagen wurden. Der Grünen-Abgeordnete Omid Nouripour spricht aus, was viele denken: Schneiderhan ist ein «Bauernopfer» - wenngleich diese Bezeichnung seiner Lebensleistung nicht gerecht werde.

Sein jähes Dienstende dürfte für Schneiderhan und viele Offiziere und Soldaten bitter sein. Der gelernte Panzeroffizier hat ein glänzendes Ansehen in der Bundeswehr, er gilt als nahbar und seine 43-jährige Karriere als beispiellos und beispielgebend. Über ihn heißt es, dass er trotz aller goldenen Sterne auf seiner Schulterklappe Kamerad geblieben sei.

Mit Franz Josef Jung (CDU) als Verteidigungsminister von 2005 bis Ende Oktober 2009 wurden allerdings Schwierigkeiten sichtbar. Während Schneiderhan ein enges Vertrauensverhältnis zu Jungs Vorgänger Peter Struck (SPD) hatte, spannte sich der für die Militärpolitik so nötige enge Draht des ranghöchsten Soldaten und militärischen Beraters der Regierung zum Verteidigungsminister nicht. Schuld daran sei weniger Jung als vielmehr sein Berater-Umfeld gewesen, hieß es stets. Nach außen zeigte sich Schneiderhan loyal zu Jung, was dieser öffentlich würdigte und überraschend die Amtszeit des Generalinspekteurs bis Mitte 2010 verlängerte. Dabei hätte er schon 2008 mit 62 Jahren regulär in den Ruhestand gehen können.

Schneiderhan machte nicht öffentlich, dass die politische Spitze des Verteidigungsministeriums seinen militärischen Rat direkt nach dem Luftangriff nicht abgefragt hatte. So heißt es in seinem Umfeld. Nach dpa-Informationen hatte Schneiderhan bereits einen Bericht des betroffenen Obersts - als Jung noch erklärte, seines Wissens seien bei dem Angriff ausschließlich Taliban getötet worden. Das habe zu diesem Zeitpunkt niemand mehr verlässlich sagen können, soll Schneiderhan alsbald erklärt haben. Am 18. September hatte er öffentlich zu der von der NATO eingesetzten Untersuchung gesagt: «Wir müssen uns aber auch darauf einstellen, dass dabei Einzelheiten festgestellt werden, die von uns weitere Antworten verlangen.»

Als eine seiner Tugenden wurde immer wieder Geradlinigkeit genannt. Dass er selbst aktiv die Informationen über die zivilen Opfer unterschlagen haben soll, wirkt irritierend. In sein Bild passt aber, dass er den betroffenen Oberst schützen wollte, dessen Leben sich nach seinem folgenreichen Befehl und der - auch international - wohl einmaligen öffentlichen Auseinandersetzung darüber grundlegend verändert hat. Und: Er hat Jungs Linie nicht verlassen, wonach es keine Klarheit über die zivilen Opfer gegeben habe. Im übrigen hat auch Jungs Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) öffentlich bisher nur gesagt, dass «möglicherweise» Zivilisten getötet wurden.

Konflikte / Bundeswehr / Afghanistan
26.11.2009 · 14:09 Uhr
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