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Porträt: Italiens Superminister Giulio Tremonti

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Rom (dpa) - «Wenn ich stürze, dann stürzt Italien», brachte der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti sein politisches Gewicht kürzlich auf den Punkt.

Der aktuelle Superminister des von der Schuldenkrise geplagten Italien konterte mit dem Spruch Gerüchte, nach denen nun auch er Teil einer Korruptionsaffäre sein soll. Mit seiner coolen Reaktion ähnelte der 63-jährige Norditaliener fast seinem sonst so ganz anders gearteten Regierungschef Silvio Berlusconi, so unerschütterlich zeigte er sich.

Der am 18. August 1947 in Sondrio an der Grenze zur Schweiz geborene Sohn eines Apothekers kann auf eine beachtliche Karriere zurückblicken. Wirtschaftsanwalt und Multimillionär, war der kleine Mann mit der näselnden Stimme und der Hornbrille schon Gastprofessor in Oxford, Regierungsberater und Finanzminister, bevor er - in seiner Jugend noch überzeugter Sozialist - schließlich unabdingbarer Bestandteil des konservativen Kabinetts von Silvio Berlusconi wird.

Wenn Italien, das nach Griechenland den höchsten Schuldenstand in der Eurozone hat und im Moment am Abgrund der Schuldenkrise entlangschliddert, in den vergangenen Jahren seine Ausgaben zumindest nicht gesteigert hat, so ist das Tremonti zu verdanken. «Erst überleben, dann leben», begründete er bei Ankündigung eines Milliarden-Sparpakets seine Pläne. «Sozialer Kahlschlag», kritisierten seine Gegner. Unter dem Druck der Märkte auf das Land mit der Staatsverschuldung von 120 Prozent dürften die Maßnahmen dennoch am Freitag verabschiedet werden.

Dabei war auch Tremonti selbst nicht immer ein Anhänger der drastischen Kürzungen. «Weniger Steuern für alle», plädierte der zweifache Familienvater noch 1998 für ein ganz anderes Rezept. «Es ist nicht ratsam, überall gleichzeitig zu kürzen», sonst müsse man mit einem weiteren Abfall des BIP um bis zu zwei Prozentpunkten rechnen, kritisiert heute der zukünftige EZB-Chef und Noch-Präsident der italienischen Nationalbank, Mario Draghi, der sich mit Tremonti noch nie gut verstanden hat.

EU / Finanzen / Italien
13.07.2011 · 16:52 Uhr
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