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Porträt: Husni Mubarak - Der sture Pharao

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Kairo (dpa) - Bevor er zum ersten arabischen Herrscher hinter Gittern wurde, regierte Husni Mubarak Ägypten fast 30 Jahre lang mit eiserner Hand. Über eine Militärkarriere war der Luftwaffenkommandeur einst zum Vizepräsidenten aufgestiegen.

Sein Spitzname lautete damals «La Vache qui rit» (Die Kuh, die lacht), weil er meist stumm lächelnd neben dem damaligen Präsidenten Anwar al-Sadat stand. Nach der Ermordung Sadats 1981 wurde der machtbewusste Politiker Staatschef.

Mubarak galt schnell als Präsident ohne Visionen. Er setzte auf wirtschaftliche Öffnung ohne Demokratisierung. Politiker, die ihm zu populär wurden, wie der damalige Außenminister Amre Mussa, schob er geschickt zur Seite. Seinen beiden Söhnen Alaa und Gamal verschaffte er Parteiposten und lukrative Geschäfte. Was ihm schließlich politisch das Genick brach, war nach Einschätzung ausländischer Diplomaten der übertriebene Ehrgeiz seiner Ehefrau Suzanne. Sie soll die treibende Kraft hinter der von vielen Ägyptern abgelehnten Idee gewesen sein, den Sohn Gamal als Nachfolger aufzubauen.

Mubarak, der sich auch mit 84 Jahren noch das Haar pechschwarz färbt, war von den Militärs im vergangenen Jahr zum Rücktritt gedrängt worden. Zuvor hatten, inspiriert von der Revolution in Tunesien, Hunderttausende unter dem Motto «Verschwinde!» gegen ihn demonstriert. Am 11. Februar 2011 verließ er Kairo und flog in sein Ferienhaus in Scharm al-Scheich. Doch lange dauerte sein Aufenthalt dort nicht.

Mubarak wurde wegen Korruption und Schüssen auf Demonstranten angeklagt. Wegen seines angeblich schlechten Gesundheitszustandes gestattete man ihm, seine Untersuchungshaft in einem Krankenhaus zu verbringen. Am 1. August 2011 begann schließlich der Prozess in Kairo. Seither erschien Mubarak, der seine Unschuld beteuert, mehrfach auf einem Krankenbett vor dem Richter.

Als Präsident des bevölkerungsreichsten arabischen Landes hatte Mubarak früher eine Sonderstellung inne. Er verstand es außerdem mehrfach, regionale Konflikte zu schlichten. Von vielen westlichen Regierungen, die ihn später fallen ließen, war er viele Jahrzehnte lang als Vermittler im Nahost-Konflikt hofiert worden.

Über Menschenrechtsverletzungen gingen westliche Regierungsvertreter bei ihren Besuchen in Kairo damals meist hinweg. Die US-Regierung soll jedoch nach dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama mehrfach vergeblich versucht haben, Mubarak zu politischen Reformen zu bewegen.

Prozesse / Präsident / Ägypten
02.06.2012 · 21:38 Uhr
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