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Porträt: Heinz Fromm

Köln (dpa) - Heinz Fromm (63) hat den Bundesverfassungsschutz zwölf Jahre lang diskret geleitet. Geräuschlos, unauffällig und verschwiegen. Öffentliche Äußerungen des Juristen sind selten. Und wenn, dann formuliert Fromm stets ernst, vorsichtig, zurückhaltend.

Fromm ist das Gegenteil eines extrovertierten Selbstdarstellers - für den Chef eines Geheimdienstes wohl eine Grundvoraussetzung.

Als der gebürtige Hesse mit SPD-Parteibuch im Sommer 2000 vom damaligen Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) zum Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz berufen wird, ist das zunächst eine Überraschung. Fromm arbeitet sich in Köln schnell ein, gilt als diszipliniert, loyal, uneitel und wird in den Medien schon mal als «Aktenfresser» tituliert. An der Seite des Bundesinnenministers präsentiert Fromm alljährlich den Verfassungsschutzbericht. Interviews gibt der BfV-Präsident selten. Über sein Privatleben lässt der Vater zweier Söhne nichts verlauten.

Sein Werdegang beginnt in Hessen. Dort ist Fromm im Justizministerium, im Justizvollzugsdienst und später als Direktor des hessischen Verfassungsschutzes tätig. In der SPD-Regierung von Hans Eichel wird Fromm 1993 Innenstaatssekretär in Wiesbaden und erwirbt dort den Ruf eines kompetenten und hartnäckigen Arbeiters. Als es im Frühjahr 1999 zum schwarz-gelben Regierungswechsel kommt, verlässt Fromm das Ministerium und übernimmt die Leitung der Justizvollzugsanstalt Kassel I. Dann folgt der Ruf nach Köln an die Spitze des Inlandsgeheimdienstes, wo Fromm zuletzt einen Riesenapparat steuert. Das Bundesamt hat nach unterschiedlichen Angaben zwischen 2500 und 2700 Mitarbeiter.

Die Bedeutung des BfV nimmt in Fromms Amtszeit vor allem mit der wachsenden Bedrohung durch den islamistischen Terror zu. Als die Behörde vor knapp zwei Jahren 60. Geburtstag feiert, sagt Fromm der dpa: «Ich habe den Eindruck, dass unsere Arbeit in der Terrorismus- und Extremismusbekämpfung in der Bevölkerung eine breite Zustimmung findet.» Doch dann kommt im November 2011 das lange unentdeckte mörderische Treiben der rechtsextremen Terrorzelle NSU ans Licht - und der oberste Verfassungsschützer gerät unter Druck. Nun tritt der nüchterne Analyst ab. Er selbst versucht - ganz nach seinem Stil - möglichst geräuschlos zu gehen. Doch der Vorgang an sich verursacht erheblichen Wirbel.

Extremismus / Kriminalität / Verfassungsschutz
02.07.2012 · 21:45 Uhr
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