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Porträt: Frank Henkel - geschmeidiger Konservativer

CDU-Kandidat Frank HenkelGroßansicht

Berlin (dpa) - Erst ganz am Ende des Wahlkampfs ließ Frank Henkel die alte Kampfeslaune doch noch aufblitzen: Schimpfte die Grünen «armselig», weil sie nun doch nicht mit seiner CDU koalieren wollen, drosch auch auf die siechende FDP ein, um den Liberalen noch Stimmen abzujagen.

Die Rechnung ging auf: Der CDU-Spitzenkandidat hat ein beachtliches Ergebnis eingefahren, seine Partei kann sogar auf eine Senatsbeteiligung hoffen.

Die CDU habe gezeigt, dass sie auch in schwierigen Zeiten bei Wahlen zulegen könne, gerade auch in Großstädten, sagte Henkel am Wahlabend und fügte sichtlich erleichtert hinzu: «Wir haben uns durch unsere Arbeit Respekt zurück erkämpft.» Der Mann an der Berliner CDU-Spitze hat sich dafür gewandelt, gibt sich geschmeidig, liberaler als früher. Der harte Kern, die klare konservative Kante von früher, sie scheint nur gelegentlich durch.

Er ist ein freundlicher, kräftiger Mann mit randloser Brille, der das bürgerlich-konservative Berlin vertritt. Gern mal im offenen Hemd oder Pullover, die Haare locker nach hinten gescheitelt, weniger gegelt als früher. Der gelernte Kaufmann und PR-Berater weiß, wie man sich verkauft. «Damit sich was ändert», mit diesem Motto hat er die CDU aus ihrem historischen Tief geholt.

Geändert hat der unverheiratete 47-Jährige dafür zunächst seine Partei. Die Schlangengrube Hauptstadt-Union gilt als zugeschüttet, seit Henkel 2008 den Landes- und Fraktionsvorsitz übernommen hat - nach einem heftigen Machtkampf um den früheren Spitzenkandidaten Friedbert Pflüger.

Pflügers neue Brücken zu den Grünen hat Henkel nicht abgebrochen - die andere Seite hat sie kurz vor der Wahl gekappt. Und Henkel hat die inhaltliche Arbeit vorangetrieben. Auch abseits von Wahlkämpfen trumpfte die CDU mit durchdachten Papieren auf, etwa zu Arbeitsmarkt und Integration. Zugleich behält sie die gern als «kleinbürgerlich» verbrämten Anliegen im Auge: Sauberkeit und Sicherheit.

Henkel bleibt bodenständig. Der Mann, der wegen seiner Körpergröße und -breite kaum zu übersehen ist, pflegt seine Vorliebe für dunkelblaue Anzüge und den festen Händedruck. Er berlinert - wie Amtsinhaber Wowereit - und scheut sich nicht, zu kalauern. Seine Mutter wünschte sich in einem Zeitungsinterview eine Frau für ihren Sohn, die gut kochen kann.

Zu Beginn des Wahljahres rückte Henkel auch seine Ost-West- Biografie in den Vordergrund. Er wuchs im Osten der Stadt auf. Als er 17 war, durfte die Familie nach West-Berlin ausreisen. Henkel arbeitete für Krupp, später studierte er Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. «Ich kenne unsere Stadt», sagt er in seinem Werbespot. «Nirgendwo sonst liegen Großstadt und Kiez so nah bei einander.» Genau das ist der Spagat, den Henkel versucht.

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Frank Henkel
Wahlen / Abgeordnetenhaus / Berlin
19.09.2011 · 01:13 Uhr
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