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Porträt: Entführer glaubte Gottes Stimme zu hören

Entführer GarridoGroßansicht
San Francisco (dpa) - Der mutmaßliche Entführer der Kalifornierin Jaycee Lee Dugard war der Polizei aufgefallen, als er in der Stadt Berkeley Flugblätter mit religiösen Schriften austeilte.

Nachbarn und Bekannte beschrieben den 58 Jahre alten Phillip Garrido als religiösen Fanatiker, der davon berichtete, dass er Gottes Stimme höre. «In den letzten zwei Jahren verfiel er immer mehr diesem seltsamen religiösen Kram. Er tat uns fast leid», sagte der Geschäftsmann Tim Allen, der bei Garrido Visitenkarten drucken ließ, dem TV-Sender Sender KCRA.

In einem Telefoninterview nach seiner Festnahme sprach Garrido davon, dass er eine Kirche mit dem Namen «God's Desire» (Gottes Verlangen) leite. «Eine abscheuliche Sache lief anfangs bei mir ab, aber dann habe ich mein Leben vollkommen verändert», zitierte ihn der Sender KCRA. Niemand solle voreilig Schlüsse ziehen, denn am Ende käme eine «starke, herzerwärmende Geschichte» heraus, prophezeite der wegen früherer Sexualdelikte vorbestrafte Mann, der eine Druckerei betrieb.

«Es ist alles so bizarr, aber ich kann es glauben», sagte Ron Garrido über die schweren Vorwürfe gegen seinen jüngeren Bruder. Er habe früh Drogen missbraucht und unter sexuellen Zwangsneurosen gelitten, teilte der 65-Jährige dem «San Francisco Chronicle» mit. Phillip Garridos Ehefrau Nancy habe «alles getan, was er von ihr verlangte». Ron Garrido verglich den Einfluss seines Bruder auf die Ehefrau mit dem Sektenführer Charles Manson und dessen Anhängerinnen.

1971 wurde Phillip Garrido nach der Entführung einer Frau in Reno (Nevada) wegen Vergewaltigung und Kidnapping verurteilt. Im Gefängnis von Leavenworth (Kansas) traf er seine jetzige Ehefrau, die einen Mitgefangenen besuchte. Nach seiner Freilassung zog das Paar Ende der 1980er Jahre in das Haus von Garridos Mutter in Antioch (Kalifornien). «USA Today» zufolge kam er noch zwei Mal wegen Kidnapping und einem Sexualdelikt hinter Gitter.

Der jüngste Fall zeigt Parallelen zu den Entführern der Amerikanerin Elizabeth Smart. Die 2002 entführte 15-Jährige war neun Monate nach ihrem Verschwinden in Begleitung eines religiösen Fanatikers und dessen Frau entdeckt worden. Der Kidnapper hatte das Mädchen nach Erkenntnissen der Polizei einer Gehirnwäsche unterzogen.

Kriminalität / USA
28.08.2009 · 13:36 Uhr
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