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Porträt: Dauerrevolutionär Gaddafi

Istanbul (dpa) - Oberst Muammar al-Gaddafi ist nicht nur der dienstälteste, sondern auch mit Abstand der schrillste unter den arabischen Herrschern. Doch so unterhaltsam seine Camping-Aufenthalte in europäischen Parks auch sein mögen.

Für die libysche Bevölkerung sind seine Eskapaden bitterer Ernst. Denn Kritik am «Bruder Führer» wurde in Libyen stets mit Haft und Folter geahndet.

Gaddafi ist launisch und hält sich selbst für unfehlbar. Am liebsten hätte er nach der Machtergreifung 1969 gleich die gesamte arabische Welt mit seiner hausgemachten Volksbefreiungsideologie beglückt. Doch die Araber zeigten ihm die kalte Schulter. Sie wollten weder von seiner islamisch getünchten Volksherrschaft etwas wissen, noch von seinem Plan, einen gemeinsamen Staat «Isratin» für Juden und Palästinenser zu schaffen.

Da ihm Libyen als Betätigungsfeld aber auf Dauer zu klein war, wandte sich der «Bruder Führer» später den Afrikanern zu, die für ihn dank großzügiger Geschenke stets ein offenes Ohr hatten. Vielen Libyern passte das jedoch gar nicht. Sie hätten es lieber gesehen, wenn das Geld für eine Verbesserung der Lebensbedingungen daheim genutzt worden wäre.

Der libysche Staatschef gilt als neurotisch und aufbrausend. Er misstraut fast jedem und verlässt sich am liebsten auf die eigene Familie. Gaddafi hat sein Land in einem wilden Zickzackkurs erst von der Monarchie in eine Art Volksrepublik geführt. Dann sorgte er dafür, dass Libyen international als einer der Hauptsponsoren des Terrorismus gebrandmarkt und mit Sanktionen belegt wurde. Im Jahr 2003 verkündete er dann plötzlich, Terror und Aufrüstung seien sinnlos. Deshalb werde er nun die Unterstützung von Extremistengruppen beenden und alle Programme zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen einstellen.

Belohnt wurde Gaddafi für diese Kehrtwende mit verbesserten Beziehungen zu mehreren westlichen Staaten. Besonders eng wurde der Kontakt zu Italien, wohl auch, weil sich Gaddafi und der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi auf der menschlichen Ebene gut verstehen.

Nur eine Konstante gab es in Libyen, nachdem Gaddafi und seine Getreuen im Jahr 1969 König Idris al-Sanussi gestürzt hatten: Der «Bruder Revolutionsführer», wie Gaddafi im offiziellen Diskurs genannt wird, hat immer Recht. Obwohl er kein öffentliches Amt bekleidet, ging ohne seinen Segen in Libyen in den vergangenen vier Jahrzehnten fast nichts.

Gaddafi, der 1942 als Sohn eines nomadisierenden Bauern in der Nähe der Stadt Sirte geboren wurde, hatte sein Land zunächst bewusst in die Isolation gesteuert. Jahrzehntelang war er bemüht, westliche Einflüsse abzuwehren. Fast völlig auf sich gestellt waren die Libyer dann in den 90er Jahren, nachdem die Vereinten Nationen wegen der Terrorverbindungen des libyschen Regimes ein Luftverkehrsembargo gegen das nordafrikanische Land verhängt hatten.

Gaddafi liebt den Kult um seine Person. Er ließ überall im Land seine Fotos in Überlebensgröße aufhängen. Diese auf Werbetafeln platzierten Bilder, die ihn wahlweise mit cooler Sonnenbrille oder in bunten Phantasiegewändern zeigen, bilden nun eine hervorragende Zielscheibe für die Wut der Aufständischen. Jetzt reißen sie überall im Land seine Fotos nieder. Sie stecken die Plakate in Brand und werfen mit Steinen darauf.

Unruhen / Libyen
22.02.2011 · 22:28 Uhr
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